Höly-Kawasaki ER-6RR Federleicht und voll mit Leistung

Eine Kawasaki ER-6 mit 98 PS – das Team von Motorrad Höly hat sich dieser Aufgabe gestellt. Und sie mit Bravour gelöst.

Foto: Künstle
Federleicht und trotzdem satt sind Begriffe, die das Fahrgefühl am ehesten beschreiben. Jeden kleinen Zug am Lenker setzt die ER-6RR sofort in die gewünschte Bewegung um. Widerstandslos und zielsicher. Mit exakter, sehniger Rückmeldung und vertrauensbildender Stabilität. Man fühlt die Straßenoberfläche, ist bestens mit ihr vernetzt, aber gleichzeitig komfortabel vor ihren Unbilden abgeschirmt. Geschäftsführer Ronald Schnepf von Motorrad Höly in Schriesheim hat der ER-6 eine Radikalkur verordnet. Mit Erfolg. Und mit viel Aufwand. So wurden das Lenkkopf- wie auch die Schwingenlager gegen Präzisionsteile des Spezialisten Emil Schwarz getauscht. Fahrwerksseitig kommt hinten ein voll einstellbares Wilbers-Federbein zum Einsatz, vorn setzt das Höly-Team auf eine Upside-down-Gabel aus der ZX-6R. Diese Kombination funktioniert bestens. Die Federelemente sprechen superfeinfühlig an, dämpfen satt und sind durchschlagssicher. Was jedoch soll das renntaugliche Fahrwerk mit rund 72 PS? Dieter Briese, Werkstatt-Boss von Höly und in der Tuning-Szene kein Unbekannter, nahm sich den Zweizylinder vor. Sein Ziel: Mehrleistung, ohne viel Power im mittleren Drehzahlbereich einzubüßen – alltagstauglich trotz Tuning.
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Einzelstück mit Zulassung

Das Ergebnis seiner Maßnahmen kann sich sehen respektive fahren lassen. Ja, mehr noch: Man kann es bereits im Leerlauf erahnen. Da tuckert der Paralleltwin wie ein Uhrwerk, grummelt herrlich dumpf und kraftstrotzend aus dem Akrapovic-Schalldämpfer. Der positive Eindruck verfestigt sich beim Angasen: Sehr vibrationsarm strebt der 649 Kubik große Twin höchsten Drehzahlen entgegen. Er ist gierig und spritzig, wirkt nie zäh. Seine Spitzenleistung von 98 PS erreicht er bei 10600/min. Auffällig dabei: Der Motor hängt perfekt am Gas und hat auch in niedrigen Drehzahlen Kraft. Wenngleich nicht ganz so viel wie die Standard-Version. Die packt mit 50 Nm bei 3000/min gleich 20 Nm mehr auf die Kurbelwelle. Wird aber 800 Umdrehungen später von der ER-6RR in jeder Beziehung an die Wand gespielt.

Und der TÜV? Schnepf gibt sich selbstsicher, das Tuning könne man eintragen. Allerdings müsse der Akrapovic-Racingtopf einem leisen weichen. Und die derzeit eingesetzten ZX-10R-Drosselklappenkörper, die für die Beatmung der ER6-RR sorgen, würden bei der Straßenvariante ebenfalls nicht zum Einsatz kommen – diese abgespeckte, TÜV-fähige Tuning-Konfiguration soll rund 92 PS aktivieren und zirka 3400 Euro kosten. Tipp von Meister Briese: Wer aus seiner ER-6 im Handumdrehen etwa vier PS mehr kitzeln möchte, der muss nur einen Sport-Krümmer von SR-Racing für 320 Euro anbauen. Leider ist der Krümmer nicht legal. Hölys ER-6RR ist ein Einzelstück, das für 10000 Euro zu haben ist. Ein gutes Angebot, wenn man bedenkt, dass neben Fahrwerk, Lackierung und Motortuning zusätzlich Teile für 3340 Euro verbaut sind. Weitere Infos: Telefon 06203/60610.
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