K-MaxX Honda CB 900 F Bol d'Or Limited Edition - Honda Race Oldtimer

Sie war Hondas Hommage an die Siege beim 24-Stunden-Langstreckenrennen von Le Mans. Heute ist sie ein Eisenhaufen mit Holzbremse und Motten im Tank bis sie Entwickler Marcus Klass von K-MaxX mächtig aufpolierte.

Foto: jkuenstle.de

Über die Bol d’Or sprach man nur hinter vorgehaltener Hand. Sie war Wahnsinn, Leichtsinn und ein bisschen Größenwahn - und das bereits im Originalzustand. Hier und heute stehe ich vor einem Unikat, das Passanten beim bloßen Hinsehen elektrische Schläge verpasst. Die von Marcus Klass aufgebaute Honda CB 900 F Bol d’Or (Bj. 1984) ist wegen ihrer klassischen Anmutung verbunden mit modernen Racing-Bauteilen so richtig unverschämt widersprüchlich.

Schon beim Anbremsen der ersten Kurve erwischt es mich eiskalt: Die Fuhre bremst, und wie! Und dieser feine Druckpunkt, das transparente Ansprechverhalten, die lückenlose Rückmeldung der Gabel. Dann die scharfe Präzision beim Einlenken. Wahnsinn, der blanke Wahnsinn! Der 26 Jahre alte Eisenhaufen fällt wie eine Yamaha YZF-R6 in die Kurve. Habe ich R6 gesagt? Und dann dieser Motor, dieses Triebwerk. Bei Vollgas aus dem Drehzahlkeller trifft mich die Beschleunigungsdruckwelle wie ein Amboss, der vom Himmel fällt, nur horizontal. Angeblich dreht die Standard-Bol d’Or recht müde Richtung Drehzahlbegrenzer. Die K-MaxX Bol d’Or dagegen rennt derart besessen in den feuerroten Bereich, als würde parallel zur Vergaserbatterie eine zusätzliche Einspritzpumpe pro Zylinder werkeln.

Da kann eine kleine Verschnaufpause nicht schaden. Gleich mal nachschauen, wie der Erbauer diesen lethargischen Eisenhaufen in einen so agilen Brennstuhl verwandeln konnte. Die augenscheinlichsten Änderungen sind die goldene Öhlins-Gabel, Federbeine aus demselben Hause, die 17-Zoll-Schmiede-räder von PVM und die Aluminiumschwinge einer Kawasaki ZRX 1200. Was? Ein kawasakianischer Fremdkörper im Honda-Klassiker? Irrsinn! Und dann auch noch die Engländer ins Boot holen: Radlastverteilung und Nachlauf der Triumph Speed Triple dienten als Orientierungshilfe für die Fahrwerksgeometrie.

Bei der Peripherie des Standardmotors geht der Wahnsinn weiter: Dynojet-Kit im Vergaser und dazu eine Dyna-Zündanlage mit Steuergerät, von dem aus 16 Zündkurven-Mappings angesteuert und ein Drehzahlbegrenzer zwischen 9000 und 16000/min eingestellt werden können. Weiterhin ein K&N-Luftfilter für mehr Luftdurchsatz und eine leistungsfördernde Abgasanlage von Moriwaki. Der Auspuffbauer stattete Anfang der 80er-Jahre die japanische Superbike-Meisterschaft aus. Macht alles zusammen deutlich mehr Durchzugskraft bei nur 225 kg vollgetankt (Serie 260 kg): das Werk eines Besessenen! Aber natürlich reden wir hier immer noch über ein altes Motorrad mit alten Manieren: Manchmal springt sie an, manchmal nicht. Manchmal röchelt sie, oder es läuft Sprit aus. Und manchmal, aber wirklich nur manchmal, fliegt ein Bolzen weg und die Hinterradbremse fällt aus. Aber genau das suchen wir doch: Charakter.

Über diese Bol d’Or muss man offen reden. Als Schnäppchen für 1350 Euro gekauft, warf Marcus Klass reichlich Erfahrung und handverlesene Bauteile in die Waagschale, um einen Traum zu realisieren: ein klassisches Sportmotorrad, das wie ein neues Motorrad fährt, aber Ecken und Kanten hat. Ein verblüffendes Liebhaberfahrzeug - einzigartig und unverkäuflich. Es sei denn, der Preis stimmt.

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Foto: jkuenstle.de

Technische Daten

Antrieb
Vierzylinder-Reihenmotor, luftgekühlt, 4 Ventile/Zylinder, 63,5 kW (86,3 PS) bei 9100/min* an der Kurbelwelle, 72,5 Nm bei 7500/min*, 902 cm3, Bohrung/Hub: 64,5/69,0 mm, Verdichtungsverhältnis: 8,8:1, vier Keihin-Vergaser (Ø 32 mm), Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Dynojet-Vergaser-Kit, programmierbare Dyna-Zündanlage

Fahrwerk
Doppelschleifen-Stahlrohrrahmen, Aluminium-Schwinge aus Kawasaki ZRX 1200, Lenkkopfwinkel: 64 Grad, Nachlauf: 93 mm, Radstand: 1525 mm. Öhlins-Upside-down-Gabel FG43, voll einstellbar, Ø Gabelinnenrohr: 43 mm, zwei Öhlins-Federbeine hinten, voll einstellbar, Federweg vorn/hinten: 120/110 mm

Räder und Bremsen
Leichtmetall-Schmiede-räder von PVM, 3.5 x 17"/5.75 x 17", Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17. Bereifung: ContiRoadAttack 2, vorne: 320-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Sätteln, hinten: schwimmend gelagerte 218-mm-Guss-Einzelscheibe

Hinterradleistung im letzten Gang
77,6 PS*

Höchstgeschwindigkeit ca. 220 km/h

Preis
16 500 Euro

*PS-Messung

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