Honda DN-01

Eindrucksvoll bestätigt die DN-01 auf der obligatorischen Testrunde über die Pässe, wie gut die Automatik funktioniert. Butterweich und unmerklich jongliert der hydrostatische Antrieb mit der stufenlosen Übersetzung, ruckfrei greift die Fliehkraftkupplung beim Anfahren ein. Da gibt es kein Spiel, keine Lastwechselreaktionen. Alles ist im Fluss, ein wahrer Genuss. Solch eine brillante Kraftübertragung stände einem Tourer gut zu Gesicht.

Vor allem, wenn mehr Hubraum und mehr Drehmoment für mehr Dynamik sorgten. In der DN-01 wirkt der Motor immer ziemlich angestrengt, besonders an Steigungen und mit Beladung quält er sich regelrecht. Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein nennenswerter Anteil der Antriebsleistung in der komplizierten Hydraulik hängen bleibt.

Nicht nur technisch, auch optisch ist die DN-01 einzigartig, wird auf den Passhöhen von Scharen von Neugierigen umlagert. Wobei sie insbesondere von Franzosen und Italienern positive Kommentare erntet, während der typisch deutsche BMW-Tourist eher mit Amüsement reagiert. Ebenfalls unkonventionell geriet die Ergonomie, bequem allerdings nur auf den ersten Metern. Die aufrechte Oberkörperhaltung aufgrund des weit nach hinten gezogenen Lenkers und hoher Trittbretter erinnert an einen Roller, zehrt jedoch auf Dauer an der Kondition. Nach ein paar Stunden im Sattel klagten selbst hartgesottene Piloten über Verkrampfungen. Zumal die Sitzposition nicht variierbar ist, sondern in einer Position quasi festgedübelt wird.

Schade, denn Fahrwerk und Federung verwöhnen mit gutem Handling und komfortablem Ansprechverhalten. Wer vom „normalen“ Motorrad umsteigt, braucht aber ein paar Stündchen, bis er Vertrauen zum Vorderrad fasst. Die Haltung ist sehr passiv, der Oberkörper weit vom Lenkkopf entfernt. Verblüfft registriert man schließlich, dass die DN-01 dem ellenlangen Radstand und dem breiten 190er-Schlappen zum Trotz selbst auf welligem Geläuf den Kurs hält. Auf der Bremse ist sie dank Verbundbremssystem sowie unauffällig und sensibel regelndem ABS sogar spitze, vermittelt ein ausgesprochen sicheres Gefühl. Keine Maschine in dieser Klasse schaffte beim Bremsversuch bergab kürzere Bremswege. Vielversprechende Ansätze also, als Reisemaschine fehlen unterm Strich Power, Stauraum, ein besserer Windschutz und nicht zuletzt Komfort.

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