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Honda GB 500 Clubman im Studio Einzylinder-Sportler im englischen Stil

Auf Basis der XBR 500 S schuf Honda Ende der 1980er-Jahre für den US-Markt einen hübschen Einzylinder-Sportler im englischen Stil. Doch dort floppte die GB 500 Clubman. Und fand so über Umwege doch noch den Weg zu uns. Sehr zur Freude vieler Traditionalisten.

Amerika, du hast es besser – so titelte US-Korrespondent Roland Brown in MOTORRAD 16/1989 seinen ersten Fahrbericht der Honda GB 500 Clubman. Während die europäischen Importeure nämlich kein Interesse an dieser bildhübschen Einzylindermaschine zeigten, hatte Honda of America 1988 ein großes Kontingent von 5000 Exemplaren des zierlichen Retro-Singles bestellt.

Und blieb darauf sitzen, weil die damals von ­einer mächtigen Konjunkturflaute gebeutelten US-Biker der schmucken Honda GB 500 Clubman die kalte Schulter zeigten. Kaum zu glauben, doch die GB 500 war 1989 in den Vereinigten Staaten nahezu unverkäuflich. Was sich als Glücksfall für die verstärkt nach klassischen Schönheiten lechzenden Motorradliebhaber auf dem alten Kontinent und vor allem in Deutschland erweisen sollte. Denn einige freie Importeure zeigten mehr unternehmerischen Mut als die offizielle Honda-Vertretung in Offenbach. Der wurde belohnt, die ab Mitte 1990 bei den „Grauen“ angebotenen US-Maschinen fanden zu Preisen um 6500 Mark auch hierzulande dankbare Abnehmer. Und zwar so viele, dass Honda Deutschland dem lukrativen Treiben der Parallelimporteure nicht mehr länger tatenlos zusehen konnte. Kurzerhand wurden 1992 die Clubman-Restbestände in den Staaten aufgekauft und für 7760 Mark inklusive Zweijahresgarantie unter die Leute gebracht.

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Foto: Bilski

Verwandschaft zur XBR kaschiert die Clubman geschickt

So manches Exemplar schaffte es jedoch gar nicht erst bis in den Schauraum. Sondern landete auf direktem Weg in der Garage eines Honda-Dealers. So wie unser Fotomodell, das gerade mal 83 Meilen auf dem Tacho stehen hat. Es gehört Manfred Domaier, der dem Charme des nostalgisch gezeichneten Singles ebenfalls nicht widerstehen konnte. Heute handelt der Schwabe mit gebrauchten Bikes (www.motorcity.de), seine Honda GB 500 Clubman ist jedoch unverkäuflich. Sie gehört – zusammen mit einigen Starrrahmen-Monkeys – zu den ganz besonderen Blickfängen in Domaiers Schauraum.

Mit viel Liebe zum Detail verwandelten die ­Honda-Stylisten die eher sachlich und ein wenig pummelig wirkende XBR 500 S in eine klassische Schönheit, deren Stil sich unverkennbar an den traditionellen Vorbildern der englischen Clubman-Renner der späten 50er-Jahre orientiert. Und das so gekonnt und stimmig, dass Plagiatsvorwürfe nie ein Thema waren. Im Gegenteil. Mit ihren polierten Alu-Lenkerstummeln, dem golden linierten Metalliclack in Schwarz, der im Sonnenlicht einen dunkelgrünen Schimmer offenbart, sportlicher Solo-Sitzbank, Speichenrädern mit Hochschulterfelgen, dem konisch geformten Schalldämpfer, gebürsteten Motordeckeln und viel Chrom zählt die Honda GB 500 Clubman heute selbst zu den begehrten Klassikern.

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Da spielt es keine Rolle, dass sie in Sachen ­Leistung und Sound der XBR 500 nicht das Wasser reichen kann. Statt 44 PS weist das offizielle Datenblatt für die Honda GB 500 Clubman nur 38 PS aus, wofür neben der magereren US-Abstimmung und dem Sekundärluftsystem auch der zugestopftere Schalldämpfer der Zwei-in-eins-Auspuffanlage verantwortlich zeichnen. Bevor jetzt potenzielle Interessenten ins Grübeln kommen: Mit gemessenen 42 Pferden hielt sich der Leistungsverlust beim ersten Test der Clubman in engen Grenzen (MOTORRAD 14/1992).

Wichtiger: Auch der um drei auf 42 Millimeter vergrößerte Vergaser ändert nichts an der harmonischen Leistungsentfaltung des Eintopfs, der sich schon bei niedrigen Drehzahlen ordentlich ins Zeug legt. Er ist ein robuster Geselle, dieser Radial-Vierventiler, der bei regelmäßiger Pflege und Wartung hohe Laufleistungen ohne Motorrevision erreicht. Auch um die Ersatzteilversorgung ist es ganz gut bestellt, mit Ausnahme einiger weniger (offensichtlicher) Sturzteile ist die Honda GB 500 Clubman mit der XBR identisch. Die technischen Unterschiede beschränken sich auf niedrigere Lenkerstummel, gekürzte Federwege mit strafferen Federn, einen schmaleren Vorderreifen und das abgespeckte Rahmenheck. Wirklich begehrenswert macht die Clubman jedoch erst ihr stilsicherer Auftritt – der glücklicherweise nicht nur US-Bikern vorbehalten blieb.

Foto: Bilski

Technische Daten

Motor
Luftgekühlter Einzylinder-Viertaktmotor, vier radial angeordnete, über Kipp- und Schlepphebel betätigte Ventile, Bohrung 92 mm, Hub 75 mm, 498 cm³, Verdichtung 8,9:1, 38 PS (28 kW) bei 7500/min, ein 42er-Keihin-Gleichdruckvergaser, Ölbadkupplung, Fünfganggetriebe, Kettenantrieb

Fahrwerk
Einschleifenrahmen aus Stahlrohr mit geteilten Unterzügen, Telegabel vorn, Zweiarmschwinge hinten mit zwei Federbeinen, Scheibenbremse vorn, Trommel hinten, Gewicht vollgetankt 179 kg, Tankinhalt 16,5 l

Höchstgeschwindigkeit
166 km/h

Preis (1992)
7760 Mark

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