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Halb Großroller, halb Motorrad – Honda Integra im Kompakttest.

Honda Integra im Kompakttest Halb Roller, halb Motorrad

Der Honda Integra mit 55 PS starkem 750er-Reihenzweizylinder ist ein Mittelding, ein Zwitter, ein Weißnichtwas: Der tiefe Durchstieg spricht für eine Einordnung als Roller, die Grußhände entgegenkommender Motorradfahrer für eine Einordnung als Motorrad.

Schon wieder grüßt ein entgegenkommender Motorradfahrer! Tja, der Honda Integra ist eben ein Zwitter, halb Großroller, halb (Touren-)Motorrad. Schließlich stammen Fahrwerk mit Brückenrahmen und großen 17-Zoll-Rädern sowie 750er-Reihenzweizylinder von den erfolgreichen NC 750-Schwestern ab. Nur eben kombiniert mit freierem Durchstieg, großer Verkleidung und serienmäßiger Doppelkupplung (DCT) am konventionellen Zahnradgetriebe.

2016 gibt es für den Honda Integra eine Modellpflege, wie bei NC 750 S und X. Der 55-PS-Motor trägt jetzt einen kantigen, kompakteren Auspuff. Fit für die aktuelle Abgasnorm Euro 4 macht neue Software. Supersanft, mit nahtlosem Kraftschluss schalten die zwei Kupplungen abwechselnd selbsttätig. Besser, geschmeidiger denn je funktioniert DCT dank Über­arbeitung der Steuerungselektronik. Zur Wahl stehen wie gehabt der sanftere D-Modus und der sportlichere S-Modus, dieser nun in drei Stufen. Sie schalten unterschiedlich spät hoch und früh zurück, um mehr Motorbremsmoment zu erzielen. Zudem kann man ja jederzeit per Drucktasten eingreifen oder gleich ruckzuck im manuellen Modus per Daumen und Zeigefinger schalten. Macht Laune, den Kopf frei und flott.

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Honda Integra mit 400 Kilometern Reichweite

Der langhubige, auf starkes Drehmoment ausgelegte Twin pulsiert dank 270-Grad- Kurbelwelle wie ein 90-Grad-V2, vibriert sanft. Er trägt nur eine Drosselklappe, doch zwei Ausgleichswellen. Und ist bekannt sparsam, Honda nennt 3,5 Liter Normverbrauch je 100 Kilometer. So taugt der 14,1-Liter-Tank des Honda Integra für 400 Kilometer Reichweite. Die reißt man gut geschützt hinter der hohen Scheibe ab. Komfortabel gepolstert ist der 79 Zentimeter hohe Sitz. Kleinere Fahrer müssen sich strecken. Flüssig und behände rollt der Integra auf dickem 160er-Hinter­reifen durchs Kurvengewühl. Bridgestone T 30-Reifen (in Sonderkennung „E“) sind halt gute Ware.

Akkurat spricht die neue, straffer gedämpfte Telegabel von Showa mit „Dual Bending Valve”-Technologie an. Sie bietet Reserven und spürbare Progression. 2016 lässt sich die Federbasis am hinteren Federbein variieren. Der Kompromiss aus Komfort und Stabilität geht okay. Zwei einfache Scheibenbremsen haben die 238 Kilogramm des Honda Integra gut im Griff. Beide Bremshebel sind einstellbar, die Schwinge besteht im Gegensatz zu den NC-Modellen aus Aluminium statt schnödem Stahl.

Hell strahlen LED-Leuchten für Scheinwerfer/Tagfahrlicht und Rücklicht, bunt leuchtet das nun in neun Farben einstellbare Cockpit. Es kann sogar durch Farbwechsel je nach Einstellung zu sparsamer Fahrweise animieren. Mankos bleiben dagegen die pflegeintensive Antriebskette (warum kein Zahnriemen?) und das kleine Staufach, das anders als bei den über 1000 Euro günstigeren NCs nicht mal einen Jethelm fasst. Doch für 9305 Euro ist der motorradartige Honda Integra viel günstiger als die Großroller BMW C 650 Sport und Yamaha TMax. Eben eine integre Persönlichkeit.

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Foto: Honda
Der Integra rangiert mit hoher Scheibe und bequemer Sitzbank  zwischen Sofaroller und Tourenmotorrad.
Der Integra rangiert mit hoher Scheibe und bequemer Sitzbank zwischen Sofaroller und Tourenmotorrad.

Technische Daten Honda Integra

Motor
Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, eine obenliegende, kettengetriebene Nockenwelle, vier Ventile pro Zylinder, Einspritzung, 1 x Ø 36 mm, geregelter Kat, automatisch betätigtes Doppelkupplungsgetriebe, Sechsgang, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub: 77,0 x 80,0 mm
Hubraum: 745 cm³
Nennleistung: 40,3 kW (55 PS) bei 6250/min
Max. Drehmoment: 68 Nm bei 4750/min

Fahrwerk
Brückenrahmen aus Stahl, Telegabel, Ø 41 mm, Zweiarmschwinge, Federbein, direkt angelenkt, Scheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 240 mm, Einkolben-Schwimmsattel, ABS.
Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 4.50 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17; 160/60 ZR 17

Maße und Gewichte
Radstand: 1525 mm, Lenkkopfwinkel 63,0 Grad, Nachlauf 110 mm, Federweg vorn/hinten 120/120 mm, Sitzhöhe 790 mm, Gewicht: vollgetankt 238 kg, zulässiges Gesamtgewicht 432 kg, Tankinhalt 14,1 Liter.
Garantie: zwei Jahre
Farben: Grau, Silber (Special Edition)
Preis/Nebenkosten: 9020 Euro/285 Euro

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