"Jetzt testen wir" Leser Testen die Honda NC 700 X

Honda hatte eingeladen, MOTORRAD zur Teilnahme aufgerufen und 1700 Leser wollten nach Portugal, um die Honda NC 700 X zu testen. Schließlich gingen elf Glückliche auf Tour.

Foto: Honda

Das Wetter war höchst erfreulich, die Aussicht von der Hotelterrasse herrlich, das Hotel selbst ein Traum. Doch diese Annehmlichkeiten waren nur Begleitumstände; sie kamen nicht an gegen die Hauptsache: Von der Ankunft bis zur Abreise, am Pool, beim Essen, an der Bar wurde Motorrad geredet, Motorrad aus allen Perspektiven diskutiert, Motorrad gestikuliert, Motorrad gelebt.

Das Thema wäre wohl selbst dann der selbstlaufende Dauerbrenner geworden, wenn man nicht auch noch Motorrad gefahren wäre. Ist man aber. Eine rund 140 Kilometer lange Testrunde auf zehn NC 700 X, zunächst entlang der Algarveküste zum Cabo de São Vicente, dann auf kurvigen Straßen nordwärts zum Mittagsimbiss, der an einer bezaubernden Bucht gleichsam unter dem Blütenfall des Meeres serviert wurde - um den unübertrefflichen Vers von Gottfried Benn zu zitieren.

Doch diese Art von Poesie verfing nicht so recht. Man blieb stattdessen hart am Motorrad, sprach über Motorleistung. „Sind 48 PS nicht zu viel für einen Neueinsteiger?“, fragte Florian Vincze, der die NC 700 X stellvertretend für seinen noch nicht 18-jährigen Sohn ausprobierte. Sie seien jedenfalls nicht zu wenig, konstatierte Eberhard Janzen, sonst auf einer Deauville unterwegs, und fragte den MOTORRAD-Redakteur, wozu der denn die 178 PS seiner Fireblade brauche. Für die Rennstrecke und weil es schön sei, sie zu haben, so die Antwort. „Wer ein Rennpferd haben kann, möchte nicht auf einem Esel reiten“, ergänzte Gerhard Bornschein, mit 65 Jahren der älteste Teilnehmer. Janzen hielt es trotzdem mit dem Esel. Man hatte ein unerschöpfliches Thema im Thema Motorrad gefunden und obendrein ein wichtiges für die neue NC. „Long, sweepin bends“, weite, geschwungene Kurven, hatte Alex Hearns, der Tourguide der schnelleren der beiden Gruppen für den letzten Teil der Strecke versprochen. Und damit nicht zu viel.

Getrieben vom jüngsten Fahrer im Pulk, dem 21-jährigen Gixxer 600-Piloten Phillip Steinmetz, ließ Hearns die NC 700 X durchs Hügelland Richtung Südosten swingen. Mit äußerst sparsamem Einsatz der Bremsen.

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Foto: Honda

„Ich fahre gerne sportlich und hätte nicht gedacht, dass mir ein solches Motorrad so gefallen könnte“, begrüßte der schon renn-erfahrene Steinmetz diese Erweiterung seines Erfahrungshorizonts. Besonders beeindruckt haben ihn das Gefühl, die NC stets unter Kontrolle zu haben, und ihre im Vergleich zur GSX-R 600 völlig konträre Motorcharakteristik: „So viel Druck von unten - ungewohnt, aber toll.“ Aus der Perspektive des MOTORRAD-Redakteurs sei noch angemerkt, dass auch Deauville-Fahrer Janzen bei dieser Schlussetappe ziemlich  leistungsfreudig fuhr.

Vor dem Hotel warteten bereits Soya Uchida und Takanori Osuka, Testingenieur der eine und Motorenentwickler der andere, beide an der Entwicklung der NC-Modellreihe beteiligt. Die eigens für die Präsentation aus Japan angereisten Techniker wollten direkt die Meinung ihrer potenziellen Kunden über die Neuentwicklung erfahren.

Sie hörten viel Lob, aber auch Kritik an einem Detail, die sie nicht erwartet hatten. Die groß gewachsenen unter den Lesern stießen mit den Fersen an den Soziusrasten an, wenn sie in Schräglage den kurveninneren Fuß auf der Fahrerraste nach hinten setzten. „Macht man das in Deutschland auch beim Fahren auf der Landstraße?“, fragte Uchida-San zunächst ungläubig, „ich habe das immer nur beim Rennenfahren mit meiner 125er gemacht.“ Mit viel Ausdauer wurde erklärt, nachgefragt, hin- und herübersetzt. Schon beim Abendessen gab es Rückmeldung aus Japan: Vor dem Serienanlauf könne man die Soziusrasten nicht mehr ändern, würde die Kritik aber beim nächsten Update berücksichtigen.

Vor der Heimreise am nächsten Tag durften die Testgäste länger schlafen als die Honda-Delegation und der Redakteur. Es ist deshalb nicht bekannt, worüber sie sich während der Wartezeiten, zum Beispiel zwischen Check-in und Boarding, unterhielten. Aber eine Vermutung gibt es.

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