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Honda VFR 800 F im Fahrbericht Für die Zukunft gerüstet

Nach zwölf Jahren bekommt die VFR endlich wieder ein Update. Honda will die Tugenden der Maschine damit verbessert haben und geht mit der Honda VFR 800 F erneut auf Kundenfang.

Seit nunmehr 28 Jahren gehört die VFR zum Straßenbild und nun kommt mit der Honda VFR 800 F wieder ein Update. Rund 75.000 Exemplare rollen derzeit allein auf europäischen Wegen. Von den frühen 750er-Modellen bis zur ersten 800er, die 1998 die Bühne betrat und 2002 sogar die variable Ventilsteuerung VTEC im Motorradsektor einführte.

Das aufwendige System soll die Vorteile von Zwei- und Vierventilmotoren verbinden: optimale Zylinderfüllung bei niedrigen bis mittleren Drehzahlen (zwei Ventile) und verbesserte Höchst­leistung (vier Ventile) im letzten Drehzahldrittel. Unumstritten war das VTEC nie, sorgte es doch beim Einsetzen mitunter für eine „Gedenksekunde“ und konnte sich bei einer Konstantdrehzahl um die 7000/min oft nicht entscheiden, was es wollte: Zwei- oder Vierventilantrieb. Diese Eigenart war als Ruckeln spürbar. Bei der neuen Honda VFR 800 F ist dies endgültig passé.

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Motor überzeugt durch Charakter, Drehfreude und Kraft

Bereits nach den ersten Kilometern über schwungvolle Straßen im spanischen Hinterland überzeugt der Motor der Honda VFR 800 F. Zumindest, was das VTEC betrifft. Der Übergang von Zwei- auf Vierventiltrieb erfolgt wie gewohnt zwischen 6500/min und 7000/min. Doch statt des vermaledeiten Ruckelns ist nur noch die Mehrleistung spürbar, die mit einem veränderten Motorsound einhergeht: Plötzlich schnarrt es nervöser aus dem Zylinderkopf. Das Ganze passiert seidenweich wie nie zuvor. Klasse gemacht.

Allerdings präsentiert sich der V4-Antrieb auch etwas zurückhaltender als im Vor­gängermodell: Statt 109 PS Höchstleistung bei 10.500/min gibt Honda nunmehr nur noch 106 PS bei 10.250/min an. Das Drehmoment ist ebenfalls etwas geringer: 75 Nm bei 8500/min anstatt 80 Nm bei 8750/min wie bisher. Diese akzeptable Reduktion ist bereits ein Vorgriff auf die 2016 für Motorräder geltenden Euro 4-Emissionsgrenzwerte. Wie auch immer, der Motor der Honda VFR 800 F macht Laune, denn er überzeugt durch Charakter, Drehfreude und Kraft aus dem Keller. Auch der zum ersten Mal bei Honda optional er­hält­liche Schaltassistent (199 Euro Aufpreis) verrichtet seine Arbeit perfekt. Auch ohne zu kuppeln flutschen die Gänge buttrig leicht.

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Lenker jetzt etwas höher und dichter am Fahrer

Doch nicht nur der Motor ist für die Zukunft gerüstet, auch der Rest der Honda VFR 800 F hat einen, wenn nicht gar zwei Schritte vorwärts gemacht. Beispielsweise sitzt der Pilot nun einen Hauch touristischer, denn der Lenker ist etwas höher und dichter am Fahrer als beim Vorgängermodell. Mit einer Adapterplatte (Honda-Zubehör) kann dieser Effekt noch verstärkt werden. In puncto Sicherheit setzt man beim Bremsen auf radial verschraubte Vierkolben-Festsättel plus 310er-Scheiben vorn. ABS ist natürlich serienmäßig an Bord, vom Verbundbremssystem CBS hat sich die VFR hingegen verabschiedet.

Ebenfalls neu ist eine Traktionskontrolle, die Raddrehzahl-Ungleichheiten per ABS-Sensoren ermittelt und daraufhin reagiert. Im Bedarfsfall werden Zündung und Einspritzung zurückgenommen. Was auf der Präsentation in Spanien sehr gut funktionierte. Viele weiße Zebrastreifen in der Küstenregion um Benidorm waren auch ohne Regen glatt wie Schmierseife. Bereits beim zarten Beschleunigen auf dem Weiß schlug man mit den ebenfalls präsentierten CB 650-Modellen erschreckende Haken, während die Traktionskontrolle derartige Ausrutscher bei der stärkeren Honda VFR 800 F sofort unterband.

Honda VFR 800 F wiegt nur noch 239 Kilogramm

Ebenfalls neu bei der Honda VFR 800 F ist der Heckrahmen, die Alu-Einarmschwinge, die Anordnung von Kühler und Auspuff. Während das Vorgängermodell mit zwei seitlich in der Verkleidung angebrachten Wasserkühlern auskam, sind diese nun wieder vor dem Motor positioniert. Und der Doppelschalldämpfer, der bislang unter der Sitzbank saß, musste wieder einem konventionell positionierten Einzelschalldämpfer weichen. Grund: Zentralisierung der Massen, sagt Honda. Insgesamt will man zehn Kilogramm Gewicht gegenüber dem Vorgängermodell gespart haben.

Ein Handlingwunder ist die Neue trotzdem nicht. Die nur noch 239 Kilogramm schwere Honda VFR 800 F bleibt stoisch und stabil auf Kurs, lenkt präzise, aber nicht federleicht. Sportlich orientierte Fahrer müssen in schnellen Wechselkurven für Richtungskorrekturen schon kräftiger zupacken. Das Fahrwerk ist sportlich straff, aber nicht unkomfortabel abgestimmt und vermittelt gutes Feedback. Ebenso wie auch die neuen Stopper, die mit sehr guter Dosierbarkeit glänzen und mehr als ordentlich verzögern. Auch die Alltagstauglichkeit wurde ver­­bes­sert. Nunmehr ist die Sitzhöhe variabel – 790 und 810 Millimeter stehen zur Verfügung –, der neue LED-Scheinwerfer ist gleißend hell und die Blinkerrückstellung erfolgt automatisch. Insgesamt gesehen ist die neue gegenüber der alten VTEC-VFR sicher ein Fortschritt. Der Evolution sei Dank.

Foto: Werk
Schmalere Taille, nie­drigere Sitzhöhe – auch Kurzbeinige sind jetzt willkommen. Die freut es bestimmt auch, dass der Lenker etwas höher und ­dichter am Fahrer ist.
Schmalere Taille, nie­drigere Sitzhöhe – auch Kurzbeinige sind jetzt willkommen. Die freut es bestimmt auch, dass der Lenker etwas höher und ­dichter am Fahrer ist.

Technische Daten

Honda VFR 800 F

Motor: Wassergekühlter Vierzylinder-Viertakt-90-Grad-V-Motor, je zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Tassenstößel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 36 mm, geregelter Katalysator mit Sekundärluftsystem, Lichtmaschine 497 W, Batterie 12 V/11 Ah, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 43:16.

Bohrung x Hub: 72,0 x 48,0 mm
Hubraum: 782 cm³
Verdichtungsverhältnis: 11,8:1
Nennleistung: 77,9 kW (106 PS) bei 10.250/min
Max. Drehmoment: 75 Nm bei 8500/min

Fahrwerk: Brückenrahmen aus Aluminium, Telegabel, Ø 43 mm, verstellbare Federbasis und Zugstufendämpfung, Einarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein mit Hebelsystem, verstellbare Federbasis und Zugstufendämp­fung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 310 mm, Vier­kolben-Festsättel, Scheibenbremse hinten, Ø 256 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel, ABS, Traktionskontrolle.

Alu-Gussräder: 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen: 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17

Maße+Gewichte: Radstand 1460 mm, Lenkkopfwinkel 64,5 Grad, Nachlauf 95 mm, Federweg v/h 108/120 mm, Sitzhöhe 789–809 mm, Gewicht vollgetankt 239 kg, zulässiges Gesamtgewicht 432 kg, Tankinhalt 21,5 Liter.

Garantie: zwei Jahre
Farben: Rot, Schwarz
Preis: 11.990 Euro
Nebenkosten: 295 Euro

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