Die Horex VR6 Classic im Fahrbericht.

Horex VR6 Classic im Fahrbericht Exklusiv-Ausfahrt mit der neuen Horex

Exklusiv für MOTORRAD und die Schwesterzeitschrift PS arrangiert Horex-Eigner Karsten Jerschke einen Fahrtermin. Wetter super, Strecke klasse, Horex VR6 Classic endlich gut?

Horex zum Zweiten – eines muss man Motorrad-Enthusiast und Horex-Eigner Karsten Jerschke lassen: Der Mann macht keine halben Sachen. Seine in Landsberg am Lech liegende Firma 3C Carbon wirkt piekfein, das Headquarter sauber durchgestylt und die Fahrzeugflotte perfekt für den Markenauftritt vorbereitet. Mindestens genauso akribisch nahm er sich die Horex-Konstruktion vor. Jerschke ließ den nicht ganz fertig entwickelten Motor bei HWA in Affalterbach umfassend überarbeiten, organisierte bei den Spezialisten von Bosch eine komplett neu entwickelte Motorsteuerung und stimmte mit den Fachleuten bei Conti nicht nur das ABS-System fein ab, sondern ließ sich auch gleich noch ein äußerst auffälliges Dashboard komplett neu entwickeln. „Ihr seid die ersten Journalisten, die ich mit der neuen Horex VR6 Classic fahren lasse!“, freut sich Jerschke sichtlich. Tourguide wird Martin Bauer sein, dreifacher deutscher Superbike-Champ und – aha –Chefentwickler bei Horex. „Das hat mich jetzt einen satten zweistelligen Millionenbetrag gekostet, aber anders geht das nicht. Ihr werdet überrascht sein, wie gut die Maschine jetzt fährt.“

Soundcheck: So klingt die neue Horex VR6 Classic


Spielerisches Handling überrascht

Mal sehen. Bisherige Horexe waren durchaus rau laufende, nicht sehr spritzige, dafür manchmal etwas eigensinnige Schwereisen. Dank einer Menge Leichtbauteilen, vom Rahmenheck aus Karbon bis hin zum Lithium-Ionen-Akku, senkte Jerschke das Gewicht um 30 Kilogramm. Außerdem sitzt man auf der neuen Horex VR6 Classic nun etwas tiefer auf edlem Sattelleder. Wie überhaupt alles an der neuen Horex edel und außergewöhnlich liebevoll verarbeitet scheint. Wow! Mit sattem Fauchen springt der VR6 an, dreht erst einmal bis über 2.000/min hoch, um die Katalysatoren anzuheizen. Nach einiger Zeit grummelt die Horex dann bei gut 1.100/min im Stand, und es kann losgehen. Sofort überrascht das spielerische Handling der 244-Kilo-Maschine.

Exakt, zielgenau und leichtfüßig

Günstige Schwerpunktlage und offensichtlich reichlich Arbeit an den hochwertigen Öhlins-Federelementen lassen die Horex VR6 Classic wie von selbst einlenken. Exakt, zielgenau und leichtfüßig sucht sie sich ihre Bahn, die montierten Pirelli Rosso 3 passen perfekt. Es geht Richtung Neuschwanstein über kleine und kleinste Voralpensträßchen. Martin Bauer kennt die schon, findet die perfekte Linie. Es gilt, dranzubleiben und den 1218-cm3-Motor auch mal über 5.000/min zu drehen. Der VR6 wirkt nun völlig verwandelt. Dank geringerer Schwungmasse und viel Detailarbeit an der Motorsteuerung – jetzt mit Driveby-Wire – dreht er voller Enthusiasmus hoch und schreit mächtig aus den beiden Auspuffrohren. Der Sound ist einmalig, eine Mischung aus Triumph-Triple und Porsches Sechzylinder-Boxer, der weit über sein Drehzahllimit geht.

Wer da noch motzt, hat keine Ahnung

Ab knapp 40 km/h kann man im sechsten Gang sanft und ruckfrei beschleunigen, das ist gut für die kleinen Dörfer und bequem für Schaltfaule. Druck gibt es in allen Lagen, 163 PS bei 9.000/min soll die Horex VR6 Classic leisten. Ob das der Dreiventiler bringt? Müssen wir dann mal messen. Immerhin dreht er bis 10.300/min. Jetzt freuen wir uns über die nahezu perfekte Fahrwerks- und Motorabstimmung, lassen es auch mal auf der Bremse richtig in die Kurven reinrauschen und merken, dass die Horex zum Heizen taugt. Beste Brembos, super abgestimmtes Öhlins-Material – wer da noch motzt, hat keine Ahnung.

Individuelle Ausstattung für jede Horex VR6 Classic

Wir machen Pause. Jerschke erzählt von neuen Zylinderköpfen, anderen Nockenwellenlagerungen, den beiden von Bosch für eine ziemliche Summe entwickelten Drosselklappenstellern und den mit Hohnbrille feinbearbeiteten Zylinderlaufbahnen. Er spricht von Kolbenhemden, die nun länger sind, und Steuerketten, die halten. Er kennt jedes Detail seiner Maschine, lobt die Auspuffanlage, die einiges an Leistung bringe und zudem auch viel schöner klinge. Aussehen tue die neue Horex VR6 Classic ohnehin wesentlich besser. Jeder Kunde kann sich seine Horex individuell ausstatten lassen. Allein vier verschiedene Lenkerhöhen sind möglich. Es gibt eigentlich nichts, was es für die Horex nicht gibt. Bald sollen sogar noch eine Rückfahrkamera und das Handy auf das Dashboard gespielt werden können. Das entwickelt gerade Conti für Horex.

Preise beginnen bei 38.500 Euro

Warum er das alles macht, fragen wir Karsten Jerschke. Schließlich hat er übermächtige Gegner im Markt. „Wir haben ein einzigartiges Motorrad, mit einer einzigartigen Verarbeitung, und wir haben noch viel vor.“ Es scheint so, als sei die Horex VR6 Classic erst der Anfang. Eine zweite Baureihe schwebt Jerschke schon vor. Und das VR6-Konzept verträgt noch eine Menge Ausbaustufen. Zurzeit montiert Horex nach Manufaktur-Art eine Maschine pro Tag. One Man, one Bike. Sein Name ziert dann auf einer Plakette das Motorgehäuse. Ziel ist es, die Produktion bald zuverdreifachen. Die VR6 Classic und die VR6 Café Racer mit Karbon-Steuerkopf beginnen bei 38.500 beziehungsweise bei 42.500 Euro. Eine Menge Geld, aber bei dieser Verarbeitung, diesen Komponenten und dem ganz besonderen Erlebniswert bestens angelegt.

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