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Husqvarna 701 Supermoto im PS-Fahrbericht Spielkind

Husqvarna will eine ganze Palette an neuen Straßenmodellen bringen. Los geht es mit der Husqvarna 701 Supermoto, die in jedem Fahrer unweigerlich den Zappelphilipp weckt.

Gleich zum Wichtigsten: In der Husqvarna 701 Supermoto sieht man ein vertrautes „Gesicht“. Modell für das österreichische Drift-Werkzeug mit schwedischem Marken-Emblem stand die aktuelle KTM 690 SMC-R. Deren Monopolstellung als einzige zulassungsfähige Supermoto, die satten Punch und Alltagsqualitäten unter einen Hut bringt, wirkt sich positiv auf die Verkaufszahlen aus. Keine KTM war in diesem Jahr gefragter, was die 690 SMC-R immerhin auf Gesamtrang elf der Zulassungsstatistik in Deutschland hievte.

Allen Grund für die Mattighofener, die angekündigte Modelloffensive neuer Husqvarna-Straßenbikes mit der frisch aufgepeppten Husqvarna 701 Supermoto einzuleiten. Per Knopfdruck erwacht der nominell 67 PS starke Single zum Leben und pöttelt brav vor sich hin. Bis auf ein neues Standard-Mapping für eine weniger aggressive Leistungsentfaltung erfuhr der bekannte Motor keine Änderungen, was übrigens auch den Sound betrifft. Jede Wette – der schicke Akrapovic-Topf aus dem umfangreichen Zubehörkatalog wird eine Menge Freunde finden. Sei´s drum, Kupplung eingerückt und portugiesischen Asphalt geentert.

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190 km/h auf der Autobahn

Wir beginnen mit einem Sprint über die Autobahn, der weiter über das verschlungene Hinterland zur Kartbahn in Portimao führen soll. Faltet man sich auf der „Husky“ etwas zusammen, zeigt der Tacho auf der Geraden schon einmal knapp über 190 km/h, ohne dass die Maschine erkennbar flattern oder pendeln würde.  Nicht schlecht für so ein hochbeiniges und leichtes Gerät. Dank des im Gegensatz  zur KTM von 12 auf 13 Liter vergrößerten Tankvolumens eignet sich die Husqvarna 701 Supermoto selbst für längere Überlandetappen zwischen heimischer Garage und Kurvenparadies.

Noch dazu sitzt der Fahrer auf einer etwas breiteren Sitzbank mit anderer Struktur, die den Piloten mehr im Motorrad als spitz obendrauf positioniert. Ein weiteres Merkmal der Husqvarna 701 Supermoto sind die neuen Gabelbrücken. Sie sollen die Klemmkraft besser verteilen und so das Vorderradgefühl steigern. Die in Gummi gelagerten Klemmböcke der Lenkstange eliminieren Vibrationen jedenfalls sehr effektiv. Selbst bei Höchstgeschwindigkeit des Einzylinders kribbelt es wenig in den Händen.

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Vorderrad gerne in der Luft

Endlich geht es runter von der Autobahn, zackig über den Kreisverkehr und mit hoch erhobenem Vorderrad weiter. Egal, ob zweiter oder dritter Gang, die Husqvarna 701 Supermoto lupft spielerisch die Front, lässt sich easy dirigieren und animiert ihren Fahrer immer wieder zu ausgedehnten Wheelie-Einlagen. Kaum im kurvigen Teil der Route angekommen, unterbinden dann die Wetterverhältnisse leider wildes Andrücken. Es regnet und die Straßen sind glatt wie Schmierseife. Na klasse!

Immerhin passen die weiche Gasannahme und der schön dosierbare Leistungseinsatz zu den schwierigen Gegebenheiten. Eigentlich brauchen die Sportreifen ContiAttack SM trockenen Asphalt und ordentlich Temperatur, sonst wollen sie nicht so richtig haften. Sicherheitshalber halten wir mal lieber den Stiefel zur Kurveninnenseite raus und lassen ihn sanft über den Boden gleiten, falls das Vorderrad einklappt oder das Heck wegrutscht. Aber es geht gut. Die weiche Kupplung und das sauber schaltbare Getriebe erleichtern präzises Fahren ungemein. Obwohl die Dämpfung der Gabel im Gegensatz zur KTM softer abgestimmt ist und die Umlenkung des Federbeins weniger progressiv ausfällt, liegt die Husqvarna 701 Supermoto satt.

Preisunterschied von 350 Euro zwischen Husqvarna und KTM

Später auf der Kartbahn ist es noch immer nass, trotzdem wählen wir per Drehschalter unter der Sitzbank das aggressivere Mapping. Objektiv geht die Husqvarna 701 Supermoto im mittleren Drehzahlbereich jetzt besser. Jedenfalls spricht sie spontaner auf Gasbefehle an und bleibt dennoch locker beherrschbar. Die Detailänderungen und das frische Design sollten dem einen oder anderen Kunden den Preisunterschied von 350 Euro wert sein, der zwischen der Husqvarna und der KTM liegt.

Trotzdem freuen wir uns unheimlich darauf, bis die Husqvarna 701 Supermoto mit dem neuen 75-PS-Single ausgerüstet wird, der in der aktuellen Duke debütiert. Euro4 lässt grüßen, spätestens 2017 wird es so weit sein.

Foto: Husqvarna
Die flach gehaltene Sitzbank positioniert den Fahrer mehr im Motorrad als obendrauf.
Die flach gehaltene Sitzbank positioniert den Fahrer mehr im Motorrad als obendrauf.

Technische Daten Husqvarna 701 Supermoto

Technische Daten Husqvarna 701 Supermoto (k. A.)
Modelljahr 2015
Motor
Zylinderzahl, Bauart 1 , Motor
Bohrung/Hub 102,0 / 84,5 mm
Hubraum 690 cm³
Ventile pro Zylinder vier Ventile
Verdichtung 12,6
Leistung 49,0 kW ( 67,0 PS ) bei 7500 /min
Max. Drehmoment 67 Nm
Zahl der Gänge Sechsganggetriebe
Hinterradantrieb Kette
Fahrwerk, Räder, Bremsen
Rahmen Gitterrohrrahmen
Federweg vorn/hinten 215 mm / 250 mm
Reifen 120/90 R 17 , 160/60 ZR 17
Bremse vorn/hinten 320 mm Vierkolben-Festsattel / 240 mm Einkolben-Schwimmsattel
ABS Ja
Maße und Gewichte
Radstand 1480 mm
Lenkkopfwinkel 63,0 °
Nachlauf 112 mm
Leergewicht vollgetankt 147 kg
Sitzhöhe 890 mm
Zulässiges Gesamtgewicht 350 kg
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Preis
Neupreis 9295 Euro
Foto: Husqvarna
Eigentlich eine KTM 690 SMC-R, aber die Husqvarna 701 Supermoto unterscheidet sich in Details wie Tank, Fahrwerk, Sitzbank, Tacho, Lenkeraufnahme und Gabelbrücken.
Eigentlich eine KTM 690 SMC-R, aber die Husqvarna 701 Supermoto unterscheidet sich in Details wie Tank, Fahrwerk, Sitzbank, Tacho, Lenkeraufnahme und Gabelbrücken.

701 Supermoto vs. 701 Enduro

Wir kennen das Duo bereits aus dem KTM-Modellprogramm – zur Supermoto gesellt sich noch eine Enduro dazu. Im Fall von Husqvarna nennt sich der Matschbruder 701 Enduro. Die Maschine greift ebenfalls auf den 690er-Single mit 67 PS und dasselbe Verkleidungsornat wie die Husqvarna 701 Supermoto zurück. Offroadtauglich wird das Bike durch grobstollige Continental TKC 80-Bereifung und einen Motorschutz. Mit 275 mm Federweg an Front und Heck besitzt sie nicht nur mehr Dämpfungsreserven als die 701 Supermoto, sondern sogar noch mehr als die KTM 690 Enduro R.

Außerdem kommt in der Gabel ein hochwertigeres Closed-Cartridge-System mit vier Kammern (4CS) zum Einsatz. Mit 1504 mm fällt der Radstand großzügiger aus als bei der Husqvarna 701 Supermoto, und das Vorderrad misst geländetaugliche 21 Zoll. Die Bremsanlage ist mit einer 300-mm-Einzelscheibe an der Front etwas geringer dimensioniert als beim Straßenmodell, was dem sportlichen Einsatz insbesondere im leichten Gelände aber keinen Abbruch tut. Apropos Straße: Auf Asphalt machen sich schon deutliche Handlingnachteile gegenüber der Supermoto bemerkbar. Die Enduro liegt unruhiger und will nicht so scharf abwinkeln. Zumindest mit den groben TKC 80 sträubt sie sich deutlich gegen Schräglage.

Auf Schotterwegen begeistert sie dafür mit ihrer enormen Power. Es ist für einen Gelegenheits-Offroadfahrer schon erstaunlich, was man auf losem Untergrund für einen Speed gehen kann, wenn man sich nur traut. Selbst wenn das Terrain matschiger oder die Steine größer als kleine Kiesel werden, legt die 701 Enduro eine klasse Vorstellung hin. Das Offroad-ABS funktioniert soweit zufriedenstellend – Profis können es selbstverständlich, genau wie bei der Husqvarna 701 Supermoto, per Knopfdruck im Cockpit abschalten. Im Zubehör findet sich ein sogenannter „Dongle“, der nur das ABS am Hinterrad deaktiviert. Straße und Offroad vereint die 701 Enduro grandios, und ihre einzige Konkurrenz heißt KTM 690 Enduro R. Aufgrund ihres Fahrwerks sollte die Husky aber die Nase vorn haben.

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