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Neue Husqvarna Sportenduros im Fahrbericht Husky vertrauenerweckender als KTM-Enduro?

Husaberg ist tot – es lebe Husqvarna. Nach der spektakulären Übernahme von Husqvarna tauscht KTM seine bisherige Zweitmarke Husaberg gegen die nächste Neuerwerbung mit skandinavischen Wurzeln aus.

Eins muss man den neuen Husqvarna-Verantwortlichen wirklich lassen: Sie können schweigen. Kein Sterbenswörtchen über die Modell­planung von Husqvarna drang nach außen, kein heimlich geschossenes Handy-Foto einer neuen Husky tauchte vor der Präsentation im Internet auf. Vielleicht hatten die Mannen in Mattighofen auch schlicht und einfach keine Zeit, um Gerüchte zu streuen. Denn es musste schnell gehen.

Acht Monate nach der Übernahme von Husqvarna durch KTM steht die neue Husky-Modellpalette parat. Möglicherweise haben sich die Produktplaner in Oberösterreich mit ihrer Zurückhaltung aber auch nur ein wenig geziert. Denn das von manchem Husaberg-Fan erhoffte Revival des bis zur Saison 2012 in den „Bergs“ verbauten, sogenannten 70-Grad-Motors blieb genauso aus wie sonstige spektakuläre Eigeninitiativen. 

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Husqvarna schielt auf den auf den Motocross-Markt

Stattdessen geht Husqvarna den von Husaberg bereits in diesem Jahr eingeschlagenen Weg weiter: Die konzeptionelle Basis der neuen Huskys bildet die Modellpalette von KTM. Was nebenbei bedeutet, dass Husqvarna – im Gegensatz zum bislang ausschließlich auf Enduros fokussierten Husaberg-Engagement – nun auch auf den Motocross-Markt schielt. Aus den Motocross-Modellen von KTM stammen auch die in allen Husqvarna-Enduros verwendeten Rahmen.

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Foto: Husqvarna
Blau-gelb: Nur noch farblich erinnern die Husqvarna-Enduros an ihre schwedische Historie.
Blau-gelb: Nur noch farblich erinnern die Husqvarna-Enduros an ihre schwedische Historie.

Nach dem mit weiß-blau-gelber Farbgebung und kantigeren Formen modifizierten Kunststoffkleid unterscheidet sich die Husqvarna-Riege vor allem durch die bislang bereits bei Husaberg verbaute sogenannte 4CS-Gabel von WP Suspension samt gefräster Gabelbrücken, das aus einem Kunststoff-Formteil statt Aluprofilen gebildete Rahmenheck und – jetzt kommt’s – durch das bei allen Modellen über eine Umlenkhebelei aktivierte Federbein.

Während KTM die Umlenkung bei ihren Motocrossern zwar seit dem Jahr 2011 einsetzt, halten die orangefarbenen Enduros nämlich bis heute am direkt an der Schwinge angelenkten PDS-Monoshock fest. Mag diese wartungsfreundliche und gewichtssparende Technik mittlerweile auch weit entwickelt sein, zeigt das Konzept mit mäßigem Ansprechverhalten auf kleine Bodenwellen noch immer Schwächen.

Betont leichte Front der Husqvarna EXC

Tatsächlich unterscheidet sich das Fahr­gefühl auf den Husky-Enduros auf Anhieb von dem der KTM-Modelle. Vor allem die betont leichte Front der EXC weicht in der Husqvarna einer sich neutraler anfühlenden Vorderpartie. In den engen Kehren der Sonderprüfungen ist das ein klarer Vorteil. Auf jungfräulich-glattem Terrain verbeißt sich das Vorderrad deutlich effizienter in den Untergrund, im ausgefahrenen Geschlängel trifft die Front Spurrillen präziser und macht obendrein mit dem guten Ansprechverhalten der Gabel dem Piloten das Leben leichter. Zumal auch das Federbein im Highspeed-Slalom die Erwartungen erfüllt, sensibler anspricht und die fiesen kleinen Beschleunigungswellen am Kurvenausgang besser glatt bügelt als die PDS-Variante.

Insgesamt fühlt sich die Husky auf dem Motocross-Test weniger nervös und deshalb vertrauenerweckender an als eine KTM-Enduro. Doch keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Auf den mit moosigen Steinen, schmierigen Wurzeln und tiefen Löchern gespickten Singletrails des schwedischen Unterholzes geht der Husqvarna das leichtfüßige Feeling der KTM-Enduros ab. Während sich die EXC mit besagt leichter Front und straffem Heck am flüssigsten mit kurzen Gasstößen und akzentuiertem Körpereinsatz wie eine Trialmaschine durchs raue Element chauffieren lässt, bevorzugt die Husky eine andere Gangart. Als würden sie sich an die gute alte Husqvarna-Tradition erinnern, ackern sich die TE-Modelle traktionsstark, aber vergleichsweise unspektakulär voran. 

An der Hinterhand leichter zu dosieren als eine KTM

Selbst die in der KTM so spritzigen Motoren scheinen sich im Husqvarna-Fahrgestell zu beruhigen und lassen sich dank der gestiegenen Traktion an der Hinterhand leichter dosieren. Vor allem weniger versierte Piloten werden sich mit dieser Ausrichtung der Husky fahrerisch leichttun. Finanziell jedoch weniger. Mit Grundpreisen ab 7645 Euro (Zweitaktmodelle) sowie ab 9245 Euro (Viertakter) liegen die Exil-Schwedinnen auf dem hohen Preis­niveau der ähnlich ausgestatteten KTM Six-Days-Varianten. Trotzdem: Angesichts des guten ersten Eindrucks der Enduros könnte die lange Stille der Husky-Konstrukteure vielleicht doch die Ruhe vor dem Sturm gewesen sein.

Foto: Campelli
Rede und Antwort: Geschäftsführer Oliver Göhring (links) soll Husqvarna erfolgreicher machen, als es Husaberg jemals war. MOTORRAD-Redakteur Peter Mayer sprach mit ihm.
Rede und Antwort: Geschäftsführer Oliver Göhring (links) soll Husqvarna erfolgreicher machen, als es Husaberg jemals war. MOTORRAD-Redakteur Peter Mayer sprach mit ihm.

Interview mit Oliver Göhring

„Der Name Husqvarna besitzt Strahlkraft“
Mit dem Übergang von der bisherigen KTM-Zweitmarke Husaberg auf Husqvarna verbinden die Österreicher große Erwartungen. Der illustre Name soll den Weg auf die Erfolgsspur weisen. Der bisherige Husaberg-Geschäftsführer Oliver Göhring, 43, verantwortet auch das Husqvarna-Engagement.

Wie groß war die Überraschung, Husqvarna, den bislang schärfsten Konkurrenten von Husaberg, nun in den eigenen Reihen zu haben?
Keine Frage, diese Information kam sehr überraschend. Und sie zog auch substanzielle Veränderungen nach sich. Husaberg war seit 2003 eine Division von KTM, die Husqvarna Motorcycles GmbH dagegen ist ein Schwesterunternehmen der KTM der KTM Sportmotorcycles AG unter dem Dach der KTM AG. Das heißt, wir stehen wirtschaftlich auf eigenen Beinen. Wir müssen zum Beispiel Entwicklungsaufwand und Sport-Engagement selbst finanzieren. Was wir investieren, müssen wir über die Verkaufserlöse finanzieren.

Wie stark ist die personelle Ausstattung von Husqvarna in Mattighofen?
Derzeit sind wir 15 Personen. Damit sind wir bereits deutlich stärker aufgestellt im Vergleich zu Husaberg bis dato und diese Zahl wird noch etwas wachsen. Hinzu kommt, dass unsere Tochtergesellschaften in den verschiedenen Ländern personell aufgestockt werden.

Auch in Deutschland?
Ja. Bislang betreute ein einziger Repräsentant Deutschland. Nun werden sich drei Personen um die Belange von Husqvarna in Deutschland kümmern.

Wurde auch Personal vom bisherigen  Husqvarna-Werk in Italien nach Mattighofen übernommen?
Der jetzige Husqvarna-Projektleiter arbeitete vorher in Varese. Auch für die Betreuung des italienischen Markts wurden einige ehemalige Mitarbeiter übernommen.

Wie hoch sind die geplanten Produktionszahlen für das Modelljahr 2014?
11 500 Motorräder.

Wie viele Maschinen verkaufte Husaberg in diesem Jahr?
7000 Einheiten.

Insofern sind 11 500 Maschinen im ersten Modelljahr ein ambitioniertes Ziel. Wie wollen Sie das erreichen?
Man muss bedenken, dass wir mit Husaberg keine Motocross-Maschinen im Angebot haben. Das ist jetzt anders. Allein die erweiterte Modellpalette wird die Absatzzahlen erhöhen. Außerdem werden bald auch Supermoto-Modelle dazukommen. Dieses Segment wird Hus ​qvarna auch sehr ernst nehmen. Wir wollen reine Production Racer genauso anbieten wie straßenzulassungsfähige Supermoto-Maschinen.

Bei welcher Stückzahl liegt das Fernziel?
Das liegt bei 20 000 verkauften Motorrädern pro Jahr.

Nur zur Orientierung: Wie viele Offroad-Bikes verkauft KTM derzeit?
50 000.

Die Gefahr der Kannibalisierung ist sehr groß. Wenn die künftigen Husqvarna-Kunden auch aus dem KTM-Lager kommen, geht die Rechnung für den Gesamtkonzern nicht auf. Wie soll das verhindert werden?
Mit einem klar abgegrenzten Marken­image. KTM wird durch die Modellausweitung immer mehr zum Generalisten. Dort fühlen sich Hardcore-Offroader künftig vielleicht weniger zu Hause als bei dem Offroad-Spezialisten Husqvarna. 

Wird Husqvarna auf Sicht also die Offroad-Marke des KTM-Konzerns?
Ja, die Kernkompetenz von Husqvarna liegt im Offroadsegment. KTM hat in vielen Ländern einen Marktanteil von über 50 Prozent. Motorsportler sind aber Individualisten. Nicht alle wollen diesen Mainstream mitgehen. Diesen Leuten möchten wir mit Husqvarna eine Alternative bieten.

In der Kommunikation wird viel Wert auf die schwedischen Wurzeln von Husqvarna gelegt. Welche Verbindung zu Schweden besteht in der Praxis?
Das Rennteam wird weiterhin von Schweden aus operieren. Zudem wird dessen Teamchef, der ehemalige Enduro-Europameister und Husaberg-Gründer Thomas Gustavsson, auch in Zukunft in die Entwicklung eingebunden sein.

Mit der Namensänderung soll vor allem der US-Markt besser erschlossen werden. Doch lassen sich mit Imageträgern wie Schauspieler Steve McQueen dessen Aktivitäten schon 40 Jahre zurückliegen, heute noch Kunden locken?
Die 110-jährige Tradition von Husqvarna besitzt eine enorme Strahlkraft. Davon sind wir überzeugt. Wir sind der Meinung, dass die Wahrnehmung der Marke Husqvarna in den USA mit KTM auf einer Stufe steht. Dies ist einer der Gründe, weshalb wir uns zum Wiederaufbau dieser Marke entschlossen haben.

Werden KTM-Händler künftig auch Husqvarna vertreten?
Nein, wir werden zwei klar getrennte Vertriebsschienen aufbauen. Wir sprechen gerade mit allen Husaberg – und ehemaligen Husqvarna Händlern, aber auch mit offroad-affinen Händlern mit denen wir noch nicht zusammengearbeitet haben.

Kümmert sich die deutsche Husqvarna-Niederlassung auch um die Betreuung der Besitzer von den bisherigen Husqvarna-Modellen?
Das wird in Deutschland der bisherige Husqvarna-Importeur, die Firma Zupin, übernehmen.

Bestehen Perspektiven für eine größere technische Eigenständigkeit von Husqvarna? Der bis vergangenes Jahr von Husaberg benutzte 70-Grad-Motor könnte etwa eine eigene Identität schaffen.
Derzeit macht es aus technischen und wirtschaftlichen Gründen sehr viel Sinn die Synergien mit KTM und damit deren Plattform zu nützen.  In der Zukunft werden wir natürlich versuchen, eine möglichst große Eigenständigkeit zu erreichen. Wie weit wir in diese Richtung gehen können, hängt aber auch vom wirtschaftlichen Erfolg ab.

Hier könnte sich die Katze aber in den Schwanz beißen. Je eigenständiger die Husqvarna-Technik wäre, desto besser wären die Verkaufs­chancen. Müsste Husqvarna für einen erfolgreichen Neustart nicht gerade jetzt mit möglichst eigenständigem technischen Konzept in Vorlage gehen?
Der Kunde erwartet heute eine Innovationsgeschwindigkeit, die ein kleiner Hersteller nicht leisten kann. Insofern sind wir mit einer ausgereiften Technik und kompetenter Kundenbetreuung, die uns die Plattform KTM zum jetzigen Zeitpunkt ermöglicht, gut aufgestellt.

Wechselvolle Husqvarna-Historie

Mit seinem Logo verweist Husqvarna auf die Anfänge als Waffenhersteller. Das Emblem stilisiert einen von vorn betrachteten Gewehrlauf mit Kimme und Korn. Das erste Motorrad entstand im Jahr 1903. Damit ist Husqvarna nach Royal Enfield der zweitälteste Motorradhersteller der Welt. Zum Offroad-Spezialisten entwickelte sich das im schwedischen Huskvarna ansässige Unternehmen erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Doch trotz immenser Sporterfolge in den 60er- und 70er-Jahren strauchelte der Hersteller in wirtschaftlicher Hinsicht.

1986 kauften die Brüder Castiglioni Husqvarna und verlegten die Produktion nach Italien. 1988 gründete eine Gruppe von ehemaligen Husqvarna- Mitarbeitern im schwedischen Örebro Husaberg. Nach wirtschaftlich und sportlich wechselhaften Jahren verkauften die Castiglionis im Jahr 2007 Husqvarna an BMW. Die Bayern agierten glücklos und reichten den Stab weiter. Im Januar 2013 übernahm KTM-Chef Pierer das Unternehmen und verleibte es im März dem KTM-Konzern ein. Im Oktober dieses Jahres ging die seit 1995 auch zu KTM gehörende Marke Husaberg in Husqvarna auf. Der Kreis hat sich geschlossen.

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