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IDM-Superbike Gilles-MGM-Yamaha YZF-R1 im Test "Ideal sind 13.600 Touren"

Bislang verlangen am Limit konstruierte Racingbikes eine besondere Behandlung. Dass hochgezüchtete Technik auch tückisch sein kann, zeigt die von uns getestete Yamaha Gilles-MGM-Yamaha YZF-R1 aus der Superbike*IDM.

Mit lautem Sirren setzt die Startmaschine das Hinterrad der Yamaha in Bewegung. Kupplung einrücken – bramm! – dumpf grollt die R1 aus dem Auspuff. „Ersten Gang drin lassen und Kupplung gezogen halten“, fordert Axel Adickes den Autor beim Übernehmen des Bikes auf. „Die Schaltschläge im Stand sind sonst zu heftig.“ Bereits vorher instruierte der Mechaniker vom Team Yamaha Motor Deutschland den Tester in Sachen R1: ­„Unser Bike hat ein Blipper-System. Das heißt, du brauchst auch beim Runterschalten keine Kupplung. Je höher die Dreh­zahlen, desto besser funktioniert das System. Ideal sind 13.600 Touren. In der Auslaufrunde musst du aber sehr untertourig fahren, sonst überhitzt der Motor später in der Box. Zum Ausmachen den Killschalter nur einmal kurz drücken, er schaltet den Motor beim Loslassen ab.“

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Hochgezüchtetes Racing-Bike mit kleinen Macken

Ganz schön viel Stoff, den der Chef­mechaniker von IDM-Superbiker Gareth Jones dem Tester mit auf den Weg gibt. Hochgezüchtete Racing-Bikes benötigen eben viel Aufmerksamkeit. Und trotz akribischer Vorbereitung haben auch sie manchmal ihre Macken, wie sich bereits in den ersten Kurven zeigt: Beim Beschleunigen aus den Ecken hat der Motor Aus­setzer und hört sich an, als regle die Traktionskontrolle. Bei diesem noch sehr vorsichtigen Speed ist das allerdings kaum möglich. Bedienfehler? „Nein“, klärt Adickes auf. „Wir haben ein Problem mit der Elektronik, das meist nur in Schräglage auftritt. Vor Ort bekommen wir das leider nicht ganz in den Griff. Möchtet ihr trotzdem noch ein paar Runden drehen?“ Klar wollen wir.

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Foto: fact
Bis auf Gabel, Felgen, Bremse und Tank entspricht die Gilles-MGM-Yamaha R1 dem Superbike*IDM-Reglement.
Bis auf Gabel, Felgen, Bremse und Tank entspricht die Gilles-MGM-Yamaha R1 dem Superbike*IDM-Reglement.

Respektable 208 PS und ein glänzendes Fahrwerk

Selbst mit Elektronik-Fips vermittelt die Yam dem Piloten ihr hohes Potenzial. Bereits bei mittleren Drehzahlen liefert sie traumhaften Punch und schiebt brachial, aber hervorragend kontrollierbar an. Dabei donnert das Triebwerk seinen Sound noch packender ins Freie als im Stand. Auch im weiteren Verlauf entfaltet der Motor seine Power sehr manierlich. Was mit an der gangselektiven Abstimmung der Motorsteuerung liegt, die die Leistung in den ersten beiden Fahrstufen etwas reduziert. Als Höchstleistung schickt die R1 respektable 208 PS ans Getriebe. Ein sehr ordentlicher Wert, wenn man bedenkt, dass sie serienmäßig nicht zu den stärksten Superbikes des Planeten gehört und das strenge IDM-Reglement kaum Änderungen an der Hardware des Motors zulässt.

Fahrwerkseitig glänzt die Yamaha ebenfalls. Vor allem die Front vermittelt viel Feedback, und das Race-Bike biegt selbst auf der Bremse willig und lasergenau in die Ecken. Dazu hält die Yam exakt die vorgegebene Spur. Beim harten Ankern taucht die erstaunlich soft abgestimmte Gabel allerdings recht weit ab, auf Block geht sie aber nicht. Beim Anbremsen kommt das großartige Blipper-System zum Einsatz: einfach Linie anpeilen, Gänge reindrücken, durch die Ecke pfeilen, fertig! Dazu gleitet das Hinterrad bei dieser Übung dank der hervorragend eingestellten Anti-Hopping-Kupplung wunderbar sanft über den Asphalt.

Kostet Feedback, bringt aber Grip

Auffälligkeiten? Außer der Gabel arbeitet auch das Federbein ungewöhnlich soft. „Das kostet zwar etwas Feedback, bringt aber Grip“, weiß Stammfahrer Jones. „Doch den perfekten Kompromiss suchen wir noch.“ Dabei hilft dem Team das 2D-Data-Recording, das unter anderem die Bewegungen der Federelemente haarfein aufzeichnet. Unterm Strich sind die Jungs mit der Gilles-MGM-R1 auf einem sehr guten Weg. Beweise? Zahlreiche Podestplätze in der hart umkämpften Superbike*IDM sprechen für sich. Zum Erfolg gehört natürlich auch das Wandeln auf dem Grat des Limits – mit all seinen Tücken.

Foto: fact

Daten

Gewicht: 188,5 kg

vorn/hinten: 54,8/45,2 %

Leistung: 208 PS

Umbaukosten ca. 45.000 Euro

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