Im Test: BMW F 800 GS BMW F 800 GS

Ein Bike zum Reisen, für die Straße und fürs Gelände? Da hätten wir eine Idee: die F 800 GS. Also Koffer packen, Luftdruck prüfen, Welt umrunden. Und dann nochmal.

Foto: Archiv

Anscheinend können oder wollen die anderen Hersteller einfach nicht und überlassen BMW somit das einträgliche Feld der Reiseenduros. Zur Verdeutlichung: Die R 1200 GS ist schon seit Jahren Spitzenreiter bei den Zulassungszahlen, die kleine 800er-Schwester tummelt sich in der Statistik bis Februar dieses Jahres auf Platz sechs. Erst zig Plätze weiter hinten findet sich die sogenannte Konkurrenz. Offensichtlich war die Entscheidung der Bayern, den 800er-Reihenzweizylinder in eine Enduro zu verpflanzen, goldrichtig. Dieser schiebt nämlich bereits aus niedrigen Drehzahlen ruckfrei an und gibt seine Leistung gleichmäßig über das gesamte Drehzahlband ab. Wie drehfreudig, elastisch und dennoch vibrationsarm dieser Motor ist! Entspannt in stolzen 880 Millimetern Höhe thronend, bolzt man ausreichend windgeschützt sowohl auf der Autobahn als auch abseits des Asphalts.

Wo andere aufhören, fängt die kleine GS erst richtig an: Dank ihres 21-Zoll-Vorderrads lässt sie sich im Gelände präzise steuern, freches Offroaden ist aufgrund der guten Ausbalancierung und des breiten Lenkers ein Kinderspiel. So hätten sich wohl auch treue Fans der Honda Africa Twin eine Nachfolgerin gewünscht, so rank und schlank hätte man sich eine neue Yamaha Super Ténéré erhofft - Pech für die einen, Glück für die BMW. Und deren Fahrer natürlich, die sich über einen Kilometerfresser par excellence freuen: sparsam im Spritverbrauch, vorn wie hinten komfortabel und mit einem Fahrwerk, das dies- und jenseits der Straße taugt. Die Abstimmung des Federbeins ist rundum gelungen, die Gabel reagiert auf kleine Stöße etwas unsensibel, taucht auch beim Bremsen stark ein, bleibt jedoch selbst mit Beifahrer durchschlagsicher. Als Wermutstropfen bleibt die Aufpreispolitik: Trotz hohen Anschaffungspreises kostet vom Hauptständer bis zum ABS alles extra. Gutes hat eben seinen Preis.


Kurzurteil:
Positiv

  • Laufruhiger, sparsamer und durchzugsstarker Twin
  • Straffes Fahrwerk
  • Vorn wie hinten bequem
  • Fährt sich auf der Straße und im Gelände gleichermaßen gut
  • Respektable Zuladung


Negativ

  • Tank fasst nur 16 Liter
  • Ganz schön hoch
  • Hoher Grundpreis
  • Fast alles kostet Aufpreis, nicht mal ABS ist serienmäßig
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Technische Daten

Die Daten:
Motor   Zweizylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum   798 cm³
Kraftübertragung   Sechsganggetriebe/Kette
Leistung   63 kW (85 PS) bei 7500/min
Max. Drehmoment   83 Nm bei 5750/min
Bremse vorn   Doppelscheibe (Ø 300 mm)
Bremse hinten   Scheibe (Ø 265 mm)
Reifen vorn   90/90-21
Reifen hinten   150/70-17
Federweg vorn/hinten   230/215 mm
Tankinhalt   16 Liter, Super
Farben   Orange/Schwarz, Weiß
Wartungsintervalle   10000 km
Preis   9980 Euro plus Nebenkosten

Die Messwerte:

Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe)   204 km/h
Beschleunigung   0−100 km/h 4,0 sek
Durchzug   60−140 km/h 9,4 sek
Gewicht   vollgetankt 207 kg
Zuladung 236 kg
Verbrauch Landstraße 5,0 l/100 km

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Fazit

In der Stadt:
Hoch und aufrecht sitzend hat man auf der F 800 GS selbst das dichteste Verkehrsgewusel klasse im Blick. Ein leichtes für den Piloten, die schmale und handliche Enduro sicher durch die Stadt zu manövrieren. Kurzbeinige wählen die ab Werk bestellbare niedrigere Sitzbank für besseren Stand beim häufigen Anhalten.

Auf der Landstraße:
Die BMW ist wie dafür gemacht, den hintersten Winkel der Erde zu entdecken. Aufgrund des starken Motors mit seiner entspannten Leistungsabgabe und des kurvengierigen, agilen Fahrverhaltens gelingt das ohne Mühe. Selbst lange Etappen werden auf der stets souveränen GS zum reinen Vergnügen.

Auf der Autobahn:

Kein Grund, den Autozug zu buchen: Selbst schnelle Autobahnfahrten meistert die GS problemlos. Ihre 85 PS reichen für über 200 Stundenkilometer und der Windschild bietet ausreichenden Schutz. Bei hohen Drehzahlen sind leichte Vibrationen spürbar, der Tank dürfte ruhig ein paar Liter mehr fassen.



Abschluss-Zeugnis:
Motor:

Das Getriebe lässt sich präzise schalten und der Reihenzweizylinder glänzt mit vorbildlicher Leistungsentfaltung und Drehfreude. Sparsam ist er außerdem.
5 von 5 Sternen

Fahrwerk:

Straff abgestimmt und gut ausbalanciert macht die GS auf Asphalt wie auf Schotter eine ausgezeichnete Figur. Zielgenaue und handliche Enduro.
4 von 5 Sternen

Bremsen:

Die Doppelscheibe vorn ist gut zu dosieren und verzögert ordentlich ohne hohe Handkräfte. Der Druckpunkt dürfte aber etwas klarer sein.
4 von 5 Sternen

Ausstattung:

Heizgriffe, ABS, Bordcomputer und so weiter kosten extra - nicht mal der Hauptständer ist Serie. Auch das Bordwerkzeug ist nicht gerade üppig.
2 von 5 Sternen

Komfort:

Die aufrechte Fahrerhaltung ist ebenso entspannt wie der lockere Kniewinkel, Lenker und Hebel liegen gut zur Hand. Der Windschutz geht in Ordnung.
4 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:

Grundsätzlich ist die GS ein gutmütiges, leicht zu fahrendes Motorrad. Lediglich die luftige Sitzhöhe dürfte den meisten Anfängern zu hoch sein.
3 von 5 Sternen

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