Im Test: BMW R 1200 RT Reise-Thron: BMW R 1200 RT

Mit dem neuen Tourer R 1200 RT beweist BMW, dass man Gutes noch verbessern kann. Der Feinschliff an Motor, Verkleidung und Fahrwerk hat sich gelohnt.

Foto: Jahn

Die RT-Modelle von BMW stehen seit jeher für größtmöglichen Komfort innerhalb der Boxer-Reihe. Für das Modelljahr 2010 wurde der Tourer nun dezent überarbeitet. Die Änderungen liegen im Detail und sollen das Reisen noch angenehmer machen. Im Cockpit mindern Blendringe an den Instrumenten Reflexionen, die neuen Brems- und Kupplungshebel liegen besser in der Hand, und die neu geformte Scheibe schützt noch besser vor Wind. Der Schalthebel lässt sich nun in der Reichweite einstellen, der Lenker leider nicht. In Sachen Multimedia gehen die Bayern mit der Zeit - am optionalen Audiosystem kann ein MP3-Player oder ein iPod angeschlossen werden. Pfiffig: Mit dem Bedienring am linken Griff lassen sich alle Funktionen des Audiosystems steuern, ohne die Hände vom Lenker zu nehmen. Die neu gestalteten Zylinderkopfdeckel wären nicht erwähnenswert, wenn sich unter ihnen nicht eine größere Neuerung verbergen würde: Die vier Ventile pro Zylinder werden nämlich nicht mehr nur von einer Nockenwelle betätigt, sondern von zweien. Dadurch steigt unter anderem die Maximaldrehzahl um 500/min - die Gänge können weiter ausgedreht werden.

Etwas mehr Leistung und Drehmoment sind der Lohn der aufwendigen Konstruktion. Besonders im für Tourer wichtigen mittleren Drehzahlbereich hat der Boxer viel Kraft. Einfach im sechsten Gang das Gas aufreißen, und schon stürmt der Tourer druckvoll vorwärts. Vibrationen sind zwar vorhanden, aber sie stören niemals wirklich. Trotz etwas zu langen Schaltwegen rasten die Gänge präzise ein, das früher übliche Krachen beim Gangwechsel gehört der Vergangenheit an. Am Antrieb der BMW lässt sich wenig kritisieren. Auch das Fahrwerk verdient Lob. Mit dem elektronischen Fahrwerk ESA II lässt sich sowohl die Federbasis als auch die Zugstufendämpfung an den jeweiligen Beladungs- und Fahrbahnzustand anpassen. Das ESA II ist nur in Verbindung mit dem Touring-Paket zu haben - für 1470 Euro Aufpreis. Leider scheint das Kürzel RT auch für "richtig teuer" zu stehen, denn wer fleißig von der langen Aufpreisliste ordert, durchbricht locker die 20 000 Euro-Schallmauer. In der Summe machen die vielen kleinen Änderungen an der RT das Reisen tatsächlich noch angenehmer. Die Mission, den Tourer zu verbessern, ist geglückt.



Kurzurteil:
Positiv

  • Äußerst komfortabel auch zu zweit und mit Gepäck
  • Gute Serienausstattung
  • Sparsamer, dennoch kräftiger Motor
  • Tolles Fahrwerk
  • Koffer serienmäßig


Negativ

  • Lange Aufpreisliste mit teuren Extras
  • Lenker nicht verstellbar
  • Hoher Grundpreis
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Foto: Jahn

Technische Daten

Die Daten:
Motor Zweizylinder-Viertakt/Boxer
Hubraum 1170 cm³
Kraftübertragung Sechsganggetriebe/Kardan
Leistung 81 kW (110 PS) bei 7750/min
Max. Drehmoment 120 Nm bei 6000/min
Bremse vorn Doppelscheibe (Ø 320 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 265 mm)
Reifen vorn 120/70 ZR 17
Reifen hinten 180/55 ZR 17
Federweg vorn/hinten 120/135 mm
Tankinhalt 25 Liter, Super Plus
Farben Blau-, Braun-, Schwarzgrau, Schwarz/Silber
Wartungsintervalle 10 000 km
Preis 16 200 Euro inkl. Nebenkosten

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe) 223 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 3,9 sek
Durchzug 60−140 km/h 9,7 sek
Gewicht vollgetankt 282 kg
Zuladung 213 kg
Verbrauch Landstraße 4,9 l/100 km

Foto: Jahn

Fazit

In der Stadt:
Die leichtgängige Kupplung macht Stop-and-go-Fahrten zum Kinderspiel. Für kleinere Fahrer kann an Ampeln die Sitzhöhe von 82 Zentimetern zum Problem werden - wahlweise ist aber eine niedrige Sitzbank erhältlich. Mit Koffern ist die RT fast einen Meter breit, das sollte man in der Stadt nicht vergessen.

Auf der Landstraße:
Der langhubige Telelever der RT bügelt Unebenheiten einfach weg - komfortabler kann man kaum reisen. Ein kurzer Dreh am Gasgriff genügt, und der überholte LKW verschwindet schnell im Rückspiegel - 120 Nm Drehmoment machen es möglich. Mit einer Tankfüllung kommt man bis zu 550 Kilometer weit.

Auf er Autobahn:

In nur knapp über 15 Sekunden stehen aus dem Stand 200 km/h auf dem Tacho. Selbst bei hohen Geschwindigkeiten sitzt der Fahrer entspannt und windgeschützt hinter der großen Scheibe. Bei Tempo 130 verbraucht die RT akzeptable 5,6 Liter Benzin. Leider benötigt sie das teure Super Plus.



Abschluss-Zeugnis
Motor:

Spritzig reagiert der Boxer auf Gasbefehle, der Verbrauch ist niedrig. 120 Nm Drehmoment bedeuten viel Kraft für zügige Überholmanöver.
5 von 5 Sternen

Fahrwerk:

Fahrkomfort auf höchstem Niveau bietet das elektronische Fahrwerk ESA II. Die RT wirkt straff, stabil und hat bei hoher Beladung noch Reserven.
5 von 5 Sternen

Bremsen:

Ein Teilintegral-Bremssystem mit ABS verzögert den Tourer perfekt mit sehr kurzen Bremswegen. Die Bremsen könnten aber besser dosierbar sein.
4 von 5 Sternen

Ausstattung:

Schon in der Serie hat die BMW viel zu bieten. Richtig luxuriös und vor allem teuer wird es, wenn man von der langen Aufpreisliste ordert.
4 von 5 Sternen

Komfort:

Beide Sitzplätze sind außerordentlich bequem. Auch in Sachen Windschutz, Licht und Gepäckunterbringung ist die RT absolut spitze.
5 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:

Trotz ihrer 282 Kilogramm überrascht die BMW mit leichtem Handling. Die Leistung setzt sanft ein. Mit ein wenig Übung ist die BMW einfach zu fahren.
3 von 5 Sternen

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