Im Test: Derbi Senda DRD 125 SM Die Mini-Supermoto Derbi Senda DRD 125 SM

Die 125er-Supermoto aus Spanien lockt mit federleichtem Handling und erwachsenem Auftritt. Wie fährt sich der Spaßzwerg?

Foto: jkuenstle.de

Agil. Quirlig. Leicht. So ungefähr lauten in jeder Hubraumklasse die Wünsche an eine Supermoto. Im Lager der Leichtkrafträder, in dem die Derbi DRD 125 SM zuhause sind, sind 15 PS die erlaubte Obergrenze. Fetzige Fahrleistungen verlangen also entweder konsequenten Leichtbau oder, auf Kosten der Höchstgeschwindigkeit, eine sehr kurze Übersetzung. Die Derbi versucht sich an einem Mittelweg, beschreitet diesen aber mit einem Vierventil-Einzylinder aus dem Piaggio-Regal, den ein Vergaser mit Brennmaterial versorgt. Leider ist aus diesem Versuch kein "Von allem Etwas"-Wunder geworden, sondern eher ein "Nichts so richtig": Von der Ampel zieht die Senda nicht so richtig weg, und bei höheren Geschwindigkeiten streicht sie bald die Segel. Ihre Stärken müssen also anderswo liegen, zum Beispiel beim Bremsen: Das Team aus Stahlflexleitung, dem nach sportlicher Manier verschraubten Bremssattel und der großen Scheibe erzeugen erstaunliche Bremsleistung - und nur die: Mit der Dosierbarkeit ist es nämlich nicht weit her; hier gibt es keinen Mittelweg, sondern das Motto heißt "Alles oder nichts."

Immerhin gestattet die handliche Geometrie das, was man von einem Fahrzeug dieser Ausrichtung am meisten erwartet: eine Sitzposition mit Übersicht und bequemer Körperhaltung, handliches Lenkverhalten und präzises Manövrieren im engen Verkehr. Mit Blick auf den letztgenannten Zweck verdienen die Rückspiegel eine lobende Erwähnung: Sie zeigen gut, was hinter dem Fahrzeug passiert, und sind über einen großen Bereich einstellbar. Das sollte zwar selbstverständlich sein, ist es aber leider nicht immer. Die karge Sitzbank ist ab der ersten Minuten durchgesessen; sofort drücken die Rahmenrohre ins Gesäß. Das LCD-Cockpit beschränkt sich auf die nötigsten Informationen und einige Lämpchen, von denen sich die Leerlaufanzeige besonders vorwitzig benimmt: Gelegentlich leuchtet sie, obwohl ein Gang einlegt ist.

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Kurzurteil

Positiv

  • Recht ordentliche Verarbeitung
  • Dynamisches Design
  • Vergleichsweise sparsamer und robuster Motor
  • Großzügige Federwege
  • Gabelprotektoren


Negativ

  • Schwach motorisiert
  • Recht schwer
  • Komfortfreier Sattel
  • Bremse schlecht dosierbar
  • Kleiner Tank
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Foto: jkuenstle.de

Technische Daten

Motor Einzylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum 125 cm³
Kraftübertragung Sechsganggetriebe/Kette
Leistung 11 kW (15 PS) bei 8100/min
Max. Drehmoment 12 Nm bei 8500/min
Bremse vorn Scheibe (Ø 300 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 220 mm)
Reifen vorn 100/80-17
Reifen hinten 130/70-17
Federweg vorn/hinten 245/230 mm
Tankinhalt 8,0 Liter, Super
Farben Weiß/Rot
Wartungsintervalle k. A.
Preis 4548 Euro inkl. Nebenkosten

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit 104 km/h
Beschleunigung 0−80 km/h 11,4 sek
Durchzug 50−80 km/h 16,7 sek
Gewicht vollgetankt 135 kg
Zuladung k. A.
Verbrauch Landstraße 3,6 l/100 km

Foto: jkuenstle.de

Fazit

In der Stadt:
Als Pendlerfahrzeug für Schüler und andere Menschen, die ihr leichtes Gepäck gern auf den Rücken transportieren, ist die Derbi prima geeignet. Vor Publikum wirkt sie souverän, beinahe wie ein großes Motorrad. Handlichkeit und Übersicht verschaffen Vorteile, wenn der Verkehr mal etwas dichter ist.

Auf der Landstraße:
Je kleiner und verkehrsärmer, desto lieber. Freude machen besonders spontane Kurztrips mit Kaffeepausen; die große Deutschlandrunde verlangt Ausdauer und stabiles Sitzfleisch. Und wehe, die Derbi hängt mal hinter einem LKW fest; der lustlose Motor ist in solchen Momenten keine große Hilfe.

Auf der Autobahn:
Was soll die Frage? Es ist eine 125er mit aufrechter Sitzposition. Natürlich kann und darf man die Senda auch auf Bundesautobahnen zweckentfremden, wenn es sein muss. Schön ist das aber nicht, und der kleine Tank beschränkt solche anstrengenden Versuche auch von selbst auf kurze Etappen.

Abschluss-Zeugnis

Kategorie Motor:

Trotz zweier obenliegender Nockenwellen und vier Ventilen sind Spitzenleistung und Leistungsentfaltung nur knapp durchschnittlich.
2 von 5 Sternen

Kategorie Fahrwerk:

Reichlich Federweg, ausgewogene Geometrie und eine ordentliche Abstimmung hamstern Punkte. Das Alu-Chassis ist ausreichend steif.
3 von 5 Sternen

Kategorie Bremsen:

Die reine Verzögerungsleistung geht in Ordnung, die Dosierbarkeit ist trotz Stahlflexleitung verbesserungswürdig. Wer hinten mitbremst, hat es leichter.
3 von 5 Sternen

Kategorie Ausstattung:

Das Weglassen gehört zum Supermoto-Prinzip; Punkte gibt‘s für die Drahtspeichenrärder und die Gabelprotektoren. Die Verarbeitung ist okay.
3 von 5 Sternen

Kategorie Komfort:

Vom Fahrwerk ist keine übertriebene Härte zu befürchten, Sitzposition und Lenkerkröpfung passen auch. Die Bank allerdings ist ein Folterwerkzeug.
3 von 5 Sternen

Kategorie Einsteigertauglichkeit:

Leicht, robust, übersichtlich, handlich, genügsam, berechenbar - alles im grünen Bereich. Mit Sitzhöhe und Kaufpreis muss man sich anfreunden.
4 von 5 Sternen

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