Im Test: Ducati Monster 796 Ducati Monster 796

Monster sind furchterregende Wesen – außer in der Sesamstraße und in Ducatis Modellprogramm.

Foto: jkuenstle.de

Die Modellbezeichnung „Monster“ hat etwas mit Demonstration, mit Herzeigen zu tun. Schon das Urmodell M 900 legte 1992 auf die äußeren Werte mindestens so viel Gewicht wie auf die inneren. Erkennungsmerkmal der neuen Monster-Generation, die sich seit 2009 auf den Straßen zeigt, ist der aus Gitterrohr- und Gussteilen zusammengefügte Rahmen. Der jüngste Spross, die 796, rutscht mit serienmäßigem ABS in die Lücke zwischen dem Einstiegsmodell 696 und der großen Schwester 1100. Der Fahrer muss sich weit nach vorn zum Lenker recken, und die Fußrasten verlangen sportlich-spitz gewinkelte Knie. Unterhalb von 3000/min zerrt der Twin unwillig und ruppig an der Kette, erst darüber wird er wach – dann aber richtig.

Gibt man ihm Feuer und verlangt ihm ordentlich etwas ab, entschädigt der Motor mit massivem, basslastigen V2-Hämmern und einem Vortrieb, der sich druckvoller anfühlt, als er ist: Die lange Übersetzung raubt der Monster einiges von ihrem sichtbaren Temperament. Positiv gewendet: Der Fahrer kann die Freude am Beschleunigen ein paar Sekunden länger erleben als auf sachlich konstruierten Naked Bikes anderer Hersteller. Das Fahrwerk passt zur oberflächlich sportlichen Ausrichtung der Italienerin und rangiert, je nach persönlicher Einstellung dazu, zwischen „schön straff” und „steinhart”. In jedem Fall braucht die Monster 796 für den Kurven­swing qualitäts­asphaltierte Landstraßen mit weiten Bögen. Ein wenig Zeit sollte der Fahrer mitbringen, um sich an die wenig komfortabel gekröpften Lenker­enden zu gewöhnen. Dann kann er mit der Monster viel Spaß haben und – genauso wichtig – gut aussehen.



Kurzurteil:
Positiv

  • Starker und erlebnisreicher Motor
  • Gute Verarbeitung
  • Tolle Bremsen mit serienmäßigem ABS
  • Hingucker-Fahrzeug
  • Fairer Preis


Negativ

  • Hartes Fahrwerk
  • Unentspannte Sitzposition
  • Motor bei niedrigen Drehzahlen ruppig
  • Schlecht ablesbares Display
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Foto: jkuenstle.de

Technische Daten

Die Daten:
Motor Zweizylinder-Viertakt/V
Hubraum 803 cm³
Kraftübertragung Sechsganggetriebe/Kette
Leistung 64 kW (87 PS) bei 8250/min
Max. Drehmoment 78 Nm bei 6250/min
Bremse vorn Doppelscheibe (Ø 320mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 245 mm)
Reifen vorn 120/70 ZR 17
Reifen hinten 180/55 ZR 17
Federweg vorn/hinten 120/148 mm
Tankinhalt 13,5 Liter, Super
Farben Rot, Weiß
Wartungsintervalle 12 000 km
Preis 9495 Euro ohne Nebenkosten

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe) 215 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 4,4 sek
Durchzug 60−140 km/h 9,3 sek
Gewicht vollgetankt 190 kg
Zuladung 200 kg
Verbrauch Landstraße 4,7 l/100 km

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Foto: jkuenstle.de

Fazit

In der Stadt:
Im Stadtverkehr summieren sich die vielen kleinen Schwächen der Monster am deutlichsten zu einer großen: Ergonomische Mängel, kleine Spiegel und der ruppige Motor lassen die Citytour rasch stressig werden. Andererseits braucht so ein extrovertierter Charakter auch Bewunderer, und die bekommt er hier.

Auf der Landstraße:
Auf Landstraßen fährt die Monster 796 am liebsten. Das straffe Fahrwerk dolmetscht zwischen Fahrbahn und Fahrer, der Motor bekommt den Drehzahlauslauf, den er verlangt, um zufrieden zu bollern. Für eine Tour zu zweit braucht man zwei Monster; der Soziusplatz ist waffenscheinpflichtig.

Auf der Autobahn:
Wer sich mit eng gefalteten Beinen arrangieren kann, hält die Monster auch über längere Etappen aus. Windschutz gibt es keinen – jedoch wer den braucht, kauft kein Naked Bike. Die Vibrationen können nervig werden, aber der recht kleine Tank verlangt häufig Nachschub; Erholungspausen sind garantiert.



Abschluss-Zeugnis
Motor:

Der kernig-sportlich ausgelegte V2 braucht ein wenig Drehzahl, um loszulegen. Genügend Leistung hat er, Charakter auch.
3 von 5 Sternen

Fahrwerk:

Wer innigen Kontakt zur Fahrbahn sucht, bekommt ihn. Ob das bequem ist, liegt dann an der Fahrbahn. Komfort kommt kaum vor.
2 von 5 Sternen

Bremsen:

Die großzügig dimensionierten Stopper haben mit dem leichten Roadster keine Probleme und sind gut dosierbar. ABS ist serienmäßig an Bord.
4 von 5 Sternen

Ausstattung:

Die puristische Fahrmaschine verzichtet aus Prinzip auf viele Annehmlichkeiten. Auch aus Prinzip gibt’s einiges Optik-Zubehör gegen Aufpreis.
2 von 5 Sternen

Komfort:

Die Sitz-Ergonomie ist zwar nicht komplett missraten, dennoch sehr gewöhnungsbedürftig. Die Monster fordert ihren Fahrer.
2 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:

Im Prinzip harmlos und gut kontrollierbar, aber mit wilden Eigenheiten ausgestattet. Eher was für Aufsteiger mit 10 000 Kilometern Erfahrung.
3 von 5 Sternen

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