Im Test Ducati Sport 1000 S

Alter schützt vor Schönheit nicht. Das gilt auch für junge, auf alt getrimmte Bikes wie die Ducati Sport 1000 S. Schön und gut?

Foto: fact
Die Lady in Rot ist gar nicht so alt, wie sie aussieht. Wobei gerade ihr auf alt getrimmtes Styling den Reiz dieser Ducati ausmacht. Unterm sportlich-eleganten Kleid im Look der 1970er Jahre schlägt ein (relativ) modernes Herz im schlanken, sehnigen Fahrwerk. Mit knapp über 200 Kilogramm kann sich die Italienerin überall sehen lassen, mit dem 92 PS starken 1000er-V2 ist sie standesgemäß motorisiert. Ein Bike für alle Spätgeborenen, die gern in den besagten 1970er Jahren jung und wild gewesen wären, oder für solche, die es waren, sich eine sportliche Ducati damals jedoch nicht leisten konnten. Wer heute dem Charme der Retro-Duc verfällt, dem sollte eines allerdings klar sein: Die Italienerin mit den sportlichen Rundungen hat auch ihre Ecken und Kanten, kann auch rumzicken. Wer sich in den Sattel schwingt, sollte keinen Komfort erwarten. Das breite, harte Bänkchen, die eigenwillig weit vorn angebrachten Fußrasten und die sehr tief montierten Lenkerstummel zwingen den Fahrer in eine äußerst unbequeme, kauernde Sitzhaltung. Die schwergängige Kupplung fällt gleich nach dem Start beim Einlegen des ersten Gangs auf, der geringe Lenkeinschlag führt zu einem enormen Wendekreis. Der luftgekühlte Zweiventil-V2 gefällt mit sanfter Gasannahme, sattem Antritt und kultiviertem Lauf.
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Foto: Ducati
Die ersten Wechselkurven überraschen: Die Duc ist zwar leicht, aber nicht so leichtfüßig, wie erwartet. Dafür lässt sich das stabile Fahrwerk mit den sensibel arbeitenden Federelementen durch nichts aus der Ruhe bringen und gewährleistet stets beste Bodenhaftung. Dass auch moderne, deftig zupackende und gut dosierbare Bremsen vorhanden sind, nimmt man eher beiläufig wahr. Vielmehr erfreut sich der Pilot am Gefühl, dass sich eine alte Liebe endlich erfüllt, die Angebetete ihn endlich erhört hat. Spät, aber nicht zu spät. Das ist die 11750 Euro wert.
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Foto: Archiv

Technische Daten

Die Daten (Werksangaben):
Motor Zweizylinder-Viertakt/V
Hubraum 992 cm³
Kraftübertragung Sechsganggetriebe/Kette
Leistung 68 kW (92 PS) bei 8000/min
Max. Drehmoment 91 Nm bei 6000/min
Bremse vorn Doppelscheibe (Ø 320 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 245 mm)
Reifen vorn 120/70 R 17
Reifen hinten 180/55 R 17
Federweg vorn/hinten 120/133 mm
Tankinhalt 15 Liter, Super
Farben Rot, Schwarz
Wartungsintervalle 10000 km
Preis 11 750 Euro (inkl. Nebenkosten) Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit(Werksangabe) 210 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 3,7 sek
Durchzug 60−140 km/h 10,5 sek
Gewicht vollgetankt 209 kg
Zuladung 181 kg
Verbrauch Landstraße 4,1 l/100 km
Foto: Ducati

Fazit

In der Stadt:
Sie zieht die Blicke der Passanten magisch an und taugt bestens für den Showauftritt. Doch der Fahrer leidet. Die schwergängige Kupplung macht jeden Ampelstopp zur nervtötenden Tortur, die extrem kauernde Sitzhaltung lässt den Fahrer jeden Kolonnenverkehr verfluchen. Die Duc verlangt nach freier Fahrt.

 

Auf der Landstraße:
Enge Kehren oder allzu langsame Wechselkurven sind nicht die Domäne der Sport-Duc. Trotz ihres geringen Gewichts ist sie nicht allzu handlich. Dafür läuft sie topstabil, macht auf Strecken mit schnellen, langgezogenen Kurven am meisten Spaß. Ihr sensibles Fahrwerk steckt dabei auch miesen Belag weg.

 

Auf der Autobahn:
Stures Geradeausbolzen ist mit der Duc zwar möglich, denn sie bleibt auch bei hohem Tempo absolut stabil, es macht aber keinen Spaß. Die Verkleidung schützt nur mäßig vor Fahrtwind, nervt jedoch nicht mit Dröhnen oder Luftwirbeln. Die anstrengende Sitzhaltung lädt ebenfalls nicht zu langen Etappen ein.

Abschluß-Zeugnis der Ducati:

Motor:
Der luftgekühlte V2 glänzt mit sanfter Leistungsentfaltung und ordentlich Druck in allen Lagen. Zudem ist der Zweiventiler extrem sparsam.
(4 von 5 Sternen)


Fahrwerk:
Rahmen und Schwinge sind aus Gitterrohr, hübsch gemacht und sorgen für absolute Stabilität. Die Handlichkeit der Duc ist nicht überragend.
(4 von 5 Sternen)


Bremsen:
Die kraftvoll zupackenden, gut dosierbaren Bremsen sind eines modernen Bikes im Retro-Look würdig. ABS wäre sicherlich ein Stilbruch.
(4 von 5 Sternen)


Ausstattung:
Die Italienerin hat einen Lenkungsdämpfer. Das wars aber auch schon an Extras, der Rest ist einfach edel gemacht und hochwertig verarbeitet.
(4 von 5 Sternen)


Komfort:

Wie bitte? Die Sport 1000 S kennt dieses Wort nicht. Ein hartes, zu breites Bänkchen, eine sehr geduckt-kauernde Sitzhaltung - bequem ist anders.
(1 von 5 Sternen)


Einsteigertauglichkeit:
Einsteiger sollten sich aufs Fahren konzentrieren können, statt aufs Bike. Die Duc fordert den Fahrer - aufsitzen und entspannt herumrollen ist nicht.
(1 von 5 Sternen)

Kurzurteil

Plus:
●   Kerniger V2-Motor
●   Satte Leistungsentfaltung
●   Sanfte Gasannahme
●   Edle Details, top verarbeitet
●   Sehr geringer Verbrauch
●   Topstabiles Fahrwerk
●   Gute Sicht in den Spiegeln

 

Minus:
●   Unbequeme Sitzposition
●   Schwergängige Kupplung
●   Nicht besonders handlich
●   Neigt zum Lenkerschlagen

Ducati Fotoshows

Die Konkurrenz

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Die XR im Dirt-Track-Racer-Look ist recht schwer und nur mäßig handlich, aber mit 200 km/h ziemlich schnell und bremst ordentlich.

Preis: 11340 Euro

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Die schlanke Retro-Guzzi ist sehr handlich und sehr sparsam. Ein eher schlapper Motor und lasche Bremsen enttäuschen ein wenig.

Preis: 8500 Euro

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Die hübsche Britin bietet klassisches Design und Fahrfeeling. Der 69 PS starke Einspritzmotor erfreut mit sattem Zweizylindersound.

Preis: 9240 Euro

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