Im Test: Harley-Davidson Fat Boy Special Fett, Boy

Es ist schon komisch: In der ewigen Liste schöner Motorräder taucht kaum eine Harley auf. Dabei ist die Fat Boy längst ein Design-Klassiker.

Foto: Campbell

Unverwechselbar ist wohl jede Harley, aber kaum eine vereint die Attribute der amerikanischen Marke so konsequent wie die Fat Boy - tief, breit, massiger Auftritt, bassiger Sound, kein Schnickschnack.

Den Produktplanern ist jüngst eine Möglichkeit eingefallen, diese Konsequenz noch zu steigern: Fat Boy Special heißt das 20-Jahre-Jubiläumsmodell. Seine Alpha-Rolle in der Riege der coolen Cruiser verdankt es in erster Linie der reichlich aufgetragenen schwarzen Lackierung, die wahlweise matt oder glänzend einen ansehnlichen Kontrast zu den sparsam platzierten Chromteilen bildet.

Noch tiefer als auf der Standard-Fat Boy sitzt der Special-Fahrer im breiten Ledersitz, noch lässiger ruhen die Hände auf dem breiten Rohrlenker und die Füße auf Trittbrettern. Scheibenräder und Schaltwippe sind natürlich mit an Bord. Der 96 Kubikzoll (=1584 cm³) große V2 trägt zwar eine Ausgleichswelle, wie das "B" für "balancer" in der Motorbezeichung "Twin Cam 96B" anzeigt. Weil der Motor jedoch starr mit dem Rahmen verbunden ist, spürt der Fahrer die berühmten und gewollten Good Vibrations deutlich. Damit sind die Kernkompetenzen der Fat Boy Special auch schon beschrieben, denn Fahrleistungen, Schräglagenfreiheit und Bremsvermögen gehören nicht dazu. Das Datenblatt weckt zum Glück in dieser Hinsicht keinerlei Erwartungen: 330 Kilogramm und 76 PS weisen die Fat Boy Special als gemütliche Wuchtbrumme ohne sportliche Ambitionen aus. Aber wer sein Heil in der Schräglagendynamik sucht, wird eh nicht im Harley-Davidson-Sortiment stöbern.

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Plus / Minus

+ Unangefochtene Cruiser-Ikone
+ Ordentlicher Komfort
+ Wertstabil
+ Wertig gefertigte Komponenten
+ Umfassendes Zubehörprogramm

- Schwammiges Fahrwerk
- Serienmäßiger Klang enttäuscht etwas
- Soziusplatz nur Notsitz
- Schwache Fahrleistungen

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Stadt / Landstraße / Autobahn

In der Stadt
Im Stop-and-go-Verkehr bewährt sich der geschmeidige Zahnriemenantrieb. Schlängeleien an der Ampel wird man sich lieber verkneifen. Die Harley ist kein ausgesprochener Zeitsparer in der Rushhour, aber lässt den Fahrer die Citytour immerhin stressfrei bewältigen - neidische Blicke immer inbegriffen.

Auf der Landstraße

Wenn sie muss, fährt die Fat Boy Special auch Serpentinenkurse über die Alpen. Viel wohler fühlt sie sich aber auf Flachlandreisen in weiten Bögen auf gut asphaltierten Straßen. An motorradreichen Tagen wird sie häufig überholt - sportlicher Ehrgeiz ist dann vollkommen fehl am Platz. In der Ruhe liegt die Kraft.

Auf der Autobahn
Breiter Lenker und kein Windschutz - wenn das Tempo steigt, verliert die Harley ihre Coolness und wird eher anstrengend. Für die linke Spur ist man grundsätzlich zu langsam, für die rechte zu schnell. So bleibt der Genuss rasch auf der Strecke. Für eine Reise mit Ziel ist die Autobahn okay, als Selbstzweck Unsinn.

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