Im Test Honda CB 1000 R

Was kommt dabei heraus, wenn Honda verschiedene Bauteile seiner Motorräder neu zusammenfügt?

Foto: jkuenstle.de

Wenn Hersteller unterschiedliche Teile zu neuen Produkten kombinieren, nennt man das Mix and Match. Honda beherrscht diese Technik nahezu perfekt, haben sie doch mit der CB 1000 R ein echtes Funbike auf die Räder gestellt. Das Herzstück der nackten Tausender lag bei den Ingenieuren aus Japan schon im Regal. Der Motor entstammt nämlich der 2007er-Fireblade, lediglich die Spitzenleistung wurde zugunsten von mehr Drehmoment etwas gekappt. 125 quirlige PS leistet nun das Aggregat, immer noch genug für zügige Sonntagsausflüge. Überholmanöver machen mit der CB besonders viel Spaß, der Motor dreht willig hoch und katapultiert den Piloten in nur 3,2 Sekunden auf Landstraßenlimit. Das sind Supersportler-Werte. Dank des Zentralrohr-Rahmens, den Honda auch bei der 600er-Hornet verwendet, lässt sich die CB 1000 R extrem handlich und spielerisch bewegen und bleibt selbst bei hohen Geschwindigkeiten stabil. Für die letzte Rille reicht es jedoch nicht ganz, dafür ist die Gabel, die übrigens aus der 2008er-Fireblade stammt, zu weich abgestimmt. Hoch- und Runterschalten gelingt stets präzise, die Gänge rasten sauber ein, die Kupplung erfordert wenig Handkraft. Gut integriert und leicht vorderradorientiert sitzt der Fahrer auf der Honda, die Beine schmiegen sich eng an die schmalen Flanken.

Längere Touren sind möglich, allerdings gibt es keinen Windschutz. Die meisten Fahrer dürften sich ohnehin auf Landstraße und Stadt beschränken, und auch vor dem Café sieht die Nackte gut aus. Sehr gelungen ist die von Honda selbst entwickelte Einarmschwinge, auch wenn die Hinterradfelge etwas knubbelig wirkt. Wenn wir schon beim Meckern sind: Je nach Lichteinfall sind die Instrumente schlecht ablesbar, die Lichtausbeute des Scheinwerfers ist eher mau. Und bei Regen sollte man keine Sozia mitnehmen, weil das Hinterrad keinen Spritzschutz besitzt und ihren Rücken einsauen würde. Fassen wir zusammen: Die Japaner haben feine, bewährte Teile aus dem Regal geholt und mit Neuentwicklungen zu einer hochwertigen Fahrmaschine kombiniert. Kleine Schwächen kann man dafür ruhig in Kauf nehmen.



Kurzurteil:
Positiv

  • Kräftiger, durchzugsstarker Motor
  • Äußerst handlich und agil
  • Niedriger Verbrauch
  • Schicke Einarmschwinge
  • Kräftig zupackende Bremsen, optional mit Combined-ABS


Negativ

  • Schlecht ablesbare Instrumente
  • Fehlender Spritzschutz verdreckt den Rücken des Sozius
  • Mäßige Lichtausbeute
Anzeige
Foto: Archiv

Technische Daten

Die Daten:
Motor Vierzylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum 998 cm³
Kraftübertragung       Sechsganggetriebe/Kette
Leistung 92 kW (125 PS) bei 10 000/min
Max. Drehmoment 99 Nm bei 7750/min
Bremse vorn Doppelscheibe (Ø 310 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 256 mm)
Reifen vorn 120/70 ZR 17
Reifen hinten 180/55 ZR 17
Federweg vorn/hinten 120/128 mm
Tankinhalt 17 Liter, Super
Farben Rot, Schwarz, Weiß
Wartungsintervalle 6000 km
Preis 10 690 Euro inkl. Nebenkosten

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe) 230 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 3,2 sek
Durchzug 60−140 km/h 7,2 sek
Gewicht vollgetankt 217 kg
Zuladung 193 kg
Verbrauch Landstraße 5,2 l/100 km

Anzeige
Foto: jkuenstle.de

Fazit

In der Stadt:
Gasannahme und Lastwechsel könnten etwas geschmeidiger ablaufen, die Honda macht in der Stadt trotzdem eine gute Figur. Die Gänge lassen sich präzise und knackig durchsteppen, die Kupplung erfordert wenig Handkraft. Beim Spurwechsel den Schulterblick nicht vergessen, in den Spiegeln ist wenig zu sehen.

Auf der Landstraße:
Für schnelles Kurvenwetzen eignet sich die handliche, agile 1000er perfekt. Der Motor dreht willig hoch und bietet kräftigen Schub in allen Lebenslagen. Überholmanöver? Ein kurzer Dreh des Handgelenks genügt. Das Fahrwerk ist gut abgestimmt, die Gabel für die letzte Rille jedoch etwas zu weich.

Auf der Autobahn:
Aufgrund fehlender Verkleidung sitzt man voll im Wind, der einem bei Tempo 230, der Höchstgeschwindigkeit, mächtig um die Ohren fegt. Bei normaler Fahrt ist der Verbrauch erfreulich niedrig und ermöglicht so auch lange Etappen ohne Tankstopp. Gepäck lässt sich nur schwer unterbringen.



Abschluss-Zeugnis
Motor:

Der quirlige Reihenvierer gibt seine Leistung gleichmäßig ab, zieht schon aus dem Drehzahlkeller kraftvoll durch, klingt jedoch zurückhaltend.
4 von 5 Sternen

Fahrwerk:

Super handlich und agil lässt sich die Honda um die Ecken scheuchen. Lediglich bei sehr heftiger Gangart kommt die zu weiche Gabel an ihre Grenzen.
4 von 5 Sternen

Bremsen:

Die 600 Euro Aufpreis für das C-ABS sind gut angelegt. Die Bremsen verzögern perfekt und sind auch für Anfänger nicht zu giftig.
4 von 5 Sternen

Ausstattung:

Alles an der Honda wirkt hochwertig verarbeitet. Das Combined-ABS gibt's leider nur gegen Aufpreis, eine elektronische Wegfahrsperre serienmäßig.
4 von 5 Sternen

Komfort:

Auch große Fahrer kommen mit dem Kniewinkel zurecht, die Sitzposition ist sportlich, das Fahrwerk ausreichend. Windschutz? Nein.
3 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:

Wenn man nicht die volle Leistung abruft, können auch Anfänger die kompakte CB bedenkenlos fahren - am besten mit optionalem ABS.
3 von 5 Sternen

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote