Im Test: Honda PCX 125 Durchstarter

Wirkliche Neuerungen sind selten geworden in der Rollerbranche. Aber dass Honda den neuen PCX ohne Anlasser verkauft, damit hat keiner gerechnet.

Foto: Bilski

Es ist aber nicht so, dass man den Honda-Roller jedes Mal anschieben muss. Das geht wegen der Variomatik und Fliehkraftkupplung schon aus physikalisch-mechanischen Gründen nicht. Der PCX verzichtet auf einen separaten Elektromotor, der via Zwischengetriebe die Kurbelwelle antreibt, denn er hat etwas viel Besseres: Einen sogenannten Dynastarter. Hier übernimmt die direkt auf der Kurbelwelle sitzende Lichtmaschine auch die Funktion des Anlassers und ermöglicht so überhaupt erst den Clou des kleinen 125ers: die Start-Stopp-Automatik. Nach drei Sekunden im Leerlauf geht der kultiviert und leise laufende Viertakter nämlich einfach aus, um beim kleinsten Dreh am Gasgriff sofort anzuspringen und ebenso verzögerungsfrei zu beschleunigen.

Das ist anfangs gewöhnungsbedürftig, aber nach kurzer Zeit fasst man Vertrauen und genießt die Ruhe im Stand. Wer keine Lust hat auf An-Aus, schaltet das System einfach ab. Laut Honda soll der Verbrauch im Stadtverkehr um rund fünf Prozent sinken. Auf der Landstraße reichen ihm 2,1 Liter für 100 Kilometer. Davon abgesehen ist der PCX ein ganz normaler Cityflitzer. Mit 11,7 kultivierten und leisen PS ist er hinreichend, aber nicht überbordend motorisiert. Das sehr weich abgestimmte Fahrwerk unterstreicht den soften Charakter, ebenso die sanft ansprechende Integralbremse. Auf schmalen 14-Zoll-Rädern fährt der PCX spielerisch und dennoch stabil ums Eck. Der Windschutz könnte besser sein, die dürftige Ausstattung hingegen lässt sich bei einem Preis von 2540 Euro leicht verschmerzen.



Kurzurteil:
Positiv

  • Sehr niedriger Verbrauch
  • Sehr günstiger Preis
  • Start-Stopp-Automatik
  • Kultivierter und leiser Antrieb
  • Kräftiges Licht
  • Großes Helmfach
  • Extrem leichtes Aufbocken


Negativ

  • Dürftige Ausstattung
  • Sehr weiches Fahrwerk
  • Bescheidene Fahrdynamik
  • Wind- und Wetterschutz gering
  • Sehr kurze Service-Intervalle
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Foto: Archiv

Technische Daten

Die Messwerte:
Motor Einzylinder-Viertakt
Hubraum 125 cm³
Kraftübertragung Variomatik/Riemen
Leistung 8,6 kW (11,7 PS) bei 8500/min
Max. Drehmoment 12 Nm bei 6000/min
Bremse vorn Scheibe (Ø 220 mm)
Bremse hinten Trommel (Ø 130 mm)
Reifen vorn 90/90-14
Reifen hinten 100/90-14
Federweg vorn/hinten 100/75 mm
Tankinhalt 6,2 Liter, Super
Farben Silber, Schwarz, Weiß
Wartungsintervalle 4000 km
Preis 2540 Euro plus Nebenkosten

Die Daten:
Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe) 96 km/h
Beschleunigung 0−50 km/h 5,4 sek
Beschleunigung 0−80 km/h 12,8 sek
Gewicht vollgetankt 126 kg
Zuladung 178 kg
Verbrauch Landstraße 2,1 l/100 km

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Foto: Archiv

Fazit

In der Stadt:
Stadtverkehr ist die Domäne des Honda PCX. Beim Parken hüpft er leicht auf den Hauptständer und auch wieder runter. Wieselflink schlüpft der Roller durch die Autokolonnen, von der Ampel sprintet er flott weg. Die Start-Stopp-Automatik macht ihn sowohl sparsam als auch angenehm leise.

Auf der Landstraße:
Auf kleinen, gewundenen Landsträßchen kann man mit dem PCX schon seinen Spaß haben. Er fährt sich neutral und komfortabel. Die Bodenfreiheit lässt sogar anständige Schräglagen zu. Je größer und gerader die Straßen werden, desto mehr stört man sich an der geringen Motorleistung.

Auf der Autobahn:

Autobahnen sollte man als PCX-Treiber nur im Notfall benutzen. Mit lediglich 96 km/h Spitze werden Busse und LKW zu unüberwindbaren, weil unüberholbaren Gegnern. Fahrspaß sieht anders aus. Trotz der niedrigen Geschwindigkeit merkt man, dass der Windschutz nicht der beste ist.



Abschluss-Zeugnis
Motor:

Sehr kultivierter, leiser und äußerst sparsamer Antrieb. Die Start-Stopp-Automatik ist der Hit. Könnte außerorts aber kräftiger ans Werk gehen.
4 von 5 Sternen

Fahrwerk:

Dank schmaler Reifen und kleinem Wendekreis sehr handlich. Federung vorne sehr weich, hinten noch weicher. Nix für schwere oder eilige Fahrer.
2 von 5 Sternen

Bremsen:

Dank CBS werden stets beide Räder verzögert, egal an welchem Hebel gezogen wird. Die Wirkung ist den Fahrleistungen angemessen.
3 von 5 Sternen

Ausstattung:

Vom CBS abgesehen ist die Ausstattung mager, kein Schnickschnack. Sicherheitsrelevante Dinge wie Licht und Rückspiegel funktionieren prächtig.
2 von 5 Sternen

Komfort:

Die weiche Federung nimmt Schlaglöchern den Schrecken. Lange wünschen sich mehr Beinfreiheit, die Sitzbank ist aber bequem. Mäßiger Wetterschutz.
3 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:

Leicht und niedrig, problemloses Fahrverhalten und kinderleichte Bedienung. Wer mit dem PCX nicht klarkommt, sollte besser den Bus nehmen.
5 von 5 Sternen

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