Im Test: Hyosung ST 700i Hyosung ST 700i

Mit der ST 700i erweitert Hyosung seine Fahrzeugpalette um einen Cruiser. 2Räder ist Probe gefahren.

Foto: Bilski

Optisch wirkt das Bike recht erwachsen: Viel Chrom, ausladende Schutzbleche, dicke Ballonreifen und zwei angeschrägte Auspuffrohre machen es zum echten Hingucker. Die Klopfprobe am Schutzblech verrät: Hier wurde kein Blech, sondern Plastik verarbeitet. Auch die Seitendeckel, die Lampe und die Tachoeinheit auf dem Tank bestehen aus Kunststoff. Das muss kein Manko sein, schließlich können die Teile nicht rosten und sind zudem sehr leicht. Leider fängt das gesamte Motorrad leicht zu vibrieren an, wenn der Motor höher dreht, etwa auf Autobahnetappen. Der V2 muss sich zunächst nicht verstecken, markiert er doch mit 678 cm³ Hubraum das Topmodell in der Hyosung-Palette. 63 PS leistet der wassergekühlte Vierventiler. Der Motor verlangt nach hohen Drehzahlen, das passt nicht so recht zum gemütlichen Dahingleiten. Zudem mangelt es dem V2 an Drehmoment, man muss häufig durch die fünf Gänge schalten.

Wenig Handkraft erfordert die Kupplung, das Getriebe arbeitet präzise. Am besten ist man mit der Hyosung auf der Landstraße unterwegs. Dort verbraucht sie nur etwas über 4 Liter auf 100 Kilometer. Bei voller Beladung kommen die hinteren Federelemente schnell an ihre Grenzen, der Federweg ist mit 61 Millimetern recht kurz geraten. Fahrer und Sozius sitzen bequem auf den dicken, weichen Sitzkissen, die auch längere Touren ohne Schmerzen ermöglichen. Wie es sich für einen Cruiser gehört, sind die Fußrasten weit vorn angebracht, der breite Lenker stark zum Fahrer gekröpft. Hyosung hat einen optisch ansprechenden Cruiser auf die Gussräder gestellt, der über einen ordentlichen Motor verfügt. An Fahrwerk und Verarbeitung sollten die Koreaner jedoch noch arbeiten.



Kurzurteil:
Positiv

  • Wartungsfreundlicher Zahnriemen
  • Bequeme Sitzposition
  • Tolle Optik
  • Geringer Verbrauch


Negativ

  • Schwaches Fahrwerk
  • Motor vibriert stark
  • Verhältnismäßig teuer
  • Mäßig verarbeitet
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Foto: Bilski

Technische Daten Hyosung ST 700i

Die Daten:
Motor Zweizylinder-Viertakt/V
Hubraum 678 cm³
Kraftübertragung Fünfganggetriebe/Riemen
Leistung 46 kW (63 PS) bei 8000/min
Max. Drehmoment 57 Nm bei 7000/min
Bremse vorn Scheibe (Ø 300 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 270 mm)
Reifen vorn 120/90 - 1
Reifen hinten 170/80 - 1
Federweg vorn/hinten 140/61 mm
Tankinhalt 17 Liter, Normal
Farben Rot, Schwarz
Wartungsintervalle 6000 km
Preis 7495 Euro ohne Nebenkosten

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe) 176 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 5,5 sek
Durchzug 60−140 km/h 13,3 sek
Gewicht vollgetankt 251 kg
Zuladung 164 kg
Verbrauch Landstraße 4,2 l/100 km

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Foto: Bilski

Fazit

In der Stadt:
Sie fährt sich nicht superhandlich, dennoch ist man mit ihr auch in der Stadt gut unterwegs. Trotz des hohen Gewichts kann man die Hyosung leicht aus Parklücken rangieren, und vor der Eisdiele sieht sie ziemlich gut aus, auch wenn ihre Kotflügel und einige andere Teile aus Kunststoff bestehen.

Auf der Landstraße:
Völlig stressfrei kann man mit der Hyosung über Landstraßen cruisen - zumindest, solange die Fahrbahn gerade und eben ist; schlechte Straßen und enge Kurven sind nichts für sie. Nur 4,2 Liter saugt die Hyosung je 100 Kilometer aus dem großen Tank. Dadurch ergeben sich Reichweiten um 400 Kilometer.

Auf der Autobahn:
Wegen des Fünfganggetriebes dreht der Motor bei höheren Geschwindigkeiten sehr hoch und vibriert stark. Die Höchstgeschwindigkeit wird man ohnehin nur selten auskosten, weil es keinen Windschutz gibt. Auch auf langen Etappen sitzt der Fahrer bequem im weichen Sitzkissen



Abschluss-Zeugnis
Motor:

Ausreichend stark präsentiert sich der V2, doch sollte man besser mit niedrigen Drehzahlen unterwegs sein. Ansonsten vibriert er kräftig.
3 von 5 Sternen

Fahrwerk:

Zu kurzer Federweg hinten, schlecht ansprechende Gabel und wenig Rückmeldung. Hier sollte Hyosung nachbessern. Wenigstens lenkt sie leicht ein.
2 von 5 Sternen

Bremsen:

Vorn und hinten arbeiten Scheibenbremsen und sorgen für gute Verzögerung. Die Dosierung könnte besser sein, ABS gibt es nicht.
3 von 5 Sternen

Ausstattung:

Tankuhr, Warnblinker und LED-Rücklicht sind lobenswert, die Verarbeitung könnte aber besser sein. Vieles klappert und fühlt sich wenig wertig an.
2 von 5 Sternen

Komfort:

Auf dem weichen Sitzkissen nimmt man gern Platz. Die Füße ruhen angenehm weit vorn. Der Zahnriemenantrieb ist laufruhig und wartungsarm.
4 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:

Besonders lenkpräzise und stabil läuft die Hyosung nicht, das Gefühl fürs Vorderrad fehlt. Mit etwas Übung kommen Anfänger jedoch gut mit ihr klar.
3 von 5 Sternen

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