Im Test: Kawasaki Ninja 250 R Handlicher Supersportler für Einsteiger

Alle lechzen nach Hubraum und PS - dabei kann Motorradfahren so günstig sein. Kawasakis 250er-Ninja belehrt uns eines Besseren. Wie nett von ihr.

Foto: Jahn

Schon mal versucht, bei einem 1000er-Supersportler am Kurvenausgang das Gas stehen zu lassen und die Karre mal so richtig auszuquetschen? Nein? Geht ja auch gar nicht. Erstens, weil solch monströse Leistung kaum vernünftig auf die Straße zu bringen ist. Zweitens, weil bereits der ausgedrehte erste Gang jenseits landstraßenkonformer 100 km/h und damit in der Strafzettel-Region endet. Für genau diese Art sportlichen Fahrens jedoch passt die Ninja 250R perfekt. Ihr lebendiger Reihenzweizylinder agiert unten herum zwar etwas zäh, arbeitet dafür umso lieber bei hohen Drehzahlen. So 7000/min sollten es schon sein, bis zum roten Bereich bei 13000/min geht es munter weiter. Kuppeln, schalten, Vollgas - was für eine Freude! Ohne den Schutzengel abzuhängen, lässt sich das Bike am Limit bewegen. Vor allem dann, wenn sich die Kurven kringeln wie Julia Roberts Locken in Pretty Woman.

Die Superbike-Fraktion kämpft ihre Breitreifen-Hocker in die Schräge, die Mini-Ninja zischt auf ihren schmalen Pellen einfach dran vorbei. Dass die Gabel eher weich geriet - geschenkt. Schließlich wiegt die Viertelliter-Sportlerin nur wenig mehr als 170 Kilogramm. Kritikwürdig hingegen ist die hölzerne Serienbereifung, die wenig Mut zu ambitionierten Schräglagen macht. Besser fühlt sich die Bremsanlage an, die zwar auf den letzten Biss verzichtet, die mit Wave-Scheiben bestückte Kawa jedoch stets sicher verzögert. Diese vereint überdies Dynamik mit überdurchschnittlichen Langstreckenqualitäten: Die ergonomischen Verhältnisse zwischen Lenker, Sattel und Fußrasten passen trotz niedriger Sitzhöhe perfekt. Und selbst Tourer kommen nicht ansatzweise an die irrwitzige Reichweite der Ninja. Da kann man neben dem Gas auch noch die eine oder andere Tanke stehen lassen.


Kurzurteil:
Positiv

  • Drehfreudiger Twin
  • Guter Geradeauslauf
  • Geringe Sitzhöhe
  • Günstiger Preis
  • Niedrige Unterhaltskosten
  • Sensationelle Reichweite von mehr als 500 Kilometern


Negativ

  • Wenig Vertrauen erweckende Serienbereifung
  • Nicht gerade autobahntauglich
  • Motor untenrum etwas zäh
  • Altbackenes Cockpit
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Foto: Jahn

Technische Daten

Die Daten:
Motor Zweizylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum 249 cm³
Kraftübertragung Sechsganggetriebe/Kette
Leistung 24 kW (33 PS) bei 11000/min
Max. Drehmoment 22 Nm bei 8200/min
Bremse vorn Scheibe (Ø 290 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 220 mm)
Reifen vorn 110/70 ZR 17
Reifen hinten 130/70 ZR 17
Federweg vorn/hinten 120/130 mm
Tankinhalt 17 Liter, Super
Farben Grün, Schwarz
Wartungsintervalle 6000 km
Preis 4795 Euro plus Nebenkosten

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe) 160 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 7,5 sek
Durchzug 60−140 km/h 22,5 sek
Gewicht vollgetankt 172 kg
Zuladung 167 kg
Verbrauch Landstraße 3,1 l/100 km

Foto: Jahn

Fazit

In der Stadt:
Handlich und völlig unkompliziert lässt sich die Ninja 250R durch die City manövrieren. Dank butterweich zu bedienender Kupplung und dem geschmeidigen Getriebe ist Stop-and-go kein Thema. Weniger ideal ist der nicht übermäßig anstrittsstarke Motor, ein Gepäckträger wäre auch nicht schlecht.

Auf der Landstraße:
Herrlich, wie man die 33 Pferdchen der Kawa hier aufgaloppieren lassen kann - Sportlerfeeling ohne Geschwindigkeitsüberschreitung und Rennstrecke. Zum Überholen gehört Runterschalten ebenso wie Voraussicht. Das stabile Fahrwerk und der quirlige Twin machen mehr Spaß, als man vermutet.

Auf der Autobahn:
Die Kawasaki macht auch Topspeed klaglos mit, stabil liegt sie auf der Bahn. Für die linke Spur eignet sich die Leistung der Ninja jedoch weniger. Punkte sammelt sie dafür mit ihrer riesigen Reichweite, der angenehmen Sitzposition und dem ordentlichen Windschutz - auf diese Weise kommt man auch flott voran.



Abschluss-Zeugnis
Motor:

Kawasaki steht für Sport, die Ninja folgt dieser Tradition: Flotter Vortrieb kommt erst ab 7000/min und darüber. Sparsam ist der Reihentwin trotzdem.
4 von 5 Sternen

Fahrwerk:

Gute Lenkpräzision, top Handlichkeit und ordentlichen Geradeauslauf bietet die 250er. Ihr konventionelles Fahrwerk hinterlässt einen guten Eindruck.
3 von 5 Sternen

Bremsen:

Nicht superbissig, aber auch nicht zu lasch. Die Standard-Bremsentechnik funktioniert tadellos und völlig unauffällig.Ein ABS fehlt.
3 von 5 Sternen

Ausstattung:

Der Preis zeigt hier seine Wirkung: Goodies wie Gepäckträger, Hauptständer und einstellbare Hebel fehlen. Das Cockpit hingegen ist vollständig.
2 von 5 Sternen

Komfort:

Ninja-Pilot kann jeder bis zu 1,90 Metern werden, der Arbeitsplatz sitzt, passt und wackelt. Für Kawa-Fans in zweiter Reihe gilt das jedoch nicht.
3 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:

Zugreifen! Die Leistung von 33 PS ist dank nicht zu niedrigen Gewichts voll stufenführerscheintauglich. Günstiger und einfacher geht es kaum.
5 von 5 Sternen

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