Im Test: Kawasaki Versys Kawasaki Versys

Wer prescht so flink durchs Kurvenlabyrinth? Die Versys ist's, das forsche Kind. Ist die frisch überarbeitete Version noch besser?

Wahre Schönheit kommt von innen. Bislang haben jedoch nicht so viele Bike-Fans genau genug ingesehen, ein Verkaufserfolg war die Versys bisher nicht. Schade, denn wer sich nicht vom eigenwilligen Design abschrecken lässt, stellt fest, dass die Kawa ein alltagstauglicher, bequemer Spaßmacher ist. Die überarbeitete Version bietet dem Fahrer einen besser gepolsterten Sitzplatz, auf dem er entspannt und locker hinterm breiten Lenker thront und eine ebenso aktive wie bequeme Sitzhaltung genießt. Ja, die Versys taugt sogar zum Reisen. Dazu trägt auch die nun höhere, dreifach verstellbare Scheibe bei, welche besser vor Fahrtwind schützt. So lassen sich die langen Nonstop-Etappen, die der 19-Liter-Tank dank des geringen Spritverbrauchs ermöglicht, lässig abspulen.

Eventuell störende Vibrationen hat Kawasaki abgestellt - Motor und Fußrasten sind nun sehr effizient in Gummi gelagert. Auch dem Beifahrer wird jetzt mehr Komfort geboten, sein Plätzchen fällt üppiger aus, die neu gestalteten Haltegriffe sind angenehmer geformt. Die auffälligste Änderung, der neu gestaltete Scheinwerfer, leuchtet die Fahrbahn hell und breit streuend tadellos aus. Geblieben sind die enorme Handlichkeit der leichten 650er, die astreine Präzision und die tolle Rückmeldung vom Vorderrad. Die sensible Gabel schluckt feine wie grobe Stöße gut weg, das Federbein hinten kann vor allem im Soziusbetrieb kaum überzeugen. Der Motor hingegen schon. Auch wenn er mit 64 ganze acht PS weniger leistet als in der beliebten Schwester ER-6n. Auf die Höchstleistung kommt es nicht an, in der Versys-Abstimmung drückt der Twin bis etwa 7000/min spürbar besser, darüber legt er nicht mehr viel zu. Manchmal ist weniger eben mehr. Nur nicht beim Preis, da langt die Versys leider ungeniert zu. Ob das der Grund für ihre bislang mäßige Verbreitung ist?


Kurzurteil:
Positiv

  • Durchzugskräftiger Twin
  • Geringer Verbrauch
  • Kultivierter Zweizylinder mit breitem Drehzahlband
  • Tolle Ergonomie
  • Handlich, gute Rückmeldung
  • Hochwertige Verarbeitung


Negativ

  • Vergleichsweise hoher Preis
  • Hohe Leerlaufdrehzahl nach Kaltstart
  • Etwas grob regelndes ABS
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Technische Daten

Die Daten:
Motor   Zweizylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum   649 cm³
Kraftübertragung   Sechsganggetriebe/Kette
Leistung   47 kW (64 PS) bei 8000/min
Max. Drehmoment   61 Nm bei 6800/min
Bremse vorn   Doppelscheibe (Ø 300 mm)
Bremse hinten   Scheibe (Ø 220 mm)
Reifen   vorn 120/70 ZR 17
Reifen   hinten 160/60 ZR 17
Federweg   vorn/hinten 150/145 mm
Tankinhalt   19 Liter, Normal
Farben   Gelb, Schwarz
Wartungsintervalle   6000 km
Preis   7995 Euro plus Nebenkosten

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe)   185 km/h
Beschleunigung   0−100 km/h 4,1 sek
Durchzug   60−140 km/h 9,7 sek
Gewicht vollgetankt   211 kg
Zuladung   178 kg
Verbrauch Landstraße   4,5 l/100 km

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Fazit

In der Stadt:
Mit dem breiten Lenker lässt sich die leichte Versys locker und lässig durchs Geschehen zirkeln. Die aufrechte Sitzhaltung sorgt dabei für gute Übersicht, der sanft und jederzeit kraftvoll zupackende Motor erlaubt mühelos freche Ampelsprints. Die Spiegel bieten ordentliche Sicht nach hinten.

Auf der Landstraße:
Hier erweist sich auch die neue Versys als quirliger Kurvenfeger, der mit toller Handlichkeit, hoher Präzision und tadelloser Stabilität glänzt. Der Motor schiebt bereits bei niedrigen Drehzahlen satt an, die Bremse lässt späte, scharfe Bremsungen zu, das ABS regelt im Bedarfsfall jedoch etwas grob.

Auf der Autobahn:
Die neue, jetzt höhere, dreifach manuell verstellbare Scheibe schützt besser vor Fahrtwind, die üppiger gepolsterte Sitzbank sorgt auch auf langen Etappen für ordentliche Bequemlichkeit. Neue Gummilager für Motor und Fußrasten halten Vibrationen besser fern - neben Rasen macht so auch Reisen Laune.



Abschluss-Zeugnis:
Motor:

Prächtig, dieser kultivierte, sanft auf Gasbefehle reagierende Twin, der schon ab 2000/min kräftig zupackt. Lästig: die hohe Kaltlauf-Drehzahl.
5 von 5 Sternen

Fahrwerk:

In Sachen Handlichkeit, Stabilität und Rückmeldung liegt die Versys ganz vorn. Bei Fahrten mit Sozius kommt das Federbein an seine Grenzen.
4 von 5 Sternen

Bremsen:

Wirkung und Dosierbarkeit lassen kaum Wünsche offen, wenngleich es Anlagen mit mehr Biss gibt. Das ABS dürfte jedoch etwas sensibler regeln.
4 von 5 Sternen

Ausstattung:

Die Handhebel sind in der Griffweite, die Scheibe ist in der Höhe einstellbar. Der neue Scheinwerfer der gut verarbeiteten Versys spendet gutes Licht.
4 von 5 Sternen

Komfort:

Auf der neuen, gut gepolsterten Bank sitzt der Fahrer angenehm in aufrecht-entspannter Haltung. Die Federelemente arbeiten im Solobetrieb prima.
4 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:

Wer groß genug ist, im Sattel der Versys sicher den Boden zu erreichen, wird mit der leicht und narrensicher zu fahrenden 650er viel Spaß haben.
4 von 5 Sternen

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