Im Test: Kawasaki W 800 Retro-Optik der Kawasaki W 800

Anmutig, stilsicher und so lässig wie eine Ikone aus den 60ern erfüllt die funkelnagelneue Kawasaki W 800 Sehnsüchte.

Fotos: Gargolov

Eine atempause kann man in der Yogastunde suchen - oder sich dafür auf die neue W 800 aus dem Hause Kawasaki schwingen. Die Schönheit aus dem Land der Morgenröte entspannt den Fahrer mit puristischen Fahreindrücken. Lässig sitzt er auf der quergesteppten Sitzbank, die Beine dicht an den Tank gedrückt. Gewandt dirigiert er die W 800 so durch jede Kehre, dabei flüstert und brummt der Zweizylinder beruhigend. Mehr als 48 PS braucht er nicht, um die Asphaltbänder zur Entspannungstour zu machen. ABS und elektronisches Spielzeug vermisst man bei dem Retrobike deswegen auch nicht.

Der gediegene Charakter spiegelt sich in der chromlastigen 60er-Jahre-Optik wider. Kennzeichnend dafür ist die klassische Königswelle, Kühlrippen, Drahtspeichenräder und ein Lenker in Idealbreite. Das satte Dunkelgrün des Zweifarblacks verkörpert in Kombination mit den glänzenden Chromteilen englische Eleganz und Ehrlichkeit: Was an der W 800 nach Metall aussieht, ist auch welches. Jeder Kilometer auf dieser Maschine würdigt bodenständige Technik und den Sinn für Ästhetik. Da stören auch die leichten Vibrationen über 4000/min den guten Gesamteindruck des Zweizylinders nicht, dieser will nämlich lieber tieftourig gefahren werden. Die Vorderradbremse verzögert ohnehin recht zögerlich aus hohen Geschwindigkeiten, die Trommelbremse hinten ist eine willkommene Hilfe. Mit blanken Zahlen kann man nicht über die W 800 urteilen, in der Summe zählt die Emotion. Und selbst wenn die W 800 keine echte Engländerin ist, so gilt auch für sie die Maxime "Lieber gut nachgeahmt als schlecht selbst gemacht."

 

Kurzurteil

 

Positiv

  • Entspannte Sitzhaltung
  • Elastischer Motor
  • Kinderleichtes Handling
  • Sparsam
  • Tolle Retro-Optik
  • Gutmütig

 

Negativ

  • Kein Leistungswunder
  • Bremshebel erfordert viel Kraft
  • Leicht unterdämpfte Federbeine
  • Kein ABS
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Foto: Hersteller

Fahrverhalten / Bewertung

Fahrverhalten

 

In der Stadt
Damen kontrollieren ihren Lippenstift im funkelnden Schalldämpfer der Kawa, Motorradfans lauschen dem säuselnden Sound, und Technik-Gourmets erfreuen sich an der Königswelle. Die Optik besticht besonders in der Stadt, doch auch das Handling und die Sicht, wegen der aufrechten Position, sind top.

Auf der Landstraße

Bei genussvollen Spritztouren ist die W 800 immer gut aufgelegt und dabei mit einem Verbrauch von 4,4 Litern auf 100 Kilometer ein genügsamer Gefährte. Für sehr sportlich orientierte Fahrer ist die W 800 ungeeignet, dafür reisen Entspannung suchende Biker auf der W 800 stilecht wie vor 50 Jahren.

Auf der Autobahn

Mit 48 PS und 60 Newtonmetern Drehmoment schwimmt man im Fernstraßenverkehr zwar gut mit, jedoch darf man keine Geschwindigkeitsrekorde auf der linken Spur anstreben. Eine entspannte Grundhaltung ist auf der Autobahn besonders wichtig; viele andere sind schlicht schneller unterwegs.

Bewertung

 

Motor
773 cm³, 48 PS - der elastische Motor reißt sich, was die Leistung angeht, kein Bein aus. Lieber tieftourig fahren, denn ab 4000/min vibriert es lästig.

Fahrwerk
Spielerisch lässt sich die 217 Kilogramm leichte Maschine dirigieren. Das schafft Vertrauen. Die Federelemente sind weich und unterdämpft.

Bremsen
Die Scheibenbremse vorn verzögert bestenfalls befriedigend, der Zug am Bremshebel kostet viel Kraft. Die Trommel hinten arbeitet manierlich.

Ausstattung

Bis hin zu Details wie Gepäckhaken und Faltenbälgen pflegt die W 800 die klassische Linie. Kleinere Patzer gibt es bei der insgesamt guten Verarbeitung.

Komfort
Die leicht gestufte, gerippte Sitzbank ist im vorderen Bereich schmal geschnitten und erlaubt so gute Kontrolle. Gegen Wind gibt es keinen Schutz.

Einsteigertauglichkeit

Dank moderater Sitzhöhe und breitem Lenker vertrauen Einsteiger der W 800 auf Anhieb. Die Leistung ist überschaubar, das Handling leichtfüßig.

Foto: Gargolov

Technische Daten / Konkurrenz

Technische Daten*

Motor: Zweizylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum: 773 cm³
Kraftübertragung: Fünfganggetriebe/Kette
Leistung: 35 kW (48 PS) bei 6500/min
Max. Drehmoment: 60 Nm bei 2500/min
Bremse vorn: Scheibe (Ø 300 mm)
Bremse hinten: Trommel (Ø 160 mm)
Reifen vorn: 100/90-19
Reifen hinten: 130/80-18
Federweg vorn/hinten: 130/106 mm
Radstand: 1465 mm
Sitzhöhe: 800 mm
Tankinhalt: 14 Liter
Farben: Dunkelgrün-Metallic
Wartungsintervall: 6000 km
Preis: 8190 Euro ohne Nebenkosten

Messwerte

Höchstgeschwindigkeit*: 170 km/h
Beschleunigung: 0−100 km/h 6,1 sek
Durchzug: 60−140 km/h 16,4 sek
Gewicht vollgetankt: 217 kg
Zuladung: 183 kg
Verbrauch Landstraße: 4,4 l/100 km

*Werksangabe

Die Konkurrenz

 

Harley-Davidson Sportster 883
Die Sportster 883 ist die amerikanische Variante eines lässigen Retrobikes und nebenbei die günstigste Baureihe von Harley-Davidson. Preis: 8295 Euro

Moto Guzzi V7 Classic
Die schöne Guzzi mit V2 ist gemütlich und begeistert durch sanfte Leistungsentfaltung und ein handliches, dabei stabiles Fahrwerk. Preis: 8135 Euro

Triumph Bonneville
Sie stellt für viele den britischen Klassiker-Traum schlechthin dar. 76 PS leistet der pragmatische Zweizylinder mit dem klangvollen Namen. Preis: 8090 Euro

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