Im Test: KTM 125 Duke Kein Spielzeug!

Mit dieser Maßgabe entwickelte KTM die 125 Duke: ein erwachsenes Motorrad mit einem Achtelliter Hubraum. Hier die Erfolgskontrolle.

Foto: Hersteller

Dynamik, Erlebsniswert und Fahrspaß sind traditionelle Triebfedern der Motorradentwicklung bei KTM. Maximale Alltagstauglichkeit und sänftengleicher Komfort spielen eher selten eine Rolle - und wenn, dann zufällig. Diese Ausrichtung fand sich bisher besonders in der 690 Duke wieder, gipfelte in der 990 Super Duke, und hält nun auch Einzug bei den Straßen-125ern. Ein gleichermaßen stylisches und quirliges Naked Bike ist herausgekommen, dem man auf den ersten Blick sogar den doppelten Hubraum oder noch mehr zutraut. Das Standgas-Bollern des Einzylinders macht es deutlich: Zurückhaltung überlässt KTM anderen; die kleine Duke reizt die Beschränkungen der Leichtkraftrad-Klasse - also 125 cm³ und 15 PS - bis ans Limit aus und ergänzt sie mit den Genen ihrer Familie.

In ihrem Sattel wird selbst der biederste Biedermann mutig: An der Ampelschlange brav anstellen? Von wegen! Elegant zirkelt die schlanke Österreicherin in die erste Startreihe, pusht in der Rot/Gelb-Phase die Drehzahl auf 7000/min und schnalzt auf Kommando "Grün" von dannen. Zwei obenliegende Nockenwellen und vier Ventile, also quasi der letzte Stand der Motorenentwicklung, scheuchen den kurzhubigen Motor leicht in den fünfstelligen Drehzahlbereich. Noch mehr Spaß macht die KTM natürlich auf ampelfreien Kurvenstrecken: Wenig Gewicht, nicht zu breite Reifen, ein knackiges Fahrwerk und eine kräftige Bremse bereichern das Vergnügen. Auch auf ihre große, umfassend ausgestattete Digitalanzeige inklusive Schaltblitz ist die kleine Duke zu Recht stolz; sogar eine Ganganzeige haben die Entwickler spendiert. Nicht, dass man das alles für den puren Fahrspaß unbedingt bräuchte, aber es ist eine nette Spielerei für die langweiligen Momente an der Ampel. Nur nicht die Rot/Gelb-Phase verschlafen!

Kurzurteil

Positiv

  • Spritziger, drehfreudiger und sparsamer Motor
  • Design dynamisch und erwachsen
  • Kräftige und gut dosierbare Bremsen
  • Umfassendes, vielfältiges Zubehörangebot


Negativ

  • Unschöner Serienauspuff
  • Schaltung leicht hakelig
  • Scheinwerfer recht schwach
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Foto: Archiv

Fahrverhalten / Bewertung

Fahrverhalten

In der Stadt

Leicht, schlank und quirlig - außerdem schick und extrovertiert. Die 125 Duke wird die Herzen der Stadtfahrer leicht erobern. Die Rundumsicht ist grandios, die entspannte Fahrhaltung erleichtert den Schulterblick immens. Selbst gern vernachlässigte Details wie die Rückspiegel sind ordentlich.

Auf der Landstraße
Das zweite Zuhause des kleinen Naked Bikes, hier lebt die Duke richtig auf. Je kurviger das Asphaltband, umso leichter kann sie stärkeren Motorrädern das Wasser reichen - vorausgesetzt, der Fahrer traut sich, die Bögen mit Schwung zu nehmen. Bei allem Respekt vor dem Motor: Er hat eben nur 125 cm³ und 15 PS.

Auf der Autobahn

Hier ist Demut gefragt. Wer sich eng faltet, sieht vielleicht 110 km/h auf dem Tacho stehen. Damit spielt die KTM hart an der Grenze zur rollenen Schikane und wird auf der Überholspur die eine oder andere Lichthupe zu sehen kriegen. Schön, dass die Duke in Deutschland Autobahn fahren darf, aber nicht muss.

Bewertung

Motor

Erwachsener Sound, guter Antritt und immense Drehfreude zeichnen den 125er aus; wenig Sprit braucht er außerdem - Hut ab vor den Ingenieuren.

Fahrwerk
Grundsätzlich straff abgestimmt, jedoch unter Belastung leicht unterdämpft. Die Gabel geht vor der
starken Bremse ziemlich in die Knie.

Bremsen

Kein ABS - das ist der einzige Vorwurf. Hat aber auch sonst kaum eine 125er. Der Rest ist bestens dosierbar und hat die KTM jederzeit gut im Griff.

Ausstattung
Ein Kleincomputer als Cockpit, gute Verarbeitung und praktische Details; für ein 125er-Naked sehr ansehnlich. Werks-Zubehör gibt es reichlich.

Komfort
Die Ergonomie regelt den Komfort; sonst gibt es wenig zu bemerken - und wenig zu meckern. Leichter Windschutz dank Lampenspoiler.

Einsteigertauglichkeit

Vollständig. Die KTM 125 Duke ist einer der herausragenden "Wer-damit-nicht-zurechtkommt-sollte-gar-kein-Motorrad-fahren-Kandidaten.

Foto: fact

Technische Daten / Konkurrenz

Technische Daten*

Motor:
Einzylinder-Viertakt
Hubraum: 124,7 cm³
Kraftübertragung: Sechsganggetriebe/Kette
Leistung: 11,3 kW (15 PS) bei 10 500/min
Max. Drehmoment: 12 Nm bei 8000/min
Bremse vorn: Scheibe (Ø 280 mm)
Bremse hinten: Scheibe (Ø 230 mm)
Reifen vorn: 110/70 ZR 17
Reifen hinten: 150/60 ZR 17
Federweg vorn/hinten: 160/160 mm
Radstand: 1350 mm
Sitzhöhe: 810 mm
Tankinhalt: 11 Liter
Farben: Orange/Schwarz, Türkis/Schwarz
Wartungsintervall: 5000 km
Preis: 3995 Euro plus Nebenkosten

Messwerte

Höchstgeschwindigkeit*:
115 km/h
Beschleunigung: 0−100 km/h 17,9 sek
Durchzug: 50−100 km/h 25,6 sek
Gewicht: vollgetankt 137 kg
Zuladung: 145 kg
Verbrauch: 2,7 l/100 km (Landstraße)

 

*Werksangabe

Die Konkurrenz

Honda CBR 125 R

Der frisch renovierte Sportler tritt ebenfalls sehr erwachsen auf. Sein Design erinnert an die großen Schwestern Fireblade und VFR. Preis: 3390 Euro

Husqvarna SMS 4
Die kleine, moderne Supermoto mit hervorragendem Fahrwerk, sparsamem Motor und wenig Schickschnack spricht Puristen an. Preis: 3990 Euro

Yamaha YZF-R 125
Seit 2008 begeistert der Rassesportler die 125er-Fraktion. Auch sein Einzylindermotor leistet volle 15 PS - eben so viel, wie erlaubt ist. Preis: 3995 Euro

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