Im Test: Großroller von Suzuki Suzuki Burgman 650 Executive

Der Burgman ist mit seinen 56 PS aus 638 cm³ ein echter Rocker, mit 279 Kilogramm sogar echtes Schwermetall. Wie gut rockt der Roller?

Foto: Jahn

Ein 650er mit 56 PS? Noch vor einigen Jahren unvorstellbare Werte. Für einen Roller. Bei seinem Erscheinen 2002 setzte der Burgman 650 neue Maßstäbe, heute haben ihm andere in punkto Hubraum und Leistung den Rang abgelaufen. Egal, seine Stärken liegen ohnehin woanders. Sein kraftvoller, kultivierter Zweizylinder sorgt in erster Linie für souveränen Schub beim bequemen Touren, weniger für Rekordfahrleistungen. Er läuft 160 km/h - das reicht. Aber er fährt nicht topstabil, sondern er pendelt leicht. Als Reisetempo bieten sich bequeme 130 km/h an. Stressfrei, und vor allem frei von Winddruck. Die elektrisch verstellbare Scheibe schützt nahezu optimal, auf der üppigen Sitzbank finden auch zwei großgewachsene Personen bequeme Plätze vor. Im Automatik-Modus sanft dahin rollern - lässiger geht's kaum. Auch wenn die etwas bockige Federung manche Stöße weiterreicht und den Burgman auf holprigen Kurvenpisten ins Taumeln bringt.

Auf manierlichem Belag kann man mit dem Burgman jedoch eine Menge Spaß haben: Trotz seiner stolzen 279 Kilogramm gibt er sich recht handlich und bei gewähltem manuellem Schaltmodus (sechs Stufen, Gangwahl per Knopfdruck) kommt auf Kurvenstrecken sogar so etwas wie sportlicher Fahrspaß auf. Auch die wirksamen, gut dosierbaren Bremsen mit dem souverän regelnden ABS machen dieses Spielchen mit. Die Bestimmung des 650ers aber liegt im luxuriösen Touren, das zeigt schon die üppige Serienausstattung, zu der Griff- und Sitzheizung, zahlreiche Stau- und Ablagefächer, Lendenstütze und Rückenlehne, Bordsteckdose und einiges mehr gehören. Cooler Gimmick: Per Knopfdruck lassen sich die Spiegel einklappen. Albern? Vielleicht. Aber ein echter Rock 'n' Roller weiß eben, was zu einer ganz großen Show gehört.

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Kurzurteil

Positiv

  • Kräftiger Motor, gute Fahrleistungen
  • Üppige Serienausstattung
  • Wahlweise Automatik oder Schalten per Knopfdruck
  • Viel Stauraum und Ablagen
  • Fürs hohe Gewicht relativ handlich


Negativ

  • Neigt bei hohem Tempo zum Pendeln
  • Früh überforderte Federung
  • Hoher Preis
  • Geringe Zuladung
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Foto: Archiv

Technische Daten

Die Daten (Werksangaben):
Motor Zweizylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum 638 cm³
Kraftübertragung Fliehkraftkuppl./Zahnräder
Leistung 41 kW (56 PS) bei 7000/min
Max. Drehmoment 62 Nm bei 5000/min
Bremse vorn Doppelscheibe (Ø 260 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 250 mm)
Reifen vorn 120/70 HR 15
Reifen hinten 160/60 HR 14
Federweg vorn/hinten 110/100mm
Tankinhalt 15 Liter, Normal
Farben Silber, Weiß
Wartungsintervalle 6000 km
Preis 9890 Euro (plus Nebenkosten)

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit (Werksangaben) 160 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 6,5 sek
Durchzug 60−100 km/h 4,4 sek
Gewicht vollgetankt 279 kg
Zuladung 176 kg
Verbrauch Landstraße 5,4 l/100 k

Foto: Archiv

Abschluss-Zeugnis

Fazit:

In der Stadt:
Die Automatik erleichtert den innerstädtischen Stop-and-go-Verkehr, die niedrige Sitzhöhe verhilft auch kleineren Fahrern zu sicherem Stand. Doch der lange, schwere Burgman ist weder wendig noch leicht zu rangieren. Die Einkäufe lassen sich locker in den zahlreichen Stauräumen unterbringen.

Auf der Landstraße:
Für sein Gewicht ist der 650er erstaunlich handlich, doch kommt das Fahrwerk auf holprigen Strecken schnell an seine Grenzen. Vor allem handgeschaltet ist man auf kurvigen Strecken mit dem Burgman überraschend flott und dank ausgereiftem ABS auch sicher unterwegs. Ganz enge Kehren sind nicht sein Ding.

Auf der Autobahn:
Die elektrisch verstellbare Scheibe bietet guten Wind-, die Verkleidung guten Wetterschutz. Bequeme Sitzbank und ordentliche Beinfreiheit machen das Reisen angenehm. Bei hohem Tempo neigt der Burgman jedoch zum Pendeln, dafür bleibt der Verbrauch selbst bei Dauervollgas stets im Rahmen.

Abschluss-Zeugnis:

Motor

Der kultivierte Zweizylinder hängt gut am Gas, sein Spritverbrauch bleibt maßvoll und die Wahl zwischen Automatik- und Schaltmodus macht Spaß.
(4 von 5 Sternen)

Fahrwerk
Auf holprigen Strecken gerät der etwas bockig gefederte Burgman ins Taumeln, bei Vollgas pendelt er. Dafür ist das Handling ordentlich.
(3 von 5 Sternen)

Bremsen
Wirkung und Dosierbarkeit der Stopper sind ordentlich, sie haben den schweren 650er stets im Griff. Das ABS regelt souverän.
(4 von 5 Sternen)

Ausstattung
Kaum zu toppen: ABS, Bordsteckdose, Griff- und Sitzheizung, elektrisch verstellbare Scheibe, Wegfahrsperre - noch Fragen?
(5 von 5 Sternen)

Komfort
Fahrer und Beifahrer finden großzügige und bequeme Sitzplätze vor. Wind- und Wetterschutz sind gut, der Federungskomfort ist jedoch eher mäßig.
(4 von 5 Sternen)

Einsteigertauglichkeit
Er ist zwar niedrig, fährt sanft und unkompliziert, dürfte aber mit seiner Größe und dem Gewicht so manchen Einsteiger überfordern.
(2 von 5 Sternen)

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