Im Test: Suzuki Suzuki GSX 650 F

Unter der Vollverkleidungs-Maske der GSX steckt die Technik der Bandit. Ist sie nun ein frecher Landstraßen-Räuber oder braver Touring-Gendarm?

Foto: jkuenstle.de
Alles nur geklaut? Technisch gesehen ist die GSX 650 F eine Bandit mit Vollverkleidung und hübscherem Cockpit, dafür ohne Hauptständer und mit schnöder Stahl- statt Edelstahl-Krümmeran-lage. Die Unterschiede sind also eher bei der Ausstattung zu suchen, was sich auch in einer einteiligen Sitzbank niederschlägt, die sich nicht in der Höhe verstellen lässt und dem Fahrer noch anständigen, dem Beifahrer nur durchschnittlichen Sitzkomfort bietet. Lobenswert fällt hingegen der Wind- und Wetterschutz der Vollverkleidung aus. Ihr Windschild nervt nicht mit Dröhnen oder Turbulenzen, hohes Autobahn-Tempo macht mit der GSX deutlich mehr Spaß, zumal sie die bessere Geradeauslaufstabilität vorweisen kann. Aussehen und geringeres Gewicht, das mit 245 Kilogramm allerdings immer noch recht hoch ausfällt, legen eine sportliche Orientierung nahe, die hohe Zuladung lässt sie jedoch auch für die Reise zu zweit mit Gepäck geeignet erscheinen. In jedem Fall störend bleibt die auffällig harte Abstimmung des unsensibel arbeitenden Fahrwerks. In Sachen Bremsen kann man der GSX seit Einführung des serienmäßigen ABS kaum etwas vorwerfen. Bremswirkung und Regelverhalten gehen in Ordnung. Der kräftige, kultiviert laufende Motor schiebt satt an, das hohe Gewicht vereitelt noch bessere Fahrleistungen und geringeren Verbrauch. Beides kann manche Konkurrentin besser. Aber nicht zum unschlagbar günstigen Preis des gelungenen Suzuki-Sporttourers.
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Kurzurteil

Positiv:

  • Kultivierter Vierzylinder
  • Kräftiger, drehfreudiger Motor
  • Gut schützende Verkleidung
  • Hohe Zuladung
  • Ordentliche ABS-Bremsen
  • Günstiger Preis

 

Negativ:

  • Recht unsensible Federelemente
  • Relativ hohes Gewicht
  • Sitzposition auf Dauer etwas unbequem
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Foto: Archiv

Technische Daten

Die Daten (Werksangaben):
Motor   Vierzylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum   656 cm³
Kraftübertragung   Sechsganggetriebe/Kette
Leistung   63 kW (86 PS) bei 10500/min
Max. Drehmoment   62 Nm bei 8900/min
Bremse vorn   Doppelscheibe (Ø 310 mm)
Bremse hinten   Scheibe (Ø 240 mm)
Reifen vorn   120/70 ZR 17
Reifen hinten   160/60 ZR 17
Federweg vorn/hinten   130/128 mm
Tankinhalt   19 Liter, Super
Farben   Blau/Weiß, Schwarz, Schwarz/Weiß
Wartungsintervalle   6000 km
Preis   6 990 Euro (plus Nebenkosten)

Die Messwerte:

Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe)   205 km/h
Beschleunigung   0−100 km/h 4,2 sek
Durchzug   60−140 km/h 10,6 sek
Gewicht vollgetankt   245 kg
Zuladung   210 kg
Verbrauch Landstraße   4,6 l/100 km
Foto: Archiv

Abschluss-Zeugnis

Fazit:

In der Stadt:
Die Stärken der GSX kommen in der Stadt nicht wirklich zum Tragen. Hier stören eher das hohe Gewicht von immerhin 245 Kilogramm, vor allem beim Rangieren, sowie der fehlende Hauptständer, der beim Parken doch öfter mal hilfreich wäre. Motor und Getriebe arbeiten angenehm sanft und unauffällig.

Auf der Landstraße:
Die GSX ist recht straff abgestimmt, die unsensiblen Federelemente rumpeln schon mal derb über geflickte Nebenstraßen. Ansonsten gefällt die Suzuki mit präzisem, neutralem Fahrverhalten, nicht superber, jedoch ausreichender Handlichkeit und souverän anschiebendem, laufruhigem Vierzylinder.

Auf der Autobahn:
Auch wenn die schnittige Vollverkleidung nach mehr aussieht: Bei 205 km/h ist Schluss. Selbst bei Höchstgeschwindigkeit fährt die GSX topstabil geradeaus, schützt den Fahrer jederzeit gut vor Wind und Wetter und bietet mit ihrem 19-Liter-Tank eine brauchbare Reichweite von meist um die 400 Kilometer. Abschluss-Zeugnis:

Motor:
Ein echter Musterknabe: Der Vier-zylinder läuft kultiviert, ist kräftig und drehfreudig und überzeugt mit angemessenem Spritverbrauch.
(5 von 5 Sternen)

Fahrwerk:
Etwas straff und unsensibel, dafür absolut präzise und stabil, stets berechenbar und gutmütig. Tophandlich ist die GSX allerdings nicht.
(4 von 5 Sternen)

Bremsen:
Die wirksame, gut dosierbare Bremse glänzt mit ordentlich regelndem ABS - mehr braucht ein Mittelklasse-Sporttourer eigentlich nicht.
(4 von 5 Sternen)

Ausstattung:
Hier und dort wurde etwas gespart (Hauptständer, Krümmeranlage), dafür gibt es unter anderem ein informatives Cockpit und gutes Licht.
(3 von 5 Sternen)

Komfort:
Sportlich-straff, etwas unsensibel - das Fahrwerk bietet wenig Komfort, die Sitzposition ist für lange Touren ebenfalls nicht ideal.
(3 von 5 Sternen)

Einsteigertauglichkeit:
Ein unkompliziertes Bike mit gutmütigem Fahrverhalten. Durchaus empfehlenswert, mit 245 Kilogramm jedoch ziemlich schwer.
(3 von 5 Sternen)

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