Im Test Triumph Daytona 1200

Einst versuchte Triumph mit starken Vier- statt Dreizylindern die Sportlerszene zu beherrschen. Muss man der Daytona 1200 nachtrauern?

Foto: Hartmann

Der Grand mit Vieren ist das wertvollste Spiel beim Skat. Bei Triumph hat sich der große Vierer nicht durchgesetzt - heute beherrschen Dreizylinder die Modellpalette. Zumindest an Kraft hat es dem Vierer nicht gemangelt, in der offenen Version leistet der 1200er-Daytona-Motor immerhin 147 PS. Wobei die auf 98 PS gedrosselte Variante kaum schlechter von null auf hundert beschleunigt und sogar die besseren Durchzugswerte liefert. Am kultivierten Motor gibt es also kaum etwas auszusetzen, wenn man den heftigen Spritverbrauch in Kauf nimmt. Anfängliche Probleme der Vierzylinder-Motoren mit defekten Steuerkettenspannern hatte Triumph bald abgestellt, doch der Ruf blieb dadurch nachhaltig angeknackst. Schade, denn was die sportliche Britin in Sachen Fahrwerk und Bremsen zu bieten hat, kann sich sehen lassen. Gut einstellbare Federelemente, die selbst holprige Pisten recht ordentlich wegbügeln, und Stopper von Nissin, die mit kräftigem Biss und feiner Dosierbarkeit auch bei sportlichem Treiben nicht in die Knie gehen. Zu ebensolcher Fahrweise lädt die langgestreckte, über den langen Tank gebeugte Sitzhaltung eher ein, als zum ausgedehnten Touren. Mit dem stattlichen Gewicht von 270 Kilogramm kann die Triumph keine Wunder in puncto Handlichkeit vollbringen, doch auf zügig gefahrenen Landstraßen und selbst auf der Rennstrecke macht sie eine gute Figur.

Die Mitnahme eines Passagiers verbietet sich dabei von selbst, dieser müsste schon sehr leidensfähig sein. Auch Nachtfahrten sollte man eher meiden, denn der Doppelscheinwerfer spendet nur dürftiges Licht. Als lobenswert darf nach wie vor die Verarbeitungsqualität der Britin gelten, was den Besitzer besonders freut, weil die recht seltene Daytona zunehmend Liebhaberstatus erlangt. So triumphiert der Vierer am Ende doch noch ein bisschen.


Kurzurteil:
Positiv

  • Stark und schnell
  • Laufruhiger Vierzylinder
  • Hochwertiges Fahrwerk
  • Gute Verarbeitung
  • Knackige Bremsen
  • Exklusiver Auftritt


Negativ

  • Hohes Gewicht
  • Eher hoher Verbrauch
  • Nicht besonders handlich
  • Angeknackster Ruf
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Technische Daten

Die Daten:
Motor   Vierzylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum   1180 cm³
Kraftübertragung   Sechsganggetriebe/Kette
Leistung   72 kW (98 PS) bei 9000/min
Max. Drehmoment   95 Nm bei 5500/min
Bremse vorn   Doppelscheibe (Ø 310 mm)
Bremse hinten   Scheibe (Ø 255 mm)
Reifen vorn   120/70 ZR 17
Reifen hinten   180/55 ZR 17
Federweg vorn/hinten   150/120 mm
Tankinhalt   25 Liter, Super
Farben   Blau, Gelb, Rot
Wartungsintervalle   5000 km
Preis   11 530 Euro (Neupreis 1994)

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit   217 km/h
Beschleunigung   0−100 km/h 3,8 sek
Durchzug   60−140 km/h 9,4 sek
Gewicht vollgetankt   270 kg
Zuladung   181 kg
Verbrauch Landstraße   6,9 l/100 k

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Fazit

In der Stadt:
Über den langen Tank gestreckt nimmt der Fahrer eine eindeutig sportliche Sitzhaltung auf der Daytona ein. Aus diesem Grund und wegen des hohen Gewichts gebärdet sich die Britin im dichten Verkehr nicht besonders handlich. Auch Rangieren beim Parken artet leicht in einen Kraftakt aus.

Auf der Landstraße:
Macht das hochwertige, einstellbare Fahrwerk noch vieles mit, verlangen die sportliche Sitzhaltung und die wegen des hohen Gewichts mäßige Handlichkeit nach Kurven mit großen Radien. Diese durcheilt die 1200er jedoch stabil und mit toller Präzision. Auf die bissigen Bremsen ist auch bei scharfer Fahrweise Verlass.

Auf der Autobahn:
Wer mit der auf Dauer anstrengenden Sitzhaltung und der nur mäßig schützenden Verkleidung leben kann, darf sich auf zügige Etappen freuen. Bei flottem Tempo saugt der Vierzylinder den großen 25-Liter-Tank jedoch ziemlich schnell leer. Verbräuche von über acht Litern/100 Kilometer sind dann keine Ausnahme.


Abschluss-Zeugnis:
Motor:

Tolle Laufruhe und bullige Charakteristik zeichnen den Vierzylinder aus. Allerdings geht die Daytona nicht gerade sparsam mit dem Sprit um.
4 von 5 Sternen

Fahrwerk:

An der guten Grundabstimmung und der vielfältigen Einstellbarkeit gibt es nichts zu mäkeln, doch wirklich handlich ist die schwere Britin nicht.
4 von 5 Sternen

Bremsen:

Die bissigen, gut dosierbaren japanischen Nissin-Bremsen machen ihre Sache sehr gut. ABS war damals bei Triumph noch kein Thema.
4 von 5 Sternen

Ausstattung:

Solide Verarbeitung und hochwertiges Fahrwerk verdienen Lob. Das funzelige Licht und die zu kurzen Spiegelausleger trüben den Gesamteindruck etwas.
3 von 5 Sternen

Komfort:

Zwar gibt sich das Fahrwerk durchaus schluckfreudig und nicht ultrahart, die langgestreckt-geduckte Sitzhaltung fällt allerdings anstrengend aus.
2 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:

Die schwere Sportlerin will bei den Hörnern gepackt werden und schiebt mit 98 oder gar 147 PS mächtig an. Für Unerfahrene nicht zu empfehlen.
0 von 5 Sternen

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