Im Test: Triumph Speed Triple Die neue Triumph Speed Triple

Das Eckige ersetzt das Runde: niedlich geht, aggressiv kommt. Was die renovierte Streetfighter-Dame sonst noch kann, klärt unser ausführlicher 2Räder-Test.

Foto: fact

Nehmen wir das Fazit vorweg: Die neue Speed Triple ist besser als ihre Vorgängerin - und dabei unverkennbar Speed Triple geblieben. Ach, Sie stören sich an den neuen Scheinwerfen, die "so gar nicht" zur Triumph passen? Dann hören Sie auf, nur zu gucken, und fahren den Bock doch einfach mal. Um dann zu erkennen, dass die Engländer gut daran getan haben, ihren Streetfighter von Grund auf zu überarbeiten.

Der Dreizylinder ist zum Glück noch immer so faszinierend wie beim alten Modell, geht aber im direkten Vergleich einen Hauch besser. Neue Airbox, dickere Krümmer und neues Mapping kitzeln 5 weitere PS und 8 zusätzliche Newtonmeter aus dem Triple. Sein Sound? Heiser fauchend wie eh und je. Gasannahme? Viel geschmeidiger. Druck? Und wie! Ab 3500/min konstant über 100 Nm, in 10,5 Sekunden auf 200 km/h - holladiewaldfee!

Messwerte schön und gut, interessant wird eine Speedy aber erst im Gefecht auf der Landstraße. Dort nämlich fühlt man weitere Ergebnisse der Renovierung. Überhandlich ist das Naked Bike zwar nach wie vor nicht, doch lenkt die Neue spürbar geschmeidiger und wunderbar neutral ein. Dafür sorgen zum einen die nun ausgeglichene Gewichtsverteilung des vormals hecklastigen Bikes, zum anderen die Modifikationen der Lenkgeometrie. Hoppelte die Vorgängerin zuweilen unwirsch über kleine Kanten und Wellen, gibt‘s diesbezüglich bei der Neuen nichts zu kritteln. Dank dafür gebührt der komplett geänderten Hebelei an der Hinterradfederung, die nun weniger progressiv arbeitet.

Bremsseitig bleibt das 2011er-Modell auf hohem Niveau, setzt sogar noch eins drauf: Das optionale ABS von Nissin regelt sehr fein, selbst bei maximaler Verzögerung bleibt das Hinterrad am Boden - das Ganze für 600 Euro Aufpreis. Eine derartige Totalerneuerung wie bei der Speed Triple glückt nicht immer. Die Briten sind indes zu loben: Well done.

 

Kurzurteil

Positiv

  • Scharfes Design
  • Cooler Sound
  • Motor mit ordentlich Druck und sanftem Ansprechverhalten
  • Präzises, neutrales Handling
  • Gut abgestimmtes Fahrwerk
  • Top ABS-Bremsen


Negativ

  • Fetter 190er-Hinterreifen
  • Ölkontrolle per Peilstab
  • Weder ernsthaft sozius- noch gepäcktauglich
  • Knochige Schaltung
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Foto: fact

Fahrverhalten / Endwertung

Fahrverhalten

In der Stadt

Enger Stadtverkehr bereitet der Speed Triple mit Sicherheit keine Probleme. Locker und aufrecht sitzend hat der Pilot hinter dem breiten Lenker den Verkehr bestens im Blick. Das ABS hilft, Auffahrunfälle zu vermeiden, und der geschmeidige Motor glänzt mit tadelloser Gasannahme. Sehr gut.

Auf der Landstraße
Heimspiel, Heimspiel! Auf die Brause und aus den Ecken feuern, dass die Schwarte kracht! Dank des stabilen Fahrwerks umrundet die Speedy Kurven wie auf Schienen. Die leicht angriffslustige Sitzposition in Kombination mit feurigem Antrieb und erstklassigen Bremsen verleitet zu wahren Höhenflügen.

Auf der Autobahn
Ja, die Triumph kann Autobahn. Bei der Höchstgeschwindigkeit von fast 250 km/h bekommen allerdings selbst abgebrühte Speedfreaks Muffensausen - der Orkan von Fahrtwind zeigt einem dann, wo der Hammer hängt. Beim Ärgern von Porsche und 7er-BMW nimmt man das jedoch kurzfristig gerne in Kauf.

Endwertung

Motor

Laufkultur, Leistungsentfaltung und dieser unnachahmlich Dreizylindersound sind schwer zu toppen. Selbst der Verbrauch geht in Ordnung.

Fahrwerk
Die Überarbeitung hat sich gelohnt: Einlenken, Kurve vernaschen und rausbeschleunigen - neutral, präzise und mit hoher Transparenz.

Bremsen
Auch England hat‘s geschnallt: Selbst böse Streetfighter mit Mörderbremsen dürfen ABS tragen. Die ganz Harten bestellen die Speedy eben ohne.

Ausstattung
Gekommen, um zu bleiben: Hochwertige Komponenten und saubere Verarbeitung. Das neue Cockpit bietet mehr Funktionen als beim alten Modell.

Komfort

Selbst der Flyscreen aus dem Zubehör bietet keinen ernsthaften Windschutz. Die Sitzposition passt und ist dank neuem Polster noch angenehmer.

Einsteigertauglichkeit
Hmm. Anfänger hätten mit der unkomplizierten Britin zwar ihre Freude, doch der starke Motor verleitet leicht zu übermütiger Fahrweise.

Foto: jkuenstle.de

Technische Daten / Die Konkurrenz

Technische Daten*

Motor: Dreizylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum: 1050 cm³
Kraftübertragung: Sechsganggetriebe/Kette
Leistung: 99 kW (135 PS) bei 9400/min
Max. Drehmoment: 111 Nm bei 7750/min
Bremse vorn: Doppelscheibe (Ø 320 mm)
Bremse hinten: Scheibe (Ø 255 mm)
Reifen vorn: 120/70 ZR 17
Reifen hinten: 190/55 ZR 17
Federweg vorn/hinten: 120/130 mm
Radstand: 1435 mm
Sitzhöhe: 840 mm
Tankinhalt: 17,5 Liter, Super
Farben: Rot, Schwarz, Weiß
Wartungsintervalle: 10 000 km
Preis: 11 595 Euro inkl. Nebenkosten

 

Messwerte

 

Höchstgeschwindigkeit*: 248 km/h
Beschleunigung: 0−100 km/h 3,2 sek
Durchzug: 60−140 km/h 7,3 sek
Gewicht vollgetankt: 221 kg
Zuladung: 188 kg
Verbrauch Landstraße: 5,6 l/100 km

*Werksangabe


Die Konkurrenz

Ducati Streetfighter S

Italiens späte Antwort auf die Speed Triple wird vom aggressiven V2 der 1098 befeuert. Edles Öhlins-Fahrwerk, bissige Bremsen. Preis: 18 990 Euro

Honda CB 1000 R
Der Japan-Straßenkämpfer fährt sich erstaunlich unaufgeregt, die ABS-Bremsen sind top. Perfektion und Coolness in einem Paket. Preis: 10 890 Euro

KTM 990 Super Duke
Nicht so stark wie der Ducati-Twin, aber nicht minder feurig. Fahrwerk, Stopper und der tolle Antrieb sprechen für die Österreicherin. Preis: 10 995 Euro

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