Im Test: Victory Jackpot Victory Jackpot

Victory schürft zielstrebig im von Harley abgesteckten Claim und hat mit der Jackpot einen prächtigen Brocken in der Pfanne. Alles Gold, was da glänzt?

Der Jackpot im Lotto wird oft wochenlang nicht geknackt. Der Mythos Harley blieb gar jahrzehntelang quasi unerreicht, der Status der Kultmarke war kaum gefährdet. Das könnte sich bald ändern. Mit der Jackpot scheint der amerikanischen Firma Victory tatsächlich so etwas wie ein Hauptgewinn geglückt zu sein, dessen innere Werte halten, was das selbstbewusste Auftreten verspricht. Angefangen beim gewaltigen modernen 50-Grad-V2 (Harley: 45 Grad): oben- statt untenliegende Nockenwellen, vier statt zwei Ventile pro Zylinder, relativ kurzhubige, also drehzahlfestere Auslegung. Satten Schub liefert er dank stattlichen Hubraums schon von ganz unten, dazu freies und spritziges Hochdrehen. Bestes Durchzugs- und Sprintvermögen ist also garantiert, das Ganze sogar bei erfreulich geringem Spritverbrauch.

Auch das Fahrwerk kann glänzen - mit ordentlichem Handling, trotz des hohen Gewichts, und mit passabler Neutralität in Kurven, trotz des fetten 250er-Hinterreifens. Selbst die Bremsen, meist nicht die Stärke von Cruisern, überzeugen mit satter Wirkung und guter Dosierbarkeit. Zum coolen Cruisen bietet die Victory natürlich die passende Ergonomie, integriert den Fahrer bestens und bettet ihn bequem auf der breiten Sitzbank. Der Beifahrer guckt in die Röhre, den Soziusplatz kann man niemandem zumuten. Den Fahrersitz sollten hingegen alle potenziellen Harley-Interessenten mal antesten - vielleicht werden sie bei der Suche nach ihrem Glück ja hier fündig.


Kurzurteil:
Positiv

  • Starker, spritziger V2
  • Recht laufruhiger Motor
  • Gut zupackende Bremsen
  • Gelungene Fahrwerksabstimmung
  • Gute Verarbeitung
  • Edler Custom-Bike-Look


Negativ

  • Mieser Beifahrersitzplatz
  • Setzt früh auf
  • Kann noch nicht den Harley-Mythos bieten
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Technische Daten

Die Daten:
Motor   Zweizylinder-Viertakt/V
Hubraum   1731 cm³
Kraftübertragung   Sechsganggetriebe/Riemen
Leistung   66 kW (90 PS) bei 4900/min
Max. Drehmoment   140 Nm bei 3250/min
Bremse vorn   Scheibe (Ø 300 mm)
Bremse hinten   Scheibe (Ø 300 mm)
Reifen vorn   90/90 R 21
Reifen hinten   250/40 R 18
Federweg vorn/hinten   130/76 mm
Tankinhalt   17 Liter, Super
Farben   Gold, Schwarz
Wartungsintervalle   8000 km
Preis   17 990 Euro plus Nebenkosten

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe)   193 km/h
Beschleunigung   0−100 km/h 4,2 sek
Durchzug   60−140 km/h 9,7 sek
Gewicht vollgetankt   317 kg
Zuladung   215 kg
Verbrauch Landstraße   5,3 l/100 km

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Fazit

In der Stadt:
Aufgrund des langen Radstands, des üppigen Wendekreises und des strammen Gewichts gehören Umdrehen und Rangieren nicht zu den leichtesten Übungen mit der Victory. Im lässig blubbernden Bummeln durch die City und im showträchtigen Auftritt vor dem Café hingegen ist die Jackpot ganz groß.

Auf der Landstraße:
Enge Kehren sind Gift für die lange und schwere Amerikanerin. Sind die Kurven hingegen langgeschwungen und gut ausgebaut, erweist sich die Victory als gar nicht mal so unhandlich. Der megabreite 250er-Hinterreifen zickt nicht rum, bis zum recht frühen, aber sanften Aufsetzen genießt man durchaus Kurvenspaß.

Auf der Autobahn:
Auch wenn die Jackpot 193 Sachen läuft - lange hält das keiner durch, und Spaß macht es sowieso nicht. Pendelt sich das Reisetempo hingegen bei 130 km/h ein, vermittelt die Victory ordentlichen Cruiser-Komfort. Der Fahrer sitzt gut integriert im breiten Sattel, Fußrasten und Lenker sind gut erreichbar - das passt.



Abschluss-Zeugnis:
Motor:

Der laufruhige V2 überzeugt mit Bums von unten und dreht freudig hoch. Sparsam ist er auch noch, nur sein Sound ist fast zu dezent.
4 von 5 Sternen

Fahrwerk:

Ausgewogen, keinesfalls bockhart, dennoch stabil und trotz des breiten Hinterreifens in Kurven präzise und recht neutral. Geradeauslauf? Geht so.
3 von 5 Sternen

Bremsen:

Die Soloscheiben vorn und hinten machen ihre Sache sehr gut. Verzögerung und Dosierbarkeit sind eines 317-Kilogramm-Brockens würdig.
4 von 5 Sternen

Ausstattung:

Sie hat nicht viel, aber was sie hat, ist schön (Felgen, Lack- und Chromteile) und sinnvoll (Zahnriemen). Die Verarbeitung ist recht hochwertig.
3 von 5 Sternen

Komfort:

Wer Cruiser-Sitzhaltung mag, ist auf der Victory gut aufgehoben. Die Ergonomie passt, die Federung ist nicht zu hart. Windschutz? Null, is' klar.
3 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:

Die mächtige, schwere Victory ist weder ein-, noch um- oder aufsteigertauglich. Unerfahrene könnten allzu leicht unfreiwillig absteigen.
0 von 5 Sternen

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