Im Test: Yamaha FZ8 Yamaha FZ8

Yamahas Neue fügt sich prächtig in die 800er-Mittelklasse ein. Muss sich die FZ8 hinten anstellen oder ist sie ganz vorne mit dabei?

Foto: Künstle

Früher war vieles kleiner: Menschen, Autos und auch Motorräder. Wer vor 40 Jahren eine 800er-Maschine als Mittelklasse-Bike tituliert hätte, einen Aufschneider hätte man ihn genannt. Selbst vor nur zehn Jahren zählten Hubräume von bestenfalls 650 Kubikzentimetern zum Reich der Mitte. Das ist heute anders, und zum Glück alles andere als schlecht. So geriet beispielsweise das Arrangement von Sitzpolster, Lenker und Fußrasten der neuen Yamaha äußerst gelungen. Alles ist gut erreichbar und bedienbar, nicht nur für Fahranfänger ein Vorteil. Schnurrig weich absolviert der Reihenvierer seine Kurbelwellenumdrehungen, und die leichtgängige Kupplung ruft förmlich "Zieh mich doch!" Diese Hier-flutscht-alles-auf-Anhieb-Philosophie behält die FZ8 beim Fahren: Dank superbem Lenkverhalten folgt sie wie von selbst der angepeilten Linie. Dazu lässt sich das Getriebe butterweich und exakt schalten, Motorradfahren wird auf der 800er zu etwas Selbstverständlichem.

Das alles gilt, solange man der Yamaha nicht die Sporen gibt oder gar einen Beifahrer transportiert. Sie ist eine nackte Tourerin, keine Athletin, auch wenn der Leistungskick ab 5500/min richtig Laune macht. Doch das auf Komfort abgestimmte Fahrwerk ist für sportliche Landstraßenhatz nicht geeignet. Sowohl Gabel als auch Federbein sprechen zwar sensibel an und liefern gute Rückmeldung, geraten bei Bodenwellen und deftigem Beschleunigen jedoch an die Grenze ihrer Möglichkeiten. Als hätten es die Yamaha-Techniker gewusst, warnen früh aufsetzende Fußrasten allzu eilige Piloten. Die Bremsen hingegen sind über jeden Zweifel erhaben: bestens dosierbar, kräftig in der Wirkung samt feinfühlig regelndem ABS. Mit dem richtigen Fahrwerk hielte die Neue auch die Konkurrenz in Schach. Doch diese Macht muss sich die Acht erst noch erarbeiten.



Kurzurteil:
Positiv

  • Fein regelndes ABS
  • Gelungene Ergonomie
  • Sensibel ansprechende Federelemente mit gutem Feedback
  • Klasse Bremsen
  • Weich laufender Motor
  • Ordentliche Verarbeitung


Negativ

  • Hänger bei 5000/min
  • Fußrasten setzen früh auf
  • Fahrwerk für flottes Fahren und Soziusbetrieb zu weich
  • Endtopf aus einfachem Stahl
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Foto: Archiv

Technische Daten

Die Daten:
Motor Vierzylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum 779 cm³
Kraftübertragung Sechsganggetriebe/Kette
Leistung 78 kW (106 PS) bei 10 000/min
Max. Drehmoment 82 Nm bei 8000/min
Bremse vorn Doppelscheibe (Ø 310 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 267 mm)
Reifen vorn 120/70 ZR 17
Reifen hinten 180/55 ZR 17
Federweg vorn/hinten 130/130 mm
Tankinhalt 17,5 Liter, Normal
Farben Blau, Schwarz, Weiß
Wartungsintervalle 10 000 km
Preis 8495 Euro plus Nebenkosten

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe) 218 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 3,8 sek
Durchzug 60−140 km/h 10,0 sek
Gewicht vollgetankt 216 kg
Zuladung 194 kg
Verbrauch Landstraße 4,8 l/100 km

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Foto: Archiv

Fazit

In der Stadt:
Die Japanerin scheint nahezu ideal, um sich durch enge und Rush-hour-verstopfte Innenstädte zu kämpfen. Ihre angenehme Ergonomie garantiert entspanntes Fahren, hohe Handlichkeit und Sprintstärke machen ebenfalls gelassen. Dank der leichtgängigen Kupplung nervt selbst Stop-and-go-Verkehr kaum.

Auf der Landstraße:
Klar fühlt sich die FZ8 hier am wohlsten, schließlich ist sie ein Naked Bike. Zwar nervt der kleine Leistungshänger bei 5000/min ein wenig, doch darüber geht der Motor richtig zur Sache. Wäre nur das Fahrwerk etwas straffer, so gelänge auch der gestreckte Galopp sorgenfrei. Die Stopper arbeiten top.

Auf der Autobahn:
Ein Windschild wäre nicht schlecht - alternativ greift man zur halbverkleideten Fazer8. Aber auch so bekommt der Schnellstraßenspaß kein Loch: Ordentliche Höchstgeschwindigkeit und geringer Verbrauch gefallen hier gut; gute Durchzugswerte und der Leistungsschub ab 5500/min ebenfalls.



Abschluss-Zeugnis
Motor:

Der Yamaha-Vierzylinder läuft seidig weich und verbraucht nicht viel. Seine Leistungsentfaltung dürfte allerdings noch etwas harmonischer ausfallen.
3 von 5 Sternen

Fahrwerk:

Komfort und kein Sozius waren offenbar die Vorgabe. Vorne wie hinten ist die FZ8 soft abgestimmt, verhindert damit allzu sportliche Fahrweise.
3 von 5 Sternen

Bremsen:

Yamaha beherrscht die Verzögerungstaktik: Die einteiligen Stopper sind bestens dosierbar, kraftvoll zupackend und mit fein regelndem ABS versehen.
5 von 5 Sternen

Ausstattung:

Ein Naked Bike ist ein Naked Bike ist ein Naked Bike. Die Verarbeitung liegt auf hohem Niveau, ABS und Bugspoiler gibt es serienmäßig.
3 von 5 Sternen

Komfort:

Bis auf den Windschutz gibt es hier nichts zu bemängeln. Das Fahrwerk filtert Straßenakne erfolgreich, und die Sitzposition passt sehr gut.
3 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:

Kaufen! Wenn man auf Vierzylinder steht. Die FZ8 ist trotz ihrer Mängel im Detail ein klasse Gefährt für Anfänger und Wiedereinsteiger gleichermaßen.
5 von 5 Sternen

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