Im Test: Yamaha WR 250 R Yamaha WR 250 R

Es muss nicht immer die radikale Tour sein. Die kernige 250er-Enduro von Yamaha hat es auf den abenteuerfreudigen Hobby-Geländereiter abgesehen.

Foto: jkuenstle.de

Unterholz, schlamm, schotter - selbstverständlich fühlt sich die japanische 250er-Enduro im Dreck und auf zünftigem Untergrund sauwohl. Die WR 250 ist trotzdem anders. Sie gibt sich mit weit weniger zufrieden als die radikalen Hardcore-Kollegen ihrer Klasse. Bestzeiten bei Wettbewerben interessieren den Fahrer einer WR 250 weniger als der reine Spaß im Gelände. Aber auch zur gelegentlichen Slalomfahrt im zähen Stadtverkehr ist die WR sich nicht zu schade. Trotzdem gibt der agile Einzylinder Vollgas im Gelände. 31 PS bei 136 Kilogramm sind ein überzeugendes Argument, um schnellstmöglich in die Stiefel zu springen und ab ins Unterholz zu preschen. Vielfach verstellbare Federelemente erlauben vorn wie hinten üppige Federwege von 270 Millimetern.

Die WR ist deutlich kurzhubiger ausgelegt als andere Enduros. Ihre gleichmäßige Leistungsentfaltung macht auch auf Asphalt Freude. Auf flotten Landstraßenfahrten ist die Yamaha keine Spaßbremse. Apropos Bremse: Präzise dosierbar und mit geringem Kraftaufwand verzögern die Scheibenbremsen an Vorder- und Hinterrad. Der Japaner garantiert Fahrspaß für Neulinge und Hobbyfahrer. Wobei der hohe Preis von 6650 Euro die Kaufentscheidung bei Einsteigern trübt, wenngleich die WR 250 durch wertige Verarbeitung besticht. Zu einer Wettbewerbsmaschine ist preislich aber noch viel Luft, deswegen ist das Geld für den Spaßmacher durchaus gerechtfertigt. Selbst wenn es die WR 250 im Vergleich zu Hard-Enduros auch mal gediegen mag, ist sie nicht nur was für Softies.



Kurzurteil:
Positiv

  • Vielfach einstellbare Federelemente
  • Bremsen verlangen geringen Kraftaufwand
  • Sparsam im Verbrauch
  • Homogene Leistungsentfaltung
  • Lange Wartungsintervalle


Negativ

  • Schmale Sitzbank
  • Minimale Ausstattung
  • Instabil bei hohem Tempo
  • Hoher Preis
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Foto: jkuenstle.de

Technische Daten

Die Daten:
Motor Einzylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum 250 cm³
Kraftübertragung Sechsganggetriebe/Kette
Leistung 22,6 kW (31 PS) bei 10 000/min
Max. Drehmoment 24 Nm bei 8000/min
Bremse vorn Scheibe (Ø 250 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 230 mm)
Reifen vorn 80/100 R 21
Reifen hinten 120/80 R 18
Federweg vorn/hinten 270/270 mm
Tankinhalt 7,6 Liter, Normal
Farben Blau, Weiß
Wartungsintervalle 10 000 km
Preis 6650 Euro inkl. Nebenkosten

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe) 130 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 7,2 sek
Durchzug 60−100 km/h 9,2 sek
Gewicht vollgetankt 136 kg
Zuladung 185 kg
Verbrauch Landstraße 3,4 l/100 km

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Foto: jkuenstle.de

Fazit

In der Stadt:
Die flinke Enduro ist wie für den Stadtverkehr gemacht. Sie entwirrt das Verkehrsknäuel, indem sie sich geschickt  durch schmale Gassen schlängelt und dabei von Lücke zu Lücke hüpft. Einen U-Turn meistert sie auf einem Handteller. Den sicheren Stand an der Ampel muss man wegen der Sitzhöhe einüben.

Auf der Landstraße:
Der Einspritzmotor agiert manierlich, teilt keine Lastwechselschläge aus. Schlaglöcher tun der Maschine nicht weh. Trotzdem ist die WR 250 eine schlechte Wahl für die Landstraße, da das grobe Reifenprofil der schmalen Bridgestone Trail Wing 301 in Kurven wegknickt. Das kostet den Anschluss an die Gruppe.

Auf der Autobahn:
Mit der Yamaha kann allenfalls die Stadtautobahn befahren werden. Wer Autobahn fährt, ist selber schuld. Denn der kleine Tank, fehlender Windschutz und Instabilität bei hohem Tempo trüben den Fahrspaß. Bei der mauen Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h könnte die Reise übrigens länger dauern.



Abschluss-Zeugnis:
Motor:

Die drehfreudige WR 250 fährt sich bissig. Dabei ist sie extrem sparsam. Der Sound klingt jedoch eher nach Stadtkatze als nach Geländetiger.
5 von 5 Sternen

Fahrwerk:
Die Abstimmung des voll einstellbaren Fahrwerks ist straff. Sportliche Gelädeausritte steckt der Aluminium-Doppelschleifenrahmen locker weg.
4 von 5 Sternen

Bremsen:
Die Bremsscheiben an Vorder- und Hinterrad verzögern zuverlässig mit geringer Bedienkraft und hoher Transparenz.
4 von 5 Sternen

Ausstattung:
Das Cockpit der Yamaha zeigt nur das Nötigste. Die Spiegelausleger sind zu kurz. Es gibt keine Extras wie beispielsweise eine kleine Werkzeugtasche.
3 von 5 Sternen

Komfort:
Auf der spartanischen Sitzbank sitzt man maximal eine Stunde lang ohne Schmerzen. Ein Sozius sollte zudem engen Körperkontakt gewöhnt sein.
2 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:
Geringes Gewicht, überschaubare Leistung, gute Bremsen: eine Einsteiger-Enduro. Die Sitzhöhe von 940 Millimetern passt nur Fahrern mit Gardemaß.
4 von 5 Sternen

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