Im Test: Yamaha Yamaha XJ6 Diversion F

Die XJ6 ist mit der neuen, vollverkleideten F-Version endgültig in die Chef-Etage der Mittelklasse-Bikes aufgestiegen. Hat sie das Zeug zum Boss?

Foto: Gargolov
Neue Besen kehren gut, sagt der Volksmund. Die neue XJ6 Diversion F mit Vollverkleidung ist angetreten, um in der Abteilung "Tourensportliche Mittelklasse mal richtig aufzuräumen und hart durchzugreifen. Wobei sie doch eher der umgängliche, kompromissbereite Typ als der autoritäre Bestimmer ist. Das fängt schon bei der Sitzposition an. Gar nicht hoch zu Ross, sondern in humaner Höhe von 785 Millimetern findet der Fahrer seinen Arbeitsplatz vor, der beste ergonomische Bedingungen bietet. Lenker, Fußrasten - die Anordnung passt und schafft sofort Vertrauen. Sanft und vibrationsfrei schnurrt der Vierzylinder, reagiert sanft auf Gasbefehle und schiebt schon aus niedrigen Drehzahlen kräftig an. Zum subjektiven Eindruck satten Durchzugs trägt auch das kurz übersetzte Getriebe bei, das sich leicht und exakt schalten lässt. Alles an der XJ6 funktioniert unauffällig leicht und spielerisch. Auch in Schräglage fällt die 600er fast von selbst, bleibt in Kurven stets souverän auf Kurs und liefert feinste Rückmeldung. Die immerhin 220 Kilogramm sind beim Fahren kaum zu glauben, die Diversion fühlt sich deutlich leichter an. Ebenfalls unspektakulär, aber verlässlich arbeiten die Bremsen. Wirkung und Dosierbarkeit sind gut, wenn auch nicht spitze, das ABS regelt recht unauffällig und souverän. Die Vollverkleidung der F-Version sieht zwar schnittig aus, bietet aber höchstens durchschnittlichen Wind- und Wetterschutz. Und der Beifahrer findet zwar ein akzeptables Sitzplätzchen vor, jedoch lausige Haltegriffe. Auch zur Gepäckunterbringung sind weder ein Träger (nur als Zubehör) noch Haken zum Verzurren vorhanden. Ohne Zubehör ist die XJ6 also zunächst vor allem ein schnittiges, enorm handliches Spaßbike für Landstraßenräuberei, das auch prima für den Alltag taugt. Solange nichts und niemand transportiert werden muss. Aber das ist ja auch nicht unbedingt F-Sache.
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Kurzurteil

Positiv

  • Spritziger Vierzylinder
  • Kultivierter Motorlauf
  • Sehr handlich; präzises Fahrverhalten
  • Sehr geringer Verbrauch
  • Tolle, entspannte Sitzposition
  • Sensibles Komfortfahrwerk



Negativ

  • mäßige Zuladung
  • Keine Verzurrmöglichkeit für Gepäck
  • Kaum schützende Verkleidung
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Foto: Archiv

Technische Daten

Die Daten (Werksangabe):
Motor   Vierzylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum   600 cm³
Kraftübertragung   Sechsganggetriebe/Kette
Leistung   57 kW (78 PS) bei 10000/min
Max. Drehmoment   60 Nm bei 8500/min
Bremse vorn   Doppelscheibe (Ø 298 mm)
Bremse hinten   Scheibe (Ø 245 mm)
Reifen vorn   120/70 ZR 17
Reifen hinten   160/60 ZR 17
Federweg vorn/hinten   130/130 mm
Tankinhalt   17,3 Liter, Super
Farben   Blau, Schwarz
Wartungsintervalle   10000 km
Preis   7 495 Euro (plus Nebenkosten)

Die Messwerte:

Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe)   205 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h   3,9 sek
Durchzug 60−140 km/h   9,9 sek
Gewicht vollgetankt   220 kg
Zuladung   180 kg
Verbrauch Landstraße   4,1 l/100 km
Foto: Archiv

Abschluss-Zeugnis

Fazit:

In der Stadt:
Der Fahrer sitzt in nur 785 Millimetern Höhe auf der leichtfüßigen XJ6, die Hände am breiten, angenehm geformten Lenker - das schafft auch bei kleinen Piloten oder Neulingen schnell Vertrauen ins Bike. Ebenfalls hilfreich im Stop-and-go-Verkehr: der sanft ansprechende Motor und die leichtgängige Kupplung.

Auf der Landstraße:
Die 220 Kilogramm der XJ6 fühlen sich im Kurvengetümmel nach viel weniger an. Die Yamaha wirbelt so handlich ums Eck, folgt so präzise der gewünschten Linie, dass es eine wahre Freude ist. Der kräftige Motor, die kurze Übersetzung und die guten Bremsen sorgen für ungetrübten Fahrspaß.

Auf der Autobahn:
Die Sitzposition und die dank des geringen Verbrauchs große Reichweite ermöglichen dauerhaft-entspanntes Kilometerfressen. Leider schützt die hübsche, sportlich knapp sitzende Vollverkleidung nicht übermäßig gut vor Wind und Wetter. An Stabilität bei Vollgas-Orgien mangelt es der XJ6 hingegen nicht.

Abschluss-Zeugnis:

Motor
Der sanft und geschmeidig laufende Motor zieht gut durch und sorgt, auch dank kurzer Getriebe-Übersetzung, für flotte Fahrleistungen.
(4 von 5 Sternen)

Fahrwerk

Das komfortabel abgestimmte, stabile Fahrwerk bietet gute Rückmeldung und Präzision, sorgt für Vertrauen und glänzt mit fantastischer Handlichkeit.
(4 von 5 Sternen)

Bremsen
Bremswirkung, Dosierbarkeit und ABS-Funktion sind nicht Spitzenklasse, aber auf hohem Niveau und passen zum stressfreien Charakter der XJ6.
(4 von 5 Sternen)

Ausstattung
Informatives Cockpit, breite Spiegelausleger, ordentliche Verarbeitung - alles prima. Allerdings fehlt es an Haken zur Gepäckbefestigung.
(3 von 5 Sternen)

Komfort
Die Sitzposition passt, die Fahrwerks-abstimmung ist ein gelungener Kom-promiss aus Komfort und Straffheit. Die Verkleidung schützt nur mäßig.
(4 von 5 Sternen)

Einsteigertauglichkeit

Der sanfte, gut kontrollierbare Leistungseinsatz, das tolle Handling und das sichere Fahrverhalten machen die XJ6 zum problemlosen Einsteigerbike.
(5 von 5 Sternen)

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