Im Test: Yamaha YZF-R6 Die 600er-Ypse im Test

Schon immer stand die Yamaha YZF-R6 für kompromisslosen Sport, daran hat sich auch am 2010er-Modell nichts geändert. Zum Glück.

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Das Angebot an 600er-Supersportlern ist überschaubar. Zwar hat fast jeder Hersteller ein passendes Bike im Angebot, aber kaum eines ist derart auf Rennstrecke getrimmt wie die Yamaha YZF-R6. Und da man Gutes nur wenig verbessern sollte, blieben die Änderungen am 2010er-Modell dezent. Ein längerer Endschalldämpfer, ein anderer Luftfilter und ein verändertes Mapping sorgen im unteren Drehzahlbereich für mehr Durchzug. Dafür wurde sogar die Spitzenleistung um fünf PS reduziert. Merken wird das aber kaum jemand, die Fahrleistungen beeindrucken noch immer. Der Sprint von 0 auf 200 km/h dauert lediglich 9,8 Sekunden, gegenüber 9,7 Sekunden des Vorjahresmodells. Das liegt im Bereich der üblichen Mess-Toleranz. Die Nachbarn werden den neuen Auspuff zu schätzen wissen, die R6 ist nämlich deutlich leiser geworden. Als Fahrer merkt man allerdings nichts davon, da das Kreischen aus der Airbox immer noch alles andere übertönt.

Seit Jahren ist der kleine Supersportler für sein einmaliges Racing-Gefühl bekannt. Zum Glück hat sich daran nichts geändert. Die R6 fährt sich nach wie vor ungeheuer direkt und bietet dem Fahrer hervorragendes Feedback. Wer das Fahrverhalten noch optimieren möchte, kann Gabel und Federbein voll einstellen. Wie bei Sportlern üblich, ist die Sitzposition sehr vorderradorientiert. Der Soziusplatz sollte besser frei bleiben, will man es sich nicht mit der Sozia verscherzen. Auf der Rennstrecke ermöglicht die Anti-Hopping-Kupplung schnelles Herunterschalten beim harten Anbremsen, und bei freier Bahn lässt sich die 600er auf Tempo 270 treiben. Radial montierte Vierkolben-Sättel fangen den Sportler wieder wirkungsvoll ein, allerdings ohne ABS. Insgesamt sind die Änderungen zum 2009er-Modell marginal, die 600er bleibt also ein richtig heißes Eisen.



Kurzurteil:
Positiv

  • Ausgezeichnetes, vielfach verstellbares Fahrwerk
  • Drehfreudiger, kräftiger Motor
  • Enorm handlich durch geringes Gewicht
  • Absolut rennstreckentauglich


Negativ

  • Kein ABS erhältlich
  • Soziusplatz unzumutbar
  • Kaum alltagstauglich
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Technische Daten

Die Daten:
Motor Vierzylinder-Viertakt/Reihe
Hubraum 599 cm³
Kraftübertragung Sechsganggetriebe/Kette
Leistung 91 kW (124 PS) bei 14 500/min
Max. Drehmoment 66 Nm bei 7000/min
Bremse vorn Doppelscheibe (Ø 310 mm)
Bremse hinten Scheibe (Ø 210 mm)
Reifen vorn 120/70 ZR 17
Reifen hinten 180/55 ZR 17
Federweg vorn/hinten 115/120 mm
Tankinhalt 17,3 Liter, Super
Farben Blau, Schwarz, Weiß
Wartungsintervalle 10 000 km
Preis 11995 Euro plus Nebenkosten

Die Messwerte:
Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe) 270 km/h
Beschleunigung 0−100 km/h 3,5 sek
Durchzug 60−140 km/h 9,9 sek
Gewicht vollgetankt 185 kg
Zuladung 186 kg
Verbrauch Landstraße 5,6 l/100 km

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Fazit

In der Stadt:
Der Renner hat in der Stadt nichts zu suchen. Die gebeugte Sitzhaltung ist auf Dauer unbequem, und langsames Fahren mag die Yamaha gar nicht. Dank ihres geringen Gewichts und der kompakten Abmessungen kann man sich mit der 600er an der Ampel nach vorne schlängeln - direkt auf die Pole-Position.

Auf der Landstraße:
Schnelle Kurven und guter Asphalt liegen ihr besonders. Bei der Landstraßenhatz begeistern vor allem die Lenkpräzision und ihre Handlichkeit. Ab 7000/min blüht die R6 erst richtig auf, darunter ist der Motor fast unterfordert. Ihre explosionsartige Leistungsentfaltung erlaubt zügige Überholmanöver.

Auf der Autobahn:
Hier zeigt die 600er, was sie kann. Am besten auf dem Weg zur Rennstrecke. Wenn gewünscht, beschleunigt sie bis Tempo 270. Bei Topspeed ist der Tank schnell leer gesaugt. Häufige Tankstopps kommen dem Fahrer entgegen, denn langstreckentauglich ist die R6 nicht. Das muss ein Supersportler auch nicht sein.



Abschluss-Zeugnis
Motor:

Das neu programmierte Motormanagement sorgt für eine noch bessere Leistungsentfaltung im mittleren und unteren Drehzahlbereich.
5 von 5 Sternen

Fahrwerk:

Die R6 ist extrem handlich und stabil. Gabel und Federbein lassen sich vielfach verstellen, so findet jeder seine optimale Fahrwerkseinstellung.
5 von 5 Sternen

Bremsen:

Radial montierte Vierkolben-Sättel verzögern äußerst wirkungsvoll. Druckpunkt und Dosierbarkeit sind ausgezeichnet. Leider fehlt ein ABS.
4 von 5 Sternen

Ausstattung:

Anti-Hopping-Kupplung, variable Ansaugtrichter, elektronische Drosselklappensteuerung. Für die Rennstrecke reicht das, für den Alltag weniger.
3 von 5 Sternen

Komfort:

Kaum jemand erwartet von einem Supersportler ernsthaft Komfort. Und deshalb gibt es auch keinen, schon gar nicht auf dem Soziusplatz.
1 von 5 Sternen

Einsteigertauglichkeit:

Die kleine R6 ist leicht und wendig, durch ihre hohe Leistung aber nicht unbedingt für Anfänger geeignet. Sie ist und bleibt ein Rennmotorrad.
0 von 5 Sternen

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