Indian Chieftain im Test Indian Hummer

Ebenso wie der gleichnamige, martialisch auftretende Geländewagen ist die überarbeitete Indian Chieftain ein prima Werkzeug für Leute, die den großen Auftritt lieben. Man kann mit ihr aber auch einfach Motorrad fahren.

Wobei das "einfach", das muss man relativieren. Die schiere Größe sowie die enorme Masse, die nur drei Zähler unter der 400-Kilo-Marke bleibt, setzen doch eine gewisse Routine im Umgang mit Schwergewichten, soll der Umgang mit dieser schwarz-roten Haut nicht in Stress ausarten. Vor allem die Parkplatzsuche bedarf einer gewissen Aufmerksamkeit, wenn dieser aus eigener Kraft wieder verlassen werden will. Mit der Indian Chieftain rückwärts alleine bergauf aus einer Lücke rangieren? Vergiss es!

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Navigation, Kommunikation und Entertainment

Doch sobald sich die dicken 16-Zöller zu drehen beginnen, schwinden die Pfunde, wiegt die Indian Chieftain plötzlich gefühlt 100 Kilo weniger. Der artgerechten Haltung wegen führen wir den amerikanischen Meilenfresser schnurstracks Richtung Highway, Kurs Horizont, halbe Kraft voraus. Dort rein mit dem Tempomat, schließlich braucht man beide Hände, um der vielen Knöpfe am Lenker und dem für 2017 komplett neu gestalteten Cockpit Herr zu werden. Kleiner Scherz am Rande.

Einerseits ist die Menüführung des mit enormer Informationsfülle aufwartenden Infotainment-Centers weitgehend logisch und selbsterklärend aufgebaut. Das Infotain-System der Indian Chieftain heißt "Ride Command" und steuert Navigation, Kommunikation und Entertainment. Dabei lassen sich die wirklich ablenkenden Arbeiten nur im Stand eingeben. Adressen ins Navi eingeben zum Beispiel, während der Fahrt gibt es keine Tastatur. Auch die Abmischung des Tons des Soundsystems geht nur im Stand. Die Musik bzw. das ganze Smartphone wird via Bluetooth gekoppelt, eine quasi analoge USB-Schnittstelle gibt es auch. Und ein Touchscreen mit 18 Zentimeter Bilddiagonale.

Indian Chieftain ohne Heizgriffe

Per Transponder wird der 1,8 Liter Twin der Indian Chieftain freigeschaltet. Ohne großes Brimborium und lautstarkes Verkünden der Einsatzbereitschaft nehmen sowohl er als auch die Sechsgangbox ihre Arbeit auf. Die Lässigkeit des großen Hubraums überträgt sich alsbald auf den Fahrer, er lässt den Twin zwischen 1.500 und 3.000/min laufen. 5,8 Liter nimmt er sich unter diesen Umständen.

Ebenso souverän verfährt das Fahrwerk. Das feinfühlig regelnde ABS nimmt feuchtem Laub den Schrecken, eine Traktionskontrolle fehlt jedoch. Vielleicht auch bedingt durch die einstelligen Temperaturen im Testzeitraum zeigte sich die Dämpfung deutlich straffer als bei vergleichbaren Harleys, der elektrisch verstellbare Windschild hielt erfolgreich Graupelschauer von des Fahrers Nase fern, die ausladende Verkleidung machte das Fehlen von Heizgriffen erträglich. Für 28.250 Euro kann man sich die exklusive Indian Chieftain als Alternative zu Harley-Davidsons Electra Glide vor die Türe stellen.

Foto: Rivas
Die Schaltzentrale der Indian Chieftain.
Die Schaltzentrale der Indian Chieftain.

Das neu gestaltete Cockpit, ach was, die Brücke der Indian Chieftain wirkt in echt noch gewaltiger als auf dem Foto. Mit der linken unteren Armatur (kleines Bild) wird neben dem elektrischen Windschild auch das bis dato größte TFT-Display im Zweiradbau bedient. Es funktioniert auch als Touchscreen, ist individuell konfigurierbar (siehe Bildergalerie) und beherbergt neben einem Navi auch ein beeindruckendes – ebenso klang- wie lautstarkes –Soundsystem. Für heiße Rhythmen ist also gesorgt, für warme Finger bis dato noch nicht.

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