Interview mit Stefan Everts

Stefan Everts (rechts), mit sieben WM-Titeln erfolgreichster Cross-Fahrer aller Zeiten, im Gespräch mit Redakteur Gert Thöle

Die Saison 2003 begann für dich nicht eben optimal. Ich war bei den ersten Rennen viel zu verbissen, wollte zu viel. Dadurch habe ich mir enormen Druck aufgebaut. Deswegen habe ich auch immer dicke Arme bekommen. Das ist eine reine Kopfgeschichte. Du musst locker fahren, sonst verkrampfst du. Mickael Pichon schien in der MXGP-Klasse zunächst überlegen. Überlegen? Überhaupt nicht. Sein Speed hat mich nicht beunruhigt, seine großen Sprüche schon gar nicht. Alles Bluff. Ich wusste immer, dass die mäßigen Ergebnisse allein an mir lagen, dass ich ihn schlagen kann. Die Wende war das Rennen in Italien mit dem Doppelsieg, als ich das erste Mal in zwei Klassen an den Start gegangen bin. Ich bin damals in der kleinen Klasse wirklich nur deswegen angetreten, um mich für das MXGP-Rennen aufzuwärmen und meinen Kopf frei zu bekommen. Ärgert es dich, dass du nicht schon früher in beiden Klassen gestartet bist? Dann hättest du nun acht statt sieben WM-Titel. Das stört mich überhaupt nicht. Die kleine Klasse sollte eigentlich den jungen Fahrern vorbehalten sein. Ich gönne Steve Ramon den Titel. Die diesjährige 450er ist ziemlich nah an der Serie. Ist das kein Handicap? Im Gegenteil. Wir haben gegenüber der letztjährigen YZ 500 FM mit dem Alurahmen große Fortschritte gemacht. Außerdem ist es ein Vorteil, dass in der MXGP-Klasse nun alle Viertakter mit dem gleichen Hubraum fahren. Das war in der großen Klasse vergangenes Jahr schwieriger, die Basis war ja eine 450er. Wir haben für die nächste Saison weitere Verbesserungen im Kopf, die wir demnächst testen werden. Da zahlt es sich aus, über Jahre mit dem gleichen Team zusammenzuarbeiten. Die Konstellation könnte nicht besser sein. Hast du in der großen Klasse bis 650 cm3 den Motor vom letzten Jahr benutzt, als du beim Saison-finale den historischen Dreifachsieg geschafft hast? Nein, das kam alles recht kurzfristig zustande. Ich wollte möglichst dasselbe Feeling wie mit der 450er haben, deshalb wurde der Motor nur ein wenig aufgebohrt. Ich bin vor dem Rennen keinen einzigen Meter mit der Maschine gefahren. Du hast nun im Cross alles erreicht, bist bester Fahrer aller Zeiten. Was motiviert dich noch? Ganz einfach: Ich will siegen! Nächstes Jahr kommen neue Herausforderungen: Smets auf der 450er-Suzuki, Pichon fährt vielleicht eine Viertakt-Honda. Ich will die Rennen, die ganze Saison unter Kontrolle haben. Du hast Pit Beirer kurz nach seinem schweren Unfall im Krankenhaus besucht? Nein, das hat leider nicht geklappt. Als ich in Deutschland war, wurde er gerade das zweite Mal operiert. Pit war, nein, ist ein wirklich guter Freund. Es freut mich, dass er mit seiner Verletzung so gut klarkommt. Sein Schicksal war ein großer Schock. Aber die Gefahr ist ein Teil unseres Sports. Wenn du am Start stehst, muss dein Kopf frei sein. Wie viele andere Stars wohnst du in Monaco. Klar, das hat erstens finanzielle Gründe, und zweitens habe ich dort meine Ruhe. In Belgien ist doch immer ziemlich viel Trubel um mich. Aber meistens bin ich ohnehin mit dem Team unterwegs. Während deiner Honda-Zeit hattest du einen NSX in der Garage. Welches Auto fährst du jetzt? Statussymbole sind mir egal, ich verdiene gut und lege mein Geld vernünftig an. Der NSX war toll – und günstig. Zurzeit fahre ich ein ganz vernünftiges Familienauto, einen BMW M3.

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