Interview mit Uli Bonsels

Uli Bonsels, Kundendienstleiter und Pressesprecher bei Triumph Deutschland.

Die neue Daytona 675 ist eine technisch überarbeitete alte Daytona 675. In Sachen Design hat sich kaum etwas getan. Ist das der richtige Weg, oder hättet Ihr Euch grundlegendere Änderungen gewünscht?
Nein, ganz gewiss nicht. Vor allem, weil wir uns in der Vergangenheit schon die Finger verbrannt haben. Ich erinnere nur an den Modellwechsel der großen Daytona im Jahr 2002. Die T 595 war in gewisser Weise eine Ikone, die Nachfolgerin kam bei den Kunden nicht so gut an. Im selben Jahr hatten wir bei der Speed Triple ein ähnliches Problem. 2005 haben wir bei der Triple dann, wenn man so will, hinsichtlich des Designs einen Schritt zurück gemacht und sind damit bis heute sehr erfolgreich.

Das bedingt aber, das man mit dem existierenden Modell zufrieden ist. Trifft das auf die 675 zu?
Absolut. In den USA zum Beispiel ist die Daytona zusammen mit den Bonneville-Derivaten die meistverkaufte Triumph. Auch, weil sie aussieht, wie sie aussieht. Wenn man genau hinschaut, hat die 675 etwas von der alten T 595. Das ist zeitloses Design – in gewisser Weise ein Klassiker.

Stichwort Verkaufszahlen: Seid Ihr angesichts der unbestreitbaren Qualitäten des Motorrads mit dem Ergebnis zufrieden?
Ja und nein. Natürlich werden wir, was die Qualitäten der 675 angeht, verglichen mit den Verkäufen einer R6 oder CBR 600 RR, unter Wert geschlagen. Das ärgert einen schon. Andererseits haben wir von Anfang an so disponiert, weil wir wussten, dass es schwer ist, auf diesem Markt Fuß zu fassen. Das hat die jüngere Geschichte von Triumph insgesamt gezeigt. Aber es scheint im Fall Daytona 675 auch, dass es ein spezielles deutsches Phänomen ist. In den USA war der Verkaufserfolg von Anfang an da.

Wie sieht es auf den anderen europäischen Märkten aus?
Okay, ein europäisches Phänomen, denn Deutschland, Frankreich, Italien und England liegen alle nicht weit auseinander. In jedem Fall ist die 675 für Triumph ein Erfolgsmodell.

Wo liegt die Daytona im weltweiten Triumph-Stückzahlen-Ranking?
Im Moment, das heißt bezogen auf das akutelle Geschäftsjahr, hinter der Street Triple, der Speed Triple und der Bonneville T 100 auf Platz vier. Und zwar in dieser Reihenfolge.

Anderes Thema: Ihr seid mit Arne Tode und dem G-Lab-Team deutscher Meister der IDM Supersport geworden und seit 2008 auch in der Supersport-WM aktiv. Wie wichtig sind die sportlichen Aktivitäten für die Verkaufsaussichten der 675?
Wir denken, sie sind wichtig. Wobei ich nicht glaube, dass wir wegen dieser Meisterschaft signifikant mehr Daytonas verkauft haben. Da ist Kontinuität gefragt, es geht darum, dass man auch auf diesem Feld wahrgenommen wird. Das sieht England ja mittlerweile ebenfalls so, wie das WM-Engagement zeigt.

Apropos England: "No sports" hat Triumph-Chef John Bloor früher mit Überzeugung verkündet. Er baue Motorräder für die Straße, nicht für die Rennstrecke.
Das hat sich geändert. Inzwischen betrachten wir den Rennsport als zielführendes Marketing-Instrument, um speziell den Bekanntheitsgrad unserer sportlichen Modelle zu steigern. Und das nicht nur mit der Daytona in der WM und in den nationalen Meisterschaften, sondern zum Beispiel auch im Street-Triple-Cup, den wir im nächsten Jahr wieder ausgeschrieben haben.

Bleiben wir beim Sport. Wann darf denn nun die große Daytona angreifen?
Dazu sage ich wie immer nichts. Wenn ich aber etwas sagen würde, ginge das ungefähr so: Ich schließe dieses Motorrad nicht mehr kategorisch aus.

Letzte Frage: Honda bringt seine Supersportler im nächsten Jahr mit ABS. Ist das auch für Triumph ein Thema?
Ganz klar ja! ABS wird auch beim Sportmotorrad immer wichtiger, besonders in Deutschland. Langfristig wollen wir kein Motorrad mehr ohne ABS anbieten. Wann es aber so weit sein wird, kann ich konkret noch nicht sagen.

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote