JvB-Moto / Kedo-Yamaha SR 500 D-Track Der Ultimative Kick

Bumm! Bereits der erste Blick lässt reihenweise Synapsen platzen, bewirkt Flimmern auf der Netzhaut und schwitzende Hände. Die D-Track, minimalistischer Umbau einer Yamaha SR 500, begeistert spontan.

Foto: JvB/Kedo

Es ist immer wieder ein Erlebnis, eine SR 500 zum Leben zu erwecken, mittels fast meditativer Kickstartzeremonie.
 
Die linke Hand zieht den kleinen Dekompressionshebel, er öffnet das Auslassventil, der rechte Fuß führt den Kickstarter gefühlvoll im sanften Bogen von oben nach unten durch. Klack-kaalack. Die wenigen Umdrehungen der Kurbelwelle rühren tief im Inneren des Motors das Öl durch, die bewegten Teile stellen sich sanft aufeinander ein. Kalack, es ist soweit. Die weiße Markierung an der Nockenwelle blinzelt durchs Schaufenster, zeigt an, dass der 87 Millimeter dicke Kolben am oberen Totpunkt steht.

Ein herzhaft-entschlossener Tritt, mit Schmackes, doch gefühlvoll - und der Kolben rast die 84 Millimeter wieder runter. Hat man's gut getroffen, läuft der Einzylinder auf den ersten Tritt! Viertakt-Bass schmeichelt dem Ohr. Die Gabel stampft rhythmisch, aus dem kleinen Luftfilterkasten röchelt es, im Zylinder klackert es ein wenig, die zwei Ventile im Zylinderkopf tickern, und tief im Bauch rumort es. Sie hat begonnen, die sanfte Seelenmassage. "Good old vibrations" mag abgedroschen klingen, doch hier trifft der Ausdruck voll. Jetzt bloß nicht ausgehen, denn schweißtreibendes Kicken bei halbwarmem Motor war nicht bloß Legende...

All dies weiß kaum jemand besser als der Kölner Jens vom Brauck. Schließlich nutzt der Designer sehr aufregender Motorräder eine abgewetzte und heftig umgebaute SR 500 als alltägliches Transportmittel. Ihr ist er seit 20 Jahren stets treu geblieben, mittlerweile stehen über 250000 Kilometer auf dem Tacho. Er weiß, weshalb: "Die großen Hersteller haben irgendwie vergessen, worum es beim Motorradfahren eigentlich geht", sagt Jens vom Brauck. "Es geht um das Gefühl. Es geht um den Sound, den Rhythmus des Motors, um den Kontakt zur Maschine, so pur und ungefiltert wie möglich. Moderne Motorräder sind viel zu vernünftig und emotionslos geworden." Nicht vordergründig vernünftig und richtig emotional, war es das, was die Yamaha SR 500 so populär machte?

Gut 20 Jahre lang wurde der VW Käfer unter den Motorrädern allein in Deutschland angeboten, von 1978 bis 1999, und das mit recht kleinen technischen Änderungen. 38328 SRs wurden allein hierzulande verkauft, 16580 davon waren am ersten Januar 2010 noch angemeldet. Eine SR kaufte man aus Überzeugung, mehr Zylinder kamen nicht infrage. So wie beim Autor im Jahr 1985, da war diese 500er sein erstes eigenes Motorrad. Fünf Gänge, zwei Ventile, eine Zündkerze. Bescheidenheit aus Prinzip.

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Foto: Archiv

Wahrscheinlich hat es nach der SR kein so klassenloses Motorrad mehr gegeben, kein (Wieder-)Einsteigergerät mit so viel Kultpotenzial. Mit diesem Single wurde man in den 80er-Jahren nicht belächelt, da galten seine 33 PS in der offenen Version noch was. Noch mehr vielleicht die Fahrer, die fähig waren, ihn anzuwerfen. Nicht mit roher Gewalt, sondern mittels Einfühlungsvermögen in einen Viertakt-Verbrennungsmotor. Heute ist die 500er-Klasse bei Neumaschinen praktisch tot. Gleichwohl "hat eine SR jede Menge Potenzial", ist Jens vom Brauck überzeugt.

Zum Beweis hat er in Kooperation mit den Yamaha-Single-Spezialisten von Kedo in Hamburg einen betörenden SR-Umbau auf die schwarzen Speichenräder gestellt. "Die D-Track geht zurück zu den Wurzeln. Dieses Motorrad hat eine Seele", sagt Jens. "Zudem ist es im Alltag sehr flink, leicht beherrschbar und es macht Riesenspaß zu fahren." Die Yamaha SR 500 war schon immer ein puristisches Motorrad, ab Werk nur 170 Kilogramm schwer. Doch nach der JvB-Diät
hat die Maschine nochmals mehr als 20 Kilogramm abgespeckt. Minimalismus in einer höchst verführerischen Form. Geiler geht's kaum. In der Stadt oder auf verwinkelten Landstraßen jedenfalls.

Der "Haben-wollen-Faktor" ist bereits beim Betrachten der Bilder immens. "Es ist gar nicht so schwer, aus einem Allerweltsmotorrad etwas richtig Spannendes zu machen", sagt Jens. Er hat zusammen mit Kedo aus Brot und Butter eine zweirädrige Köstlichkeit gezaubert: an der Serien-SR das Rahmenheck gekürzt, Halterungen entfernt und Befestigungen eingeschweißt für seine Eigenbau-Kotflügel.

Unter ihnen rotieren stämmige, grob profilierte Pirelli MT 90 auf coolen Drahtspeichenrädern. Der kurze Daytona-Tank - mit Unterteilen zum Anschrauben - rückt den Fahrer auf der Sondersitzbank nah an den breiten LSL-Lenker. Einfach kompakt. Für viel Feinarbeit im Detail stehen gekürzte Faltenbälge der BMW-/5-Serie, der vordere Bremssattel einer XT 600 und die typische schwarze JvB-Lampenmaske.

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Foto: Archiv

Nicht zu vergessen reichlich Sonderteile wie Alu-Schwinge, Stahlflex-Bremsleitung, gezackte Edelstahlfußrasten oder ein geschmiedeter Alu-Schalthebel. Alles garniert mit dem exklusiven babyblauen Lack samt Yamahas typischem 70er-Jahre-Renndekor. Optisch wie ideell bildet der mächtige Zylinder den Mittelpunkt dieses ansonsten so zierlichen Motor-Rads. Den Single hat Kedo komplett revidiert, neu aufgebaut und maßvoll getunt. Leistungsdaten gibt's noch keine.

Na und? Wenn bereits eine Serien-SR herzhaft aus dem lang gezogenen Auspuff im Tiefparterre tuckert, wie tönt dann erst der Supertrapp-Auspuff der D-Track im ersten Stock? Sie braucht und gibt den ultimativen Kick. Das Rezept gegen Langeweile: jeden Tag Eintopf!

Foto: Jörg Künstle

D-Track auf Basis der YAMAHA SR 500

Neuer Schwung für das 33 Jahre alte Einzylinderkonzept der SR 500: Darauf zielt das Kooperationsprojekt des Kölner Designers Jens vom Brauck (JvB-Moto) und des Hamburger SR-/XT-Spezialisten Kedo. Ihre D-Track verkörpert eine modern interpretierte Mixtur à la 70er-Jahre aus Desert-Racer und Kenny Roberts berühmten Flat-Track-Styles. Geprägt von radikalem Minimalismus. Grob profilierte Reifen, die breite Alu-Lenkstange, der Scrambler-artig hochgelegte Supertrapp-Auspuff und der Rundschiebervergaser mit offenem Luftfilter verleihen dem verwegenen, vollgetankt 150 Kilogramm leichten Motorrad "einen rauen Wettbewerbs-Look, ohne einzuschüchtern", sagt Daniel Doritz von Kedo. "Es sieht aus, als könne man sich direkt aufsetzen und mit einem Wheelie losfahren."

Von Kedo stammt der komplett restaurierte, mit Neuteilen aufgebaute Motor. Eine schärfere Nockenwelle und optimierte Kanäle tunen ihn dezent. Optisch verfeinern den Single mit Alu gestrahlte und mit Edelstahl nachverdichtete Motorseitendeckel. Ebenfalls aus dem großen Kedo-Katalog stammen Tank, Wilbers-Federbeine, Alu-Schwinge, andere Gabelfedern mit passender Ölviskosität und diverse Kleinteile. Jens vom Brauck komponierte aus diesen feinen Zutaten mit viel Knowhow und handwerklichem Geschick die D-Track. Seine Handschrift ist unverkennbar. Nur 40 Tage brauchte er für eine SR, die es so noch nicht gegeben hat. Jens vom Brauck hat sich in der Vergangenheit bereits mit radikalen Ducati-Umbauten sowie seiner Studie MZ 1000 SFX einen Namen gemacht.

Foto: Archiv

Umbau Yamaha SR 500 D-Track

Die Wichtigsten komponenten:
 
Motor generalüberholt, mit Drehmoment-Nocke und optimiertem Zylinderkopf, Gehäuse neu lackiert (ab 3000 Euro bei angeliefertem Motor); Mikuni-Rundschiebervergaser VM 36-4 (159 Euro); Supertrapp-Auspuffanlage mit VA-Krümmer; Acht-Liter-"Sportster"-Tank von Daytona (399 Euro plus Deckel) mit GFK-Blenden an der Unterseite (Set ca. 150 Euro); Alu-Schwinge (ab 299 Euro); Kedo-Räder mit Edelstahlspeichen und schwarzen Felgen plus Naben inklusive Pirelli MT 90 in 100/90 18 und 130/80 17 (1200 Euro); EBC-Bremsscheibe vorn Ø 298 mm (191 Euro) mit Doppelkolben-Schwimmsattel; Wilbers-Federbeine ClassicLine (779 Euro); GFK-Kotflügel vorn (ca. 150 Euro) und hinten (ca. 200 Euro); GFK-Lampenabdeckung inkl. H4-Einsatz (ca. 300 Euro); Sonder-Sitzbank; Preis ab 12000 Euro (Komplettmotorrad).

Kontakt:

www.kedo.de, Telefon 040/40170200 (Teile) und www.jvb-moto.com, Telefon 0174/2429751 (Komplettumbauten).

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