Kawasaki GPZ 900 R Test Kultbike der 80er-Jahre mit der Technik von heute

Wer 23 000 Euro in den Umbau einer Kawasaki GPZ investiert, muss verrückt sein. Dafür steckt jetzt im Kultbike der 80er-Jahre Technik von heute.

Foto: jkuenstle.de

Die Mission für Ingenieur Klaus Dony und seinen Mechaniker Gabriel Winter war klar: „Baut mir meine alte Kawasaki GPZ 900 R zu einem richtig heißen Eisen mit modernster Technik um. Geld spielt keine Rolle.“ Der österreichische Auftraggeber sollte sein Bike nicht wiedererkennen, denn das Team von Bike Side zog alle Register und holte raus, was möglich ist. Motor, Auspuff, Fahrwerk, Räder, Instrumente - kaum eine Schraube blieb unangetastet. Edle Öhlins-Komponenten vorn und hinten, eine Edelstahl-Auspuffanlage, Brembo-Stopper, Alu-Schmiederäder: Die GPZ kann sich sehen lassen. Genug gestaunt, aufsitzen!

Der Vierzylinder erwacht zum Leben und holt am Sonntagmorgen die Nachbarn aus dem Bett - der Cobra-Endschalldämpfer am Ende der Vier-in-eins-Anlage klingt trotz ABE verboten laut. Satte zehn Kilogramm speckt das Bike allein durch die neue Edelstahl-Auspuffanlage ab, weitere fünf durch die Schmiedefelgen  von PVM. Das war nötig, denn mit ehemals 257 Kilo gilt die GPZ nach heutigen Maßstäben als Schwergewicht. Um insgesamt 17 Kilogramm erleichterte Bike Side die GPZ, und jedes fehlende Kilo macht sich po-sitiv bemerkbar. Unglaublich leichtfüßig wedelt sie durch schnelle Wechselkurven, fühlt sich dabei wie eine 600er an. Dass hinten eine Sechs-Zoll-Felge mit fettem 190er-Schlappen rotiert, ist kaum zu -spüren, die GPZ aus den 80er-Jahren lenkt leichter ein als manches jüngere 1000er-Superbike.

Der Grund: Zwar blieben Stahlrahmen und Aluheck erhalten, die Fahrwerksgeometrie änderte sich jedoch radikal. Viereinhalb Zentimeter kürzerer Radstand, vier Grad steilerer Lenkkopfwinkel, sieben Zentimeter höheres Heck - hier hat Bike Side geklotzt, nicht gekleckert. Auch bei den Fahrwerkskomponenten ließ sich Klaus Dony nicht lumpen und baute -seinem Kunden nur das Beste in die GPZ. Upside-down-Gabel und Federbein schimmern golden, Öhlins passte das -Federbein extra an das höhere Heck an. Wie von den Schweden gewohnt, spricht die voll einstellbare Gabel äußerst sensibel an, dämpft sportlich straff, aber nicht unkomfortabel - so soll es sein. Schräg, noch schräger geht es durch die Kurve, immer noch haben die Rasten keinen -Bodenkontakt. Und so schnell werden auch keine Funken sprühen, denn die recht weit oben montierten Fußrasten sorgen für eine gewaltige Schräglagen-freiheit. Den etwas spitzen Kniewinkel nimmt man dafür gerne in Kauf. Nicht nur fahrwerkseitig legte Klaus Dony Hand an. Eine von 72,5 auf 75 Millimeter vergrößerte Bohrung beschert der Kawa bei gleichem Hub 68 Kubikzentimeter mehr Hubraum. Dank höherer Verdichtung, anderer Nockenwellen, offenen Luft-filtern, bearbeiteten Kanälen und Flachschiebervergasern von Mikuni stemmt der Motor nun 130 PS auf die Prüfstandsrolle, 30 mehr als vor dem Tuning. Sicher wäre noch mehr drin gewesen, aber das gute Stück soll schließlich halten.

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Foto: jkuenstle.de

Bissige und gut dosierbare Brembo-Monoblock-Stopper sorgen dafür, dass der Youngtimer nicht im Graben landet. Betätigt werden sowohl Bremse als auch Kupplung über Radialbremspumpen von Brembo. Kritikpunkte? Die Kupplung dürfte sich etwas -besser dosieren lassen und wenn man der GPZ richtig die Sporen gibt, vibriert der Vierzylinder deutlich, aber nie wirklich störend. Der österreichische Kunde wird mit seiner neuen alten GPZ jede Menge Spaß haben, soviel ist sicher. Sollte er auch, denn was mit 300 Euro Anschaffungspreis begann, ist jetzt gut 23 000 Euro wert.

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Foto: jkuenstle.de

Technische Daten

Antrieb 
Vierzylinder-Reihenmotor, 4 Ventile/Zylinder, 96 kW (130 PS) bei 10 000/min, Drehmoment: 90 Nm bei 9000/min, 972 cm³, Bohrung/Hub: 75,0/55,0 mm,  Mikuni-Flachschiebervergaser RS 36, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsgang-getriebe, Kette

Fahrwerk 
Stahlrohr-Rückgratrahmen mit geschraubtem Aluheck, Lenkkopfwinkel: 65,0 Grad, Nachlauf: 104 Millimeter, Upside-down-Gabel, Ø Gabelinnenrohr: 38 mm, Zentralfederbein

Räder und Bremsen 
PVM-Schmiederäder, 3.50 x 17 /6.00 x 17, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 190/55 ZR 17, Michelin Pilot Power, 320-mm-Doppel-scheibenbremse mit Vierkolben-Fest-sätteln vorn, Einzelscheibe hinten

Gewicht 
zirka 240 Kilogramm vollgetankt

Preis 
zirka 23 000 Euro

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