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Im Kompakttest geht es um die Bremse der Kawasaki ZX-10R.

Kawasaki Ninja ZX-10R im Kompakttest Nachtest der Bremse

Nachdem die Dosierung der Bremse bei der Kawasaki Ninja ZX-10R Kritik erntete und es noch einiges zu klären gab, hat MOTORRAD noch einmal einen Nachtest durchgeführt.

Bremsen sind schon bauartbedingt ein heißes Thema, und beim Superbike-Vergleichstest in diesem Frühjahr (siehe MOTORRAD 8/2016) waren sie ein besonders heißes. Das lag jedoch nicht nur an den hohen Belastungen auf dem Kurs von Aragon. Denn bei der Kawasaki Ninja ZX-10R erntete die Dosierung der Bremse Kritik. Abgesehen davon, dass man auf der Rennstrecke mehr oder weniger weit in die Kurven hineinbremst, gibt es in Aragon drei Ecken, die bereits in Schräglage angefahren werden.

Die komplette Verzögerungsphase findet dort also in Schräglage statt, und die Kawasaki Ninja ZX-10R ließ dabei das unverfälschte Gefühl für die Wechselwirkungen zwischen Bremse und Vorderreifen vermissen. Das kam für die Tester überraschend, weil sie bei der Präsentation in Sepang mit präziser Rückmeldung und Dosierbarkeit geglänzt hatte. Dort allerdings mit deaktiviertem ABS.

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Beläge beim ersten Test zu spät getauscht?

Nachdem die Testmaschine zu Kawasaki zurückgegangen war, gab es von dort erst einmal einen Rüffel für MOTORRAD. Die Bremsbeläge waren fast komplett verschlissen; dies hätte das teigige Bremsgefühl verursacht. Die Tester hätten die Beläge früher tauschen sollen, zumal sie einen neuen Satz dabeihatten. Richtig ist, dass die Beläge der Kawasaki Ninja ZX-10R mit Abschluss der letzten Testfahrten reif für einen Wechsel waren. Allerdings war auch der am stärksten verschlissene Belag noch nicht bis auf die Trägerplatten heruntergebremst. Dazu ist anzumerken, dass die Belagstärke zu Beginn des Rennstreckentests am Tag vorher sicher noch reichlich bemessen, das Gefühl für die Bremsdosierung aber keinesfalls präziser war. Unterschiede zwischen den nicht einmal halb und den fast ganz abgefahrenen Belägen fielen keinem der Tester auf, auch nicht Christian Kellner, der für MOTORRAD die Rundenzeiten fuhr.

Es gab also einiges zu klären, und Kawasaki stellte deshalb die Testmaschine noch einmal für einen Nachtest beim Speer-Training in Hockenheim zur Verfügung. Mit neuen Reifen und Bremsbelägen sowie den alten und neuen Bremsscheiben. Bei frühsommerlichen Temperaturen hatten es die Reifen der Kawasaki Ninja ZX-10R besser, die in Aragon unter dem kalten Asphalt zu leiden hatten. Die Bremsen aber unterliegen in Hockenheim enormen Belastungen, vor allem am Ende der Parabolica, wo vom sechsten bis auf den ersten Gang heruntergebremst wird. Dort sowie in den Bremszonen vor der Mercedes-Tribüne, der Sachskurve, der Nordkurve und vor der Einfahrt in die Parabolica haben sie sicher verzögert.

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Kawasaki Ninja ZX-10R auf einmal äußerst präzise

Als Kawasaki-Mechaniker Peter Schmidt auf Initiative von Uwe Seitz von der Schwesterzeitschrift PS ein Elektronikbauteil aus dem Rennkit einsetzte und das ABS deaktivierte, zeigte sich, wie es noch deutlich besser geht. Die Kawasaki Ninja ZX-10R ließ sich auf einmal äußerst präzise an den Einlenkpunkt oder bis in den Scheitel der Kurven heranbremsen. Das „Sepang-Gefühl“ war wieder da; es war, als würde man spüren, wie jedes einzelne Loch der Bremsscheiben über die Beläge streicht.

Die Erklärung dafür liegt in der speziellen Abstimmung des ABS. Wenn sehr schnell ein hoher Bremsdruck aufgebaut wird, aktiviert das System den Sekundärkreislauf des Druckmodulators. Vereinfachend ausgedrückt: Es ist bereits aktiviert, obwohl das Vorderrad der Kawasaki Ninja ZX-10R noch gar nicht blockiert. Bei deaktiviertem ABS wirkt der Bremsdruck ohne Umweg auf die Kolben in den Brembo-M50-Zangen. Der kleine Elektronik-Dongle ist mittlerweile frei erhältlich; er kostet zirka 22 Euro. Mit ihm lässt sich wahlweise das Hinterrad-ABS oder das komplette System stilllegen. Nach jedem Aus- und Einschalten der Zündung wird das ABS wieder aktiviert, trotzdem erlischt mit dem Einsetzen des Dongles die Betriebserlaubnis. Man sollte ihn also nicht im öffentlichen Verkehr verwenden. Darüber hinaus empfiehlt Kawasaki, für den Rennstreckeneinsatz die Bremsbeläge bereits zu tauschen, wenn sie etwa halb abgefahren sind.

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