Premiere Kawasaki Versys 1000 Versys mit bissigem Reihenvierzylinder

Ein bissiger Reihenvierzylinder in einem Tourer-Chassis. Mit dem Konzept und der neuen Versys 1000 wildert Kawasaki ab sofort im Revier von Triumph Tiger 1050 und Honda Crossrunner.

Foto: Wrigth

 

Die Produktpalette von Kawasaki deckt mittlerweile so ziemlich jedes Einsatzgebiet ab, mit der neuen Versys 1000 kommt nun ein tourentauglicher Allrounder mit sportlichem Antrieb hinzu. Dafür wurde der Reihenvierzylinder der Z 1000 für den Einsatz in der Versys überarbeitet: Ein niedrigeres Verdichtungsverhältnis, andere Nocken-profile und ein neu gestalteter Brennraum sorgen für mehr Drehmoment im unteren Drehzahlbereich. Das ist zwar spürbar, richtig Spaß macht die Versys dennoch erst bei Drehzahlen jenseits der 6000/min. Schon in der Z 1000 begeistert der Motor mit seiner linearen Leistungsentfaltung. Auch in der Versys zieht das Triebwerk vom Drehzahlkeller bis zum -begrenzer sauber hoch, lediglich zwischen 5000 und 7000/min vibrieren die Fußrasten recht deutlich.

 

Damit die rund 20 Kilogramm mehr und zirka 20 PS weniger als bei der Z 1000 nicht allzu sehr auffallen, gingen die Techniker beim exakt schaltbaren Getriebe einen Kompromiss ein: Erster und zweiter Gang sind kürzer übersetzt als bei der Z, die Gänge drei bis sechs dagegen länger, um den Verbrauch langstreckentauglich zu halten. Bei den durchaus artgerechten Testfahrten auf Teneriffa saugte sich der Motor alle 100 Kilometer rund 6,2 Liter aus dem 21-Liter-Tank.

 

 

Mit 239 Kilogramm ist die Versys kein Leichtgewicht. Einmal in Bewegung, scheint sie die Pfunde jedoch im Minutentakt zu verlieren. Agil und handlich schwingt sie durch Kurven und vermittelt schnell so viel Sicherheit, dass die Rasten bald regelmäßig Boden-kontakt haben. Die Straße windet sich den Berg hinauf, kurze Geraden münden in enge Kurven - die gut dosierbaren Bremsen packen kräftig zu, das fein regelnde ABS lässt den Fußbremshebel pulsieren. Zwei Gänge runtersteppen, abwinkeln, die Rasten kratzen lassen, im Hinterkopf die Sicherheit der in dieser Klasse bislang einzigartigen dreistufigen Traktionskontrolle. 118 PS schreien jetzt nicht gerade nach diesem elektronischen Eingriff, das System soll aber vor allem Rutscher auf nassen Straßen, Rollsplitt oder Laub verhindern. Für solche Straßenverhältnisse bietet die Versys zudem einen Low-Power-Modus, bei dem je nach Motordrehzahl, Drosselklappenstellung und Gangwahl zwischen 25 und 30 Prozent der Leistung gekappt werden. Mit dann bis zu 35 PS weniger wirkt die Kawa regelrecht zugeschnürt, der Spaßvernichter-Modus ist tatsächlich nur für höchst -problematische Verhältnisse geeignet. Für die gebotene Technik, die umfangreiche Ausstattung und gute Tourentauglichkeit ruft Kawa 11 995 Euro für die Versys auf. Zur Optik nur soviel: In natura sieht die Versys -besser aus, als es die Bilder vermuten lassen - ehrlich. 

 

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Foto: Gargolov

 

Technische Daten

 

Antrieb  

Vierzylinder-Reihenmotor, 4 Ventile/Zylinder, 86,8 kW (118 PS) bei 9000/min*, 102 Nm bei 7700/min*, 1043 cm3, Bohrung/Hub: 77,0/56,0 mm, Verdichtung: 10,3:1, Zünd-/Einspritzanlage, 38-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsgang-Getriebe, G-Kat, Kette

 

Fahrwerk  

Leichtmetall-Doppelrohrrahmen, Lenkkopfwinkel: 63 Grad, Nachlauf: 107 mm, Radstand: 1520 mm, Ø Gabelinnenrohr: 43 mm, Federweg v./h.: 150/150 mm

 

Räder und Bremsen  

Leichtmetall-Gussräder, 3.5 x 17/5.5 x 17, Reifen vorn: 120/17 ZR 17, hinten: 180/55 ZR 17, 300-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln vorn, 250-mm-Einzelscheibe mit Einkolben-Schwimmsattel hinten, ABS

 

Gewicht (vollgetankt)  239 kg*

Tankinhalt: 21 Liter Super

Grundpreis  11995 Euro (zzgl. NK)* 

 

PS-Urteil

Triumph Tiger 1050 und Co. sollten sich warm anziehen, denn die neue Versys 1000 bietet mit serienmäßiger Traktionskontrolle und ABS mehr Technik und Sicherheit zum günstigeren Preis. Allen Unkenrufen zum Trotz macht der Vierzylinder jede Menge Spaß und sorgt für gute Fahrleistungen bei akzeptablem Verbrauch - ein echter Allrounder eben. Wenn Kawasaki nun noch etwas an der Optik feilt, dürfte sich die Versys gut verkaufen. 

 

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