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Drei Jahre nach dem Stapellauf der Z 1000 SX verpasst Kawasaki dem beliebten Sporttourer eine Frischzellenkur.

Kawasaki Z 1000 SX im PS-Fahrbericht Mehr Sportler als Tourer?

Drei Jahre nach dem Stapellauf der Kawasaki Z 1000 SX bekommt der beliebte Sporttourer eine Frischzellenkur verpasst. Vollmundig versprechen die Japaner noch mehr Sport. Wir sind sie schon gefahren.

Erst mal checken, ob der neuerdings mit Kawasakis Traktions­kontrolle KTRC aufgerüstete Sporttourer Kawasaki Z 1000 SX tatsächlich Wheelies zulässt. Das haben die Grünen am Vorabend hoch und heilig versprochen. Die schärfste von drei Stufen (eins) einlegen und die Kiste beschleunigen, bis das höchste Drehmoment anliegt. Dann das Kabel vorsichtig straffen und am Lenker ziehen – schwupp, das Vorderrad steigt wie gewünscht gen Himmel.

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Stufe 1 lässt Wheelies zu

Es stimmt also: Trotz elektronischer Überwachung kommen Freunde des gepflegten Einrad-Tanzes mit der neuen Kawasaki Z 1000 SX voll auf ihre Kosten. Auf Position zwei regelt das (abschaltbare) System hör- und fühlbar, doch noch immer erlaubt es Einrad-Artistik. Wer das Vorderrad partout am Boden halten möchte, wählt Stufe drei. Bei dieser Einstellung regelt die Traktionskontrolle bei geringsten Abweichungen von Vorder- und Hinterrad-Drehzahl, was auch Rutscher wirkungsvoll unterbindet. Das ist besonders auf nassen Straßen ein echter Vorteil. Allerdings bremst das KTRC so das Bike bei idealen Bedingungen und herzhaften Spurts aus den Ecken spürbar ein.

Tipp: Sportliche Zeitgenossen wählen auf trockenen Straßen Stufe zwei. Doch Obacht, auch dieses System kann Slides nicht hundertprozentig verhindern, wenn der Pilot in knackiger Schräglage und niedrigem Gang das Gas brutal aufreißt!

Kawasaki spendierte der Z 1000 SX nicht nur eine moderne Elektronik, sondern legte auch bei der Motor-Hardware kräftig Hand an: zahmere Steuerzeiten, vier nun gleich lange Ansaugtrichter, Verbindungskanäle zwischen den Zylindern zur Verringerung der Pumpverluste, direkt von der Frontverkleidung zum Luftfilter führende Ansaugkanäle, größere, nun ovale Interferenzrohre zwischen den Krümmern, eine neue Programmierung der Motorsteuerung und geänderte Auspuffe ohne Klappensystem. Macht unterm Strich eine um vier auf 142 PS angewachsene Nennleistung und ein auf 111 Nm erhöhtes Drehmoment. Dazu sollen die Änderungen auch die Midrange-Power steigern und eine direktere Gasannahme bewirken. Außerdem modifizierten die Grünen die Airbox der Kawasaki Z 1000 SX für ein aggressives Ansauggeräusch.

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Toller Sound und sagenhafter Schub

Ob und wie sich die Modifikationen genau auswirken, lässt sich wohl nur im direkten Vergleich mit der Vorgängerin feststellen. Hier und heute brilliert die neue Kawasaki Z 1000 SX jedenfalls mit tollem Sound und sagenhaftem Schub aus dem Drehzahlkeller. Auch im weiteren Verlauf gibt sich der Motor keinerlei Blöße, im Gegenteil: Um 7000/min legt er nochmals eine Schippe drauf und feuert leidenschaftlich Richtung Maximalleistung, die laut Kawasaki bei 10.000/min anliegt. In gleichem Maße wie die Leistung steigt, sinkt leider auch die Laufkultur. Kawasaki spricht von gewollten Vibrationen, die das „Beschleunigungsempfinden unterstreichen“ – na ja. Da überzeugt uns schon eher der etwas länger übersetzte sechste Gang (plus sechs km/h), da er bei gleichem Tempo die Drehzahlen senkt und zumindest theoretisch mehr Topspeed zulässt.

Neues ABS und Monoblock-Sättel von Tokico

Aus sportlicher Sicht ist bei der Kawasaki Z 1000 SX auch das komplett neue ABS interessant. Das Bosch-System soll schneller Druck aufbauen, feinfühliger regeln und ein abhebendes Hinterrad verhindern. Tatsächlich arbeitet das ABS in sehr kurzen Intervallen – super! Doch Stoppies vereitelt es nicht immer zuverlässig, vor allem bergab stößt es an seine Grenzen. Unabhängig davon profitieren Z 1000 SX-Fahrer von den weiteren Modifikationen an den Bremsen. Erstmals kommen bei einer Kawasaki Monoblock-Sättel von Tokico zum Einsatz. Knackig, transparent, mit stabilem Druckpunkt, klasse Dosierbarkeit und kräftigem Biss: Die Stopper sind der Hit!

Eine bessere Performance bietet auch das Fahrwerk: straffere Abstimmung der Gabeldämpfung, härtere Feder am Federbein, hydraulische Federvorspannung mittels Handrad. Dazu rollt die Kawasaki Z 1000 SX nun auf den sportlichen Sohlen Bridge­stone S 20 in Sonderspezifikation „N“. Warum die Grünen in diesem Zuge nicht gleich auf einen Hinterreifen mit 55er-Querschnitt wechselten, erschließt sich uns nicht. Die Erfahrung lehrt, dass solche Gummis dank ihrer runderen Kontur viel kurvenwilliger sind und sich dazu auf Bodenuneben­heiten weniger aufstellen. Apropos aufstellen: Besonders beim Abwinkeln auf der Bremse braucht der Sporttourer einen deutlichen Lenkimpuls, denn die neue Kawasaki Z 1000 SX wirkt bei dieser Übung recht sperrig. Einmal in Schräglage, zieht die Z 1000 SX allerdings verlässlich und stabil ihre Bahn. Anfängliches Rühren der Hinterhand stellten wir mit einer weiter geschlossenen Zugstufe am Federbein ab.

Neues Koffersystem ist besser integriert

Auch für touristisch orientierte Fahrer hat Kawasaki ein Herz. Das neue Koffersystem (Zubehör) ist nun besser ins Bike integriert und baut zirka 75 Millimeter schmaler als das alte System. Außerdem fallen die Halterungen bei der neuen Kawasaki Z 1000 SX selbst bei abgebauten Koffern kaum auf. Auf den ersten Blick unerkannt bleiben auch die um zehn Millimeter dickeren Sitzpolster für Fahrer und Sozius. 

Eingefleischte Touristen müssen bei der Z 1000 SX allerdings nach wie vor auf ein paar nützliche Features verzichten: Gang- und Außentemperaturanzeige, Hauptständer, variable Sitzhöhe, Steckdose. Eine Ganganzeige fänden sicher auch Sportfahrer spannend. Laut Kawasaki wäre dazu jedoch ein anderes Kurbelgehäuse nötig. Eine gute Partie ist die neue Kawasaki Z 1000 SX aber auch so. Schließlich gibt sie von Anfang an ja mehr den Sportler als den Tourer.

Das Video zum MOTORRAD-Fahrbericht

Video: Fahrbericht Kawasaki Z 1000 SX.
Foto: Kawasaki

Wichtige Änderungen

Antrieb

• mehr Power (142 PS, 111 Nm)
• zahmere Steuerzeiten
• längere Ansaugkanäle zur Airbox
• neues Mapping der Motorsteuerung
• überarbeiteter Auspuff ohne Klappen
• zwei Fahrmodi („Full“ und „Low“)
• längerer sechster Gang

Fahrwerk

• straffer abgestimmte Gabel
• härtere Feder des Federbeins
• Handrad zur Federvorspannung
• Monoblock-Bremssättel
• neues ABS
• Bridgestone-Reifen S 20 „N“
• dreistufige Traktionskontrolle

Sonstiges

• neues Koffersystem

Foto: Kawasaki
Bis Redaktionsschluss stand der Preis der Kawa leider noch nicht fest.
Bis Redaktionsschluss stand der Preis der Kawa leider noch nicht fest.

PS-Daten

Antrieb Vierzylinder-Reihenmotor, vier Ventile/Zylinder, 104,5 kW (142 PS) bei 10.000/min*, 111 Nm bei 7300/min*, 1043 cm3, Bohrung/Hub: 77,0/56,0 mm, Verdichtung: 11,8:1, Zünd-/Einspritzanlage, 38-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk Leichtmetall-Zentralrohr­rahmen, Lenkkopfwinkel: 65,5 Grad, Nachlauf: 102 mm, Radstand: 1445 mm, Ø Gabel­innenrohr: 41 mm, Federweg v./h.: 120/138 mm

Räder und Bremsen Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 17/6.00 x 17, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 190/50 ZR 17, 300-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln vorn, 250-mm-Einzelscheibe mit Einkolben-Schwimmsattel hinten, ABS

Gewicht (vollgetankt) 231 kg, Tankinhalt: 19,0 Liter Super

Grundpreis 12.795 Euro

Foto: Kawasaki
PS-Urteil von Volmar Jacob.
PS-Urteil von Volmar Jacob.

PS-Urteil

Mit den zahlreichen Änderungen wurde die Kawasaki Z 1000 SX deutlich aufgewertet. Sportliche Fahrer profitieren in erster Linie von der Traktionskontrolle, dem strafferen Fahrwerk und dem neuen ABS. Doch bei der Frischzellenkur vermissen wir die letzte Konsequenz, etwa in Sachen Hinterrad-Abhebeerkennung des ABS und Dimension des Hinterreifens.

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