Nach der Modellpflege stellt sich die Frage: Ist sich die Z 1000 SX treu geblieben?

Kawasaki Z 1000 SX im PS-Fahrbericht Starker Sporttourer, Modelljahr 2017

Thema Modellpflege: Ist sich die sportliche Kawasaki Z 1000 SX treu geblieben? Wir haben das bei einer ersten Testfahrt ausprobiert.

Freundlich blinzelt die morgendliche Sonne über die felsige Küste der Côte d’Azur und hüllt die Landschaft in warmes Licht. Dazu leuchtet der Himmel in malerischem Blau, es verspricht ein herrlicher Tag zu werden. Dabei haben wir als letzte Gruppe dieser Präsentation Glück, denn in den Tagen zuvor schickte Petrus ausgiebigen Regen in die Provence. Heute aber herrschen perfekte Bedingungen, ab ins bergige Hinterland für einen ausgiebigen Proberitt mit der neuen Kawasaki Z 1000 SX.

Schon im Vorfeld verkündeten die Grünen für ihren Sporttourer zahlreiche Änderungen. Verkleidung mit besserem Windschutz, bequemere Sitze, komfortablere Fahrwerksabstimmung, längere Spiegelausleger, neues Cockpit mit zusätzlichen Funktionen: Die Kawasaki Z 1000 SX soll alltagstauglicher werden, ohne die wichtigen sportlichen Attribute aufzuweichen. Klingt nach Quadratur des Kreises. Optisch zumindest ist den Designern der Spagat hervorragend gelungen. Die Tausender sieht schärfer aus denn je, mit Linien à la Superbike ZX-10R. Dass sich Form und Funktion nicht zwangsläufig ausschließen, zeigen auch die schmalen Scheinwerfer. In ihnen arbeiten leistungsfähige LED-Leuchten, die 1,4-mal heller strahlen sollen als das bisherige Licht.

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Ausgeprägtes Aufstellmoment beim Bremsen

Die Tour führt über die A8 vorbei an Cannes durch die Parfümstadt Grasse und weiter Richtung Nordwesten auf der Route Napoléon. Endlich die versprochenen Kurven und wenig Verkehr, ballern, yes! Anfangs lenkt die Kawasaki Z 1000 SX etwas sperrig ein, was sich aber im Laufe des Tages seltsamerweise von selbst korrigiert. Entweder haben sich die Tester an diese Eigenart gewöhnt.

Oder aber, und das ist wahrscheinlicher, haben sich gestiegene Straßen- und damit auch Reifentemperaturen positiv aufs Fahrverhalten ausgewirkt. Denn vormittags auf knapp 1.200 Metern Höhe war es Ende Oktober mit drei bis maximal sieben Grad schon recht frisch. Doch selbst später mit durchgewärmtem Gummi bleibt der Kawasaki Z 1000 SX eine ungeliebte Eigenart: ausgeprägtes Aufstellmoment beim Bremsen in Schräglage. Das liegt maßgeblich an der Serienbereifung Bridgestone S 20 in Sonderspezifikation „N“. Die in die Jahre gekommene Pelle konnte schon auf der Vorgänger-SX nicht überzeugen. Hier hat Kawasaki die Chance vertan, dem Sporttourer modernere Sohlen zu spendieren.

Trotzdem macht es riesig Laune, den Powerbolzen durch die Bergwelt zu scheuchen. Etwas Körpereinsatz genügt, schon gerät der Pilot in diesen magischen Kurven-Flow, der ihn alle Unzulänglichkeiten vergessen lässt. Auch die vier zusätzlichen Kilo sind egal, mit denen die Kawa jetzt an der 240-Kilo-Marke kratzen dürfte. Mit steigendem Speed schwingt sich die Kawasaki Z 1000 SX allerdings etwas auf, vor allem achtern wirkt sie leicht instabil. Absteigen, Dämpfung checken. Das obligatorische Drücken aufs Heck entlarvt eine zu lasche Abstimmung. Also etwas am Einstellschräubchen gedreht, auch an der Gabel, und schon pfeffert die Fuhre spürbar satter durchs Geläuf. Bodenunebenheiten dringen nun allerdings deutlicher zum Fahrer durch, die Fuhre wirkt unkomfortabler. Was ist besser? Geschmackssache. Der weite Einstellbereich, vor allem am Federbein, ermöglicht für jeden Popometer ein passendes Setup. Eine Feinabstimmung inklusive Tipp folgt bei einem ausführlichen späteren Test.

Modernste Elektronik steuert nun die Fahrassistenzen

Hier und heute können wir aber schon viel über das neu abgestimmte ABS der Kawasaki Z 1000 SX berichten. Dank moderner Trägheits-Sensorik, die den Fahrzustand genau erfasst (Stichwort IMU), regelt das System erfreulich spät und verhindert zudem verlässlich den Abflug über den Lenker durch eine steigende Maschine. Die neue, vom Volksmund üblicherweise als Kurven-ABS bezeichnete Fahrassistenz erlaubt zudem Vollbremsungen selbst in kühner Schräglage. Ein Pulsieren am Hebel zeugt von den Regelintervallen. Dazu beißen die Stopper nach wie vor kräftig zu, lassen sich bestens dosieren und liefern einen knackigen Druckpunkt – Hammer!

Die zeitgemäße Elektronik steuert auch die dreistufige Traktionskontrolle. Je nach Position greift sie früher oder später ein. Fürs Landstraßenglühen taugt Einstellung zwei hervorragend, da sie zwar spät, aber selbst für ambitionierte Streifzüge nicht zu spät eingreift. Wer mit der Kawasaki Z 1000 SX Wheelies ziehen möchte, muss die TC allerdings deaktivieren. Jede der drei Stufen stoppt den Einradtanz spätestens nach einem kurzen Hüpfer. Schade, denn die jetzige Hardware hätte es sicher erlaubt, Traktions- und Wheeliekontrolle getrennt zu regeln.

Was fehlt zu guter Letzt? Richtig, der Motor. Dessen Innereien blieben komplett unangetastet, lediglich die Motorsteuerung (Mapping) stimmten die Ingenieure neu ab. Das genügte offenbar, um Leistung und Drehmoment auf bisherigem Niveau (142 PS, 111 Nm) zu halten – Chapeau! Euro 4 forderte lediglich den Einsatz größerer Katalysatoren und einen Aktivkohlefilter zur Tankentlüftung. An der Peripherie spendierte Kawasaki der Z 1000 SX eine feine Anti-Hopping-Kupplung, federleichte Bedienung dank Servo-Unterstützung inklusive.

Ihr rauer Charme ist der Kawasaki Z 1000 SX dennoch geblieben. Powervoller Antritt, aggressives Auspuffbellen, kerniger Motorlauf: ein wohlbekanntes Gefühl. Das beantwortet auch die eingangs gestellte Frage: Ja, die Kawasaki Z 1000 SX ist sich treu geblieben. Fans wird’s freuen, und auch Kritiker müssen anerkennen, dass die gezielten Änderungen den Sporttourer deutlich aufgewertet haben. Dass Kawasaki die Maschine mit 12.995 Euro einpreist, ist ebenfalls erfreulich. Treuetest bestanden.

Wichtige Veränderungen

Motor & Peripherie

  • neues Mapping der Motorsteuerung
  • größere Katalysatoren
  • Anti-Hopping-Kupplung mit Servo-Unterstützung
  • Aktivkohlefilter zur Tankentlüftung

Elektronik

  • Inertial Measurement Unit (IMU) zur Erkennung des Fahrzustands und Steuerung der elektronischen Fahrassistenzen

Fahrwerk

  • komfortablere Abstimmung der Federelemente
  • andere Umlenkung des Federbeins
  • neu abgestimmtes ABS mit Kurvenfunktion

Verkleidung/Sonstiges

  • größere Verkleidung und Windschild
  • LED-Beleuchtung
  • größere, komfortablere Sitze
  • um fünf Millimeter abgesenkte Sitzposition
  • neue Spiegel mit längeren Auslegern
  • neues Cockpit mit Ganganzeige und zusätzlichen Funktionen

Technische Daten Kawasaki Z 1000 SX

Antrieb

Vierzylinder-Reihenmotor, vier Ventile/Zylinder, 104,5 kW (142 PS) bei 10.000/min, 111 Nm bei 7.300/min, Bohrung/Hub: 77,0/56,0 mm, 1043 cm3, Verdichtungsverhältnis: 11,8:1, Zünd-/Einspritzanlage, 38-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbad-Anti-Hopping-Kupplung, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk

Leichtmetall-Zentralrohrrahmen, Lenkkopfwinkel: 65,5 Grad, Nachlauf: 102 mm, Radstand: 1.445 mm, Ø Gabel­innenrohr: 41 mm, Federweg v./h.: 120/138 mm

Räder und Bremsen

Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 17/6.00 x 17, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 190/50 ZR 17, 300-mm-Doppelscheibenbremse mit Vierkolben-Festsätteln vorn, 250-mm-Einzelscheibe mit Einkolben-Schwimmsattel hinten, AB

Gewicht

(vollgetankt)  235 kg; Tankinhalt: 19,0 Liter Super

Grundpreis

12.995 Euro

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