Kawasaki Z 1300 Kult-Bike mit wassergekühltem Reihensechszylinder.

BMW bietet neuerdings ein Motorrad mit wassergekühltem Reihensechszylinder an. Na und! So etwas hatte Kawasaki schließlich schon vor über 30 Jahren im Programm.

Foto: Archiv

Genug ist nie genug. Da ging immer noch mehr, denn in den späten 70er-Jahren des letzten Jahrhunderts kannte das Wettrüsten in der Motorradbranche und speziell bei den japanischen Herstellern keine Grenzen: fetter, schwerer, schneller. Ob so ein Motorrad im Alltagsbetrieb fahrbar war, spielte keine wirkliche Rolle. Hauptsache, das Ding hatte Dampf, erregte Aufsehen und war größer als die Konkurrenzmodelle. Kawasaki kam mit der Z 1300 spät, aber gewaltig. Mit 27 Litern vollgetankt wog der 1978 präsentierte Sechszylinder 330 Kilogramm und damit einen Zentner mehr als der auch nicht gerade untergewichtige "Sechsprotz Honda CBX. Wasserkühlung und Kardanwelle fielen voll ins Gewicht. Offen leistete die Kawasaki 120 PS, in Deutschland wurde sie im Rahmen der "Selbstbeschränkung der Motorradhersteller und -importeure" offiziell nur mit politisch korrekten 100 PS angeboten.

1984 bekam die Wuchtbrumme eine etwas größere Modellpflege spendiert und endlich die lange erwartete, von der Z 1100 FI GP bekannte und beim US-Modell längst verbaute, vollelektronische Benzineinspritzung anstelle der drei Mikuni-Doppelvergaser. Diese spritsparende und durchzugsfördernde Maßnahme bescherte der Z 1300 DFI eine offene Leistung von 130 PS.

Damit ist bei maximal 215 km/h Feierabend, und jede moderne 600er beschleunigt besser. Die Z 1300 liegt ähnlich gut im Wind wie eine Schrankwand und hat den Verbrauch eines Siebeneinhalbtonners. Schräglagenfreiheit? Ja, schon mal gehört - aber nicht bei der Z 1300. Doch das einmalige Motorengeräusch, das turbinenartige, nahezu vibrationsfreie Hochdrehen, das gewaltige, pure Unvernunft ausstrahlende Äußere und die für Menschen ab 1,90 Meter perfekte Sitzposition machen die Z 1300 zum Kultobjekt. Zudem lässt sich die Dicke deutlich leichter beherrschen, als es der erste Anschein glauben macht - eben vorausgesetzt, dass ihr Fahrer keinerlei sportliche Ambitionen hat. Die Z 1300 ist der ideale Gleiter, eine zuverlässige und äußerst komfortable Fernreisemaschine. Große Sorgen um ein der Leistung und Masse nicht gewachsenes Fahrwerk muss sich der Z 1300-Treiber nicht machen, denn die Rahmenbedingungen, die Reifen und auch die Bremsen passen bestens zum Dickschiff - eine Tatsache, die vor gut 30 Jahren noch längst nicht selbstverständlich war.

Bis 1989 gabs den Sixpack neu zu kaufen. In den USA bekam die Z 1300 eine Vollverkleidung, Koffer sowie Topcase verpasst und brachte als Z 1300 Voyager satte 408 Kilogramm auf die Waage - ohne Fahrer, versteht sich. Dieser Reisedampfer kam nie offiziell, dafür aber in durchaus nennenswerter Stückzahl über Parallel-Importeure ("Grauhändler") nach Deutschland.

Wer heute eine Z 1300 haben möchte, ist ab 5000 Euro für eine Baustelle oder ab 8500 Euro für eine Sahneschnitte dabei. Um die 1000 Exemplare dürften überlebt haben. Die IG Z 1300 kümmert sich seit 1994 recht rührig um den Brocken, veranstaltet regelmäßig Treffen und pflegt einen nett gemachten Internetauftritt (www.z1300.net). Im Kreis der frühen Sechszylinder-Schätzchen, also zusammen mit der Benelli 900 Sei und der Honda CBX, ist die Z 1300 der mit Sicherheit alltagstauglichste Brummer. Warum also BMW kaufen?

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