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In Holgers Lastenheft stand die Langstreckentauglichkeit nicht ganz oben. Dafür aber maximaler Spaß beim Fahren!

Leser bauen selbst - Kawasaki Z 750 B Umbau zum Tracker und Cafe-Racer

Wer scharfe Café Racer und böse Tracker nur in zwielichtig-großstädtischen Hinterhöfen verortet, kann satt danebenliegen. Wie die sauberen und stilsicheren Twins von Holger Breuer beweisen.

Kawasaki Z 750 B

Zugegeben: Der Mann sieht nicht unbedingt aus, als wohne er im tief-ländlichen Raum. Modisch, lässig, trainiert, gebräunt. Was bei genauerem Nachdenken allerdings nur beweist, wie wenig nachgedacht wird: Es gibt heute keine Provinz mehr, in Husum/Niedersachsen laufen manche rum wie in Hamburg, und der Molkerei-Angestellte Holger Breuer interessiert sich schon länger für radikale Motorradumbauten als die meisten jener Berliner Freiberufler, die damit angeblich auf die Welt gekommen sind.

Wobei interessiert die Sache nicht ganz trifft. Es kam über ihn. Brach hervor, als wegen Eigenheim, Familie und so zum Fahren nur noch eine Suzuki LS 650 Savage da war. Bis dahin hatte der heute 32-Jährige bewegt, was junge Leute eben bewegt. 600er-Supersportler, gern auch auf der Rennstrecke. An einer verunfallten Kawasaki Z 750 B dieser Gattung hatte der gelernte Betriebselektriker erste kosmetische Arbeiten vorgenommen, aber die Suzuki brauchte mehr als nur Kosmetik. Am Ende sah sie anders aus. Wie? Weiß Holger nicht mehr so genau. Auf jeden Fall konnte er sich wieder auf die Rehburger Straße trauen, die Magistrale von Husum.

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Von den Werken der Wrenchmonkees aus Kopenhagen inspiriert

Stimmt schon, dass dieser Cruiser-Bopper-Mix nicht unmittelbar in die Design-Geschichte des Motorrads eingehen wird. Aber er hat seinen Zweck erfüllt: Spaß gemacht und Hürden eingerissen. Bei Holger nämlich, der zunächst gar keine Traute fand, sein Werk dem TÜV vorzustellen. Ein Kumpel musste vorfahren und die Plakette holen. Das nährte Holgers Mut und Neugier. Internet gibt’s auch in Husum, und so zogen bald Hunderte Racer, Tracker, Bopper durch seine Träume.

Besonders intensiv beschäftigten ihn die Werke der Wrenchmonkees aus Kopenhagen. Deren Bikes tun nämlich das, was Harleys heute nur noch versprechen - ein Lebensgefühl ausstrahlen, eine Weltsicht. Anmacher, Anheizer, Abhauer. Pure Maschinen, gespickt mit Stil-Zitaten aus den großen Jahrzehnten des Motorradbaus, nur deshalb gebaut, damit sich ein luftgekühlter Verbrennungsmotor in Szene setzen kann. Karre nennt Holger so was, und das wollte er nun ebenfalls erschaffen.

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Der ganze Z-mäßige Kitsch muss weichen!

Zu den unbestreitbaren Vorteilen des Landlebens zählt, dass überall Kumpel wohnen. Man hilft sich. Nicht nur bei der Freiwilligen Feuerwehr, sondern auch mal mit einem günstigen Motorrad. Einer, der eigentlich in Autos macht, hatte eine Kawasaki Z 750 B zu stehen. Die gab es fast geschenkt, aber trotzdem: Man muss schon unbeirrbare Visionen haben, um sich diesen biederen und schweren Zweizylinder als schlanken Café Racer vorstellen zu können.

Holger Breuer kann das, auch inspiriert durch Kopenhagener Vorlagen. Der ganze Z-mäßige Kitsch muss weichen und wird bei eBay eingestellt. Motor, Fahrwerk und Tank dürfen bleiben. Alles wird demontiert, gesichtet. Holger ist schnell, und er ist pragmatisch: Den Motor lässt er komplett strahlen. Dann erst zerlegt er ihn. Ruck, zuck hat er Teile zum Säubern, Hohnen und Beschichten verteilt, kann sie kurz darauf wieder einsammeln und den Aufbau starten. Was erneuert werden muss, ist längst bestellt, das dauert keine zwei Abende. Dann den restaurierten Motor ins Fahrwerk, Tank drauf. Er hat Accessoires gesammelt. Im Internet ersteigert oder sonst wo aufgetrieben. Er hat Ideen für Sitzbank, Rasten, Instrumente. Das Projekt gedeiht. Ruhiger jetzt. Und dann passiert es, dann sieht er auf einmal das komplette Motorrad vor sich, fühlt, wie es lackiert werden muss.

Sofort zieht das Tempo wieder an. In Holgers kleiner Werkstatt neben dem Carport wird es schnell luftiger. Die Lackteile kommen zurück, werden sofort montiert. Gehobenes Handwerk, die künstlerische Arbeit ist längst getan. Die Elektrik baut und prüft Holger selbst, ist klar. Zuletzt kommt Marian ins Spiel, der Kumpel für die Motoren. Er betreibt ganz in der Nähe den Laden Bikemaster900, da dreht sich alles um alte Kawas. Marian drückt als Erster aufs Knöpfchen, macht die Abstimmung. Fertig.

Im Kunstunterricht war Holger gut, ist aber nie als Genie aufgefallen. Vielleicht hatten sie dort die falschen Themen, denn am Motorrad zählt er mindestens zu den Hochbegabten. Seine Bikes erzeugen Wohlgefallen. Und sie erregen. Sie sind harmonisch. Und sie haben genau da Haken, wo Haken hingehören. Drei Umbauten hat Holger auf Z 750-Basis erstellt - einer schöner als der andere. Zwei Racer, einen Tracker, besser als bei den Wrenchmonkees. Auf jeden Fall sauberer aufgebaut. Das muss bei Holger, sogar sein Rasenmäher sieht so aus. Blitzeblank. Routine? Okay, die Angst vorm TÜV hat Holger abgebaut. Aber ansonsten steht er auf Wagnis, auf Experimente. Gerade hilft er Arbeitskollegen bei zwei Projekten.

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Der eine, das geht ja noch, will eine Vierzylinder-Kawasaki Z 650, der andere eine BMW R 45 ins ästhetische Jetzt befördern. Einen 1000er-Boxer wollen sie einbauen. Holger ist begeistert und verspricht: Nie wird eine R 45 weniger nach Fahrschule aussehen. Er selber hat noch eine Z 750 aufgetrieben, die vorerst Letzte. Die Idee: Ein Motorrad um eine alte lederne Werkzeugtasche herum bauen. Doch die zum Stil des Motorrads passende Lackierung harmoniert nicht mit der Lederfarbe. Die Ledertasche muss also noch warten. Bis zum nächsten Umbau.

Foto: Siemers
Seit es ihn gepackt hat, kann Holger Breuer nicht mehr ohne Custom-Projekt: Gleiche Basis, anderer Stil - Holgers Café-Racer-Umbau der Kawasaki Z 750 B.
Seit es ihn gepackt hat, kann Holger Breuer nicht mehr ohne Custom-Projekt: Gleiche Basis, anderer Stil - Holgers Café-Racer-Umbau der Kawasaki Z 750 B.

Holgers Café Racer

Seit es ihn gepackt hat, kann Holger Breuer nicht mehr ohne Umbau-Projekt. Jedes Jahr von vorn. Drei Kawasaki Z 750 B hat er schon neu gestaltet - zu besichtigen auf seiner schön gemachten Website www.hb-custom.de. Vor seinem Tracker hat er zwei flache Racer erstellt, und dieser hier rennt nicht nur gut, der stoppt auch brutal. Dank Radial-Bremspumpe eines aktuellen Kawa-Supersportlers.

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