Test: Tuning-Yamaha Racebike: Klein-Yamaha XJR 1300

Stahl, poliertes Aluminium, Edelstahl und immense 1300 Kubik beim PS-TunerGP. Kein Leichtbau, keine Verkleidung - Stoff für einen Thriller liegt in der Luft.

Foto: jkuenstle.de

Packend wie ein Thriller ist die Geschichte, die Dominik Klein über sein Yamaha XJR 1300-Projekt erzählen kann. Stolz berichtet er von der Idee, mit einem fetten Old School-Naked-Dampfer am PS-TunerGP teilzunehmen. Erzählt von mysteriösen Wegen, auf denen viele Spezialteile zu ihm und seiner XJR gefunden haben. Weder Opfer noch Mühen hat er gescheut, viele Parts wurden extra für diese Schönheit gebaut. Und während er erzählt, heizen die Reifenwärmer die Slicks auf.

Der Startschuss fällt, ich brenne mit der mächtigen Yam um den Hockenheimer Kurs. Völlig ruhig und zielgenau zieht sie ihren Strich, fliegt vehement der Sachskurve entgegen. Erhaben ist das Gefühl beim Anbremsen. Die gemessene Bremsverzögerung von 10,2 m/s² zeigt, wie heftig die Zangen einer Yamaha MT-01 die Bremsscheiben in die Mangel nehmen und einen Bestwert erzielen. Somit ist das Abtauchen der Gabel völlig legitim, ebenso das  leicht tänzelnde Heck. Die XJR vermittelt ab dem ersten Meter Vertrauen zum Vorderrad und macht so diese Bremsattacken erst möglich. Ihre überraschende Handlichkeit verleitet dazu, immer schneller dem Scheitelpunkt entgegen zu schießen, doch leider wird die Schräglagengier trotz einer satten Höherlegung des Bikes geräuschvoll vom aufsetzenden Seitenständer eingebremst. Ständer demontiert, Problem beseitigt. Beinahe, jetzt setzt nur noch der weiter innen liegende Ständerhalter auf - allerdings erst sehr viel später.

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Foto: Jahn

Ebenso unerwartet wie das rennmäßige Chassis kommt der XJR-Motor daher. Das Vergaser-Triebwerk feuert die Yam in wenigen Sekunden auf 210 km/h, jenem Wert, bei dem die Nadel des analogen Tachos an den Anschlag andockt. Den Vierzylinder interessiert das nicht, er dreht munter weiter. Erst bei 249 km/h (eine Serien-XJR 1300 fährt 212 km/h Spitze) auf der zusätzlichen digitalen Anzeige grätscht der Begrenzer ein. Wie geil ist das denn, die XJR geht wie die Hölle.

Zurück in der Box, will das Grinsen im Gesicht einfach nicht verschwinden. Und Dominik erklärt, wo der enorme Schubzuwachs und die Fahrwerksqualitäten herkommen. Massive Eingriffe an Zylinderkopf, Zündung, Luftfilter, Auspuff und Vergaser sorgen dafür. Die langen Schaltwege kaschiert der exakt justierte Schaltautomat. Für das stabile Fahrverhalten zeichnen die Schwinge und die zusätzlichen Rahmenstreben von Over-Racing sowie die überarbeitete Gabel aus einer MT-01 samt den BKG-Gabelbrücken verantwortlich.

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Foto: Jahn

Das Heck hat Dominik mittels der Öhlins-Federbeine um zwölf Millimeter angehoben und zudem noch höhere Reifen in der Dimension 190/55-17 auf einer schmalen 5.75-Zoll-Felge montiert. So gewinnt die XJR die dringend nötige Schräglagenfreiheit. Während Dominik auftankt, plauderte er weiter über Details, kriecht immer tiefer in seine XJR: Die Fußrasten sind  eine BKG-Einzelanfertigung, Akrapovic-Auspuffanlage, LSL-Lenker...

„Sorry Dominik, ich gebe auf!“ Frech nutze ich eine kurze Atempause des saarländischen Tuners und schwinge mich wieder auf die  wunderbare Wuchtbrumme. Dieser XJR-Thriller hat ein Happy End, denn ich fahre das am meisten unterschätzte Bike des PS-TunerGP. Wer so ein XJR-Schmuckstück noch in der Garage hat, sollte sich mal überlegen, -damit bei Klein vorbei zu fahren. Nur mal um zu gucken, gell?!

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