KTM 1290 Super Duke R.

KTM 1290 Super Duke R im PS-Fahrbericht Alles neu im Modelljahr 2017?

Die neue KTM 1290 Super Duke R sieht nicht nur gespenstischer aus als ihre Vorgängerin. Das Naked Bike hat auch in Sachen Fahrwerk, Motor und vor allem Elektronik höllisch zugelegt. Nichts für schwache Nerven!

Der neue, sehr flache Scheinwerfer soll designtechnisch seine Inspiration aus einem Gemälde geholt haben, auf dem ein gesichtsloser Mönch die Kutte tief über den Kopf gezogen hat. Dieser gespenstische Moment hat sich tatsächlich in das Antlitz der neuen KTM 1290 Super Duke R übertragen. „Mit der Neuauflage wollen wir schon erschrecken“, sagt Christos Filippidis, Marketingmanager bei KTM in Mattighofen dann auch zum Auftritt des Naked Bikes. Jedem Betrachter soll gleich gewahr werden, dass ein Ritt auf der 1290er kein Kinderfasching ist. Ist es auch nicht! Brachiale 177 PS in einem Naked Bike klingen für softe Mitmenschen schon gruselig. Wenn sich die KTM aus der Kurve heraus bei Drehzahlen unter 4.000/min mit einem Drehmoment von über 100 Nm wie ein Monster aufbäumt, gefriert das Blut in den Adern. Oder gerät bei all jenen gewaltig in Wallung, die solche Extreme lieben. Dazu haben die Ingenieure in Mattighofen die schon großartige Vorgänger-Duke insgesamt einfach noch ein bisschen geiler gemacht.

Anzeige

Twin begeistert mit sanftem Ansprechverhalten

Eben auch den potenten Zweizylinder, dieses Manifest verbrennungsmotorischer Großartigkeit. Seine hohe Laufkultur hat er auch mit Euro 4 behalten und soll trotz gesenktem Spritverbrauch noch vier PS mehr Spitzenpower liefern. Auf unseren Turns über die Rennstrecke von Doha begeistert der Twin der KTM 1290 Super Duke R mit sanftem Ansprechverhalten im Drehzahlkeller und einer trotzdem brachialen Kraftentfaltung, die man speed- und spaßbringend mit jedem feinen Dreh am Ride-by-Wire-Gasgriff weiter steigern kann. Die überarbeiteten Zylinderköpfe mit den neuen Resonatoren und den für mehr Spitzenleistung um zehn Millimeter kürzeren Ansaugtrichtern leisten hier ganze Arbeit und gönnen dem neuen Triebwerk oben heraus ein noch mal um 500/min erweitertes Leistungsband. Zur Drehfreude des Big Twin tragen auch die modifizierte Kurbelwelle und die neuen, leichteren Kolben bei.

The Beast is back. PS-Leitender Redakteur Uwe Seitz hat die neue KTM 1290 Super Duke R 2017 in Katar gefahren.

Wie sieht es beim Fahrwerk aus?

Haken wir den Zweizylinder mit der erhöhten Verdichtung und neuen Titan-Ventilen aber an dieser Stelle als äußerst gelungen ab und kommen zum Fahrwerk. Bisher kritisierten wir das schwache Ansprechverhalten der Federelemente gerade auf holprigem Asphalt. Den bot uns KTM zum Vergleich auf dem tadellos asphaltierten Losail-Circuit allerdings nicht an. Für ein abschließendes Urteil müssen wir also auf die Testrunden über unsere PS-Hausstrecke warten. Aber was das etwas schwammige Feedback besonders vom Vorderrad angeht, ist die neue KTM 1290 Super Duke R eindeutig besser als das Vorgängermodell. Die knackigeren Federn in Gabel und Federbein steigern eindeutig die Transparenz. Dazu kommt der jetzt breitere, flachere und tiefer und weiter vorn angebrachte Lenker, der dem Piloten das Vorderrad eindeutig besser in die Hand gibt und überhaupt eine aktivere Sitzposition ermöglicht.

"Track Pack" muss beim Händler freigeschaltet werden

Die größte Neuerung betrifft jedoch die Elektronik. Neben dem Funkschlüssel, den man nur irgendwo bei sich tragen sollte, sind Kurven-ABS und via IMU geregelte Traktionskontrolle jetzt serienmäßig an Bord der KTM 1290 Super Duke R. Ebenso wie ein Tempomat. Drei Modi, nämlich Sport, Street und Rain, können angewählt werden, regeln die Leistungsentfaltung und automatisch auch die jeweils an den Modus angepasste Schlupfregelung. Wer es supersportlicher möchte und neben einer Launch- und Wheelie-Kontrolle die Traktionskontrolle – auch während der Fahrt – anpassen möchte, muss das „Track Pack“ (340,46 Euro) beim Händler freischalten lassen.

"Performance Pack" kostet 535,50 Euro

Neben der neunfach verstellbaren TC bekommt er dazu auch den vierten Modus „Track“ für eine spitzere Leistungsentfaltung des Motors. Mit den Schaltern auf der linken Lenkerseite lässt sich das individuelle Setup erstellen und dank Track Pack auch für den nächsten Turn abspeichern. Für Fahrer mit innerer Abneigung gegen Wheelies funktioniert die Kontrolle selbiger sehr gut, auch wenn das Vorderrad immer noch gern unter dem Drehmoment leicht abhebt. Wer mit der KTM 1290 Super Duke R auch mal ein Rennen fahren will, kann mit der Launch-Control beruhigt den Gashahn spannen, die Kupplung erstaunlich zügig rauslassen und nervenschonend bis in den dritten Gang Meter machen, ohne auch nur einmal vom Gas gehen zu müssen. Dazu ist jedoch der Quickshifter+, der Schaltassistent mit Blipperfunktion (389,19 Euro), Pflicht. Wer gleich 535,50 Euro investiert, bekommt im „Performance Pack“ neben dem Quickshifter noch das MSR. Dieses Elektronikfeature regelt das Motorschleppmoment und hebt je nach Schaltvorgang beispielsweise am Kurveneingang die Drehzahl an. Insgesamt funktionierte das System auf der Rennstrecke mit technisch schwierigen Ecken sehr gut, wenn es auch beim Herunterschalten in den zweiten Gang nicht immer ganz geschmeidig zuging.

Diese Augen lügen nicht!

Wer also fast 1.000 Euro extra in die Elektronik investiert, bekommt ein vollends extrem sportliches Naked Bike, das eigentlich ein unverkleidetes Superbike ist. Damit unterstreicht KTM, dass die 1290 Super Duke R anno 2017 noch weiter davon entfernt ist, angepassten Alltags-Aktivisten der geeignete Untersatz zu sein. Schaut dem Biest ins Antlitz, dann steigt auf und fahrt eine Runde: Diese Augen lügen nicht! Wer ein gerüttelt Maß an Unvernunft in einem technisch blitzsauberen Powerbike sucht, den gruselt an dieser KTM 1290 Super Duke R vielleicht nur noch der Preis der Vollausstattung!

Weitere Features für die Rennstrecke

Das Standardmodell der KTM 1290 Super Duke R, sofern die Elektronikpakete „Track“ und „Performance“ an Bord sind, ist schon extrem sportlich. Mit serienmäßigem Lenkungsdämpfer und feisten Brembo M50-Monoblock-Stoppern, die klasse dosierbar sind und auf sehr hohem Supersport-Niveau verzögern. Das kurvenaktive ABS regelt sehr spät, lässt sich auch dauerhaft deaktivieren (mit Dongle für knapp 116 Euro) oder im „Super­moto“-Modus sogar so einsetzen, dass hinten eingeleitete Bremsdrifts drin sind.

Performance für die Rennstrecke steigern

Trotzdem lässt sich die Performance für die Rennstrecke noch steigern. Schon das Sitzgefühl ist über den Racinghöcker deutlich aktiver. Dieser platziert den Racer noch einen Tick höher über dem Lenker, was das Gefühl für die Front nochmals verbessert. Wer das Geld für Rennteile in die Hand nimmt, sollte dann auch geich die dreifach geklemmte WP-Racing-Gabelbrücken-Einheit mit dazu nehmen. Dieses sehr steife Bauteil gibt einem das Vorderrad quasi in die Hand. Mit den Racing-Rasten steigt die Schräglagenfreiheit mit der der KTM 1290 Super Duke R, und die Akrapovic-Komplettanlage hebt richtig abgestimmt die Leistung noch mal um ein paar PS und sorgt für noch brachialeren Anriss beim Gasgeben. Für die aufgezählten Features muss man dann allerdings zusätzlich zirka 4.000 Euro investieren.

Artikel teilen

Anzeige

Aktuelle Gebrauchtangebote