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In MOTORRAD 19/2015: Modellpflege KTM 690 Duke.

KTM 690 Duke (Modelljahr 2016) im Fahrbericht Neuer Motor, viel Elektronik

Im Single-Geschäft macht KTM inzwischen niemand mehr etwas vor. Die KTM 690 Duke steht schon seit einigen Jahren ziemlich alleine da. Für 2016 legt der rührige Hersteller nach. Neuer Motor, viel Elektronik, neues TFT-Display. MOTORRAD-Chefredakteur Michael Pfeiffer fuhr sie exklusiv.

Die Einzylinder von KTM verkaufen sich blendend. Logisch, denn sie sind absolut konkurrenzlos. Fast 70 PS aus 690 cm³, da wagt sich kein Hersteller mehr dran. Damit das so bleibt, haben die rastlosen Österreicher den Motor komplett überarbeitet. Mit größerem Kolben, aber kürzerem Hub kann er noch höher drehen. Größere Ventile sorgen für mehr Leistung, und eine im Zylinderkopf untergebrachte zweite Ausgleichswelle tilgt Vibrationen. Der Hubraum bleibt bei 690 cm³, viel mehr will mir Thomas Kuttruf, Pressechef und mit einer offensiven Grundhaltung zum Thema Gasgriffstellung gesegnet, nicht verraten. Kutti fährt vor, mit einer 1290er-Super-Duke, und irgendwie komme ich mir auf dem kleinen Single benachteiligt vor. Wie um alles in der Welt soll ich da auf der KTM 690 Duke hinterherkommen?

Die Frage klärt sich schnell. Denn der überarbeitete 690er zieht ab wie eine Rakete. Schon unter 3000/min liefert er druckvollen Punch, ab dem nächsten 1000er-Schritt geht es ab. Und dann dreht das Biest höher und immer höher, erst über 8500/min lässt sein Eifer nach. Und Kutti? Ist eigentlich auch kaum schneller. Zumal es hier in der Umgebung von Mattighofen, dem Stammsitz von KTM, ziemlich kurvige Erlebnisstrecken gibt. Die Kutti natürlich alle kennt. Die aber mit der 690er locker von der Hand gehen. Diese spielerische Leichtigkeit, mit der die KTM 690 Duke Linien auf die Straße malt, ist einzigartig. Etwas über 160 Kilogramm vollgetankt, um die 74 PS Leistung, eher schma­le Reifen und ein breiter Lenker, was will der Landstraßenfeger mehr? Nix. Diese Maschine macht definitiv Laune. Und mein Grinsen wird immer breiter. Kutti grinst auch: „Und, was sagst du zum Motor?“ Sensationell, fällt mir dazu nur ein.

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Motor läuft ohne Fehl und Tadel

Es gab eigentlich nur einen Single, der so laufruhig war wie der neue 690er: der 750er-DR-Big-Motor von Suzuki. Hatte auch zwei Ausgleichswellen, aber war schwer und gerade mal 50 PS stark. „Und das alles jetzt mit Euro 4.“ Kutti, dessen Job es natürlich ist, von KTMs begeistert zu sein und damit auch beispielsweise mich anzustecken, ist sichtlich stolz auf die KTM-Entwickler. Aber, das muss man sagen, er kann es auch sein. Der neue Motor der KTM 690 Duke läuft ohne Fehl und Tadel. Er bleibt natürlich ein Einzylinder, was bedeutet, dass man in der Stadt eben nicht im sechsten Gang rumrollen kann. Und auch nicht im fünften, ­bestenfalls im vierten. Man muss ihn schalten, was allerdings ebenfalls perfekt funktioniert. 

Gas, Kupplung, Bremse, alles bestens. Alles auf Dynamik ausgelegt, aber auch alles recht leichtgängig. Ich würde mir ein bisschen mehr Bremsleistung der Einscheibenbremse wünschen. Da fasst man doch eher in eine teigige Masse, glasklare Rückmeldung ist etwas anderes. „Dann musst du die R-Version nehmen“, weiß Kutti. Die sportlichere und besser ausgestattete Schwester der KTM 690 Duke wird eine leistungsfähigere Bremsanlage, bessere Federelemente und eine heftige Kriegsbemalung auszeichnen.

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Sitzbank beim 2016er-Modell viel besser

Neu und viel besser gestaltet wurde die Sitzbank – die extrem lässige Sitzposition auf der neuen KTM 690 Duke begeistert. Dazu gibt es jetzt ein ziemliches Elektronikpaket. Drei Fahrmodi, Traktionskontrolle und ein TFT-Farbdisplay, das sich den Lichtverhältnissen automatisch anpasst, aber noch ein wenig wacklig anzeigt. Prototyp eben. Auch wirkt die Blinkerkon­trollleuchte so, als hätte man sie im Display schlicht vergessen. Sie ist daneben angebracht.

Na ja. Wir heizen weiter, eine lange, gerade Autobahn steht an, und ich gebe alles. Da blinzelt schon mal der 2er auf dem Display der KTM 690 Duke, fantastisch für einen Einzylinder. Auf den ersten Blick hat KTM alles richtig gemacht. Mehr Druck, bessere Manieren, bessere Ausstattung, mehr Komfort. Die Erfolgsgeschichte der KTM-Singles geht weiter, da bin ich mir sicher.

Foto: KTM
KTM 690 Duke (Modelljahr 2016).
KTM 690 Duke (Modelljahr 2016).

Technische Daten KTM 690 Duke (2016)

Technische Daten KTM 690 Duke (Modelljahr 2016)

Einzylindermotor mit zwei Ausgleichswellen, eine obenliegende Nockenwelle, Rollenkipphebel

690 cm³, zirka 54 kW (74 PS), zirka 75 Nm

Ride-by-Wire, drei Fahrmodi

Stahl-Gitterrohrrahmen, Alurahmenheck, Upside-down-Gabel, Aluminium-Zweiarmschwinge

Einscheibenbremse vorn, Scheibenbremse hinten, Ø 320/265 mm, Bosch-ABS 9M+ abschaltbar

Sitzhöhe zirka 840 mm

Tank 14 Liter 

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