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KTM RC 125 im Fahrbericht 125er in sportlicher Ausführung

Nach der Duke 125 bringt KTM mit der brandneuen KTM RC 125 eine weitere 125er auf den Markt. Die schickt sich an, unter den sportlichen 125ern für mächtig Wirbel zu sorgen.

KTM befindet sich weiter auf globalem Expansionskurs. Nach den Rekordjahren 2012 und 2013 lösten die Orangefarbenen mit über 123.000 verkauften Einheiten BMW als größten Motorradhersteller Europas ab. Solche Stückzahlen erreicht man nicht mit EXC, Adventure und RC8 allein, vielmehr finden in Asien und Südamerika die kleinen Dukes mit 125 und 390 Kubik, besonders aber die 200er großen Absatz. Möglich macht dieses Wachstum die Kooperation mit Bajaj, die diese Baureihe für KTM in Indien fertigen. Nun bringt KTM mit der KTM RC 125 eine sportliche Variante für Einsteiger auf den Markt.

KTM stellt den Dukes die RC-Baureihe, ebenfalls als 125er, 200er und 390er und ebenfalls in Indien produziert, zur Seite. Den Aufschlag in Deutschland bildet die KTM RC 125. Die soll ein Stück vom wachsenden Kuchen des 125er-Marktes ergattern, dessen Sportler-Segment mit Yamaha YZF-R 125, Aprilia RS4 125 und Honda CBR 125 R nicht eben schwach besetzt ist.

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Nahezu baugleich mit den größeren Schwestern

Doch die KTM RC 125 betritt die Arena gut gewappnet. Gleichteile-Strategie sei Dank, ist die 125er nahezu baugleich mit den größeren Schwestern, trägt mit Stolz deren knallorangen Gitterrohrrahmen, WP-Upside-down-Gabel und Federbein, gegossene Alu­miniumschwinge, Radialbremszange am Vorderrad und einen beachtlichen 150er-Hinterreifen. Das ­alles erinnert ein bisschen an längst vergangene ­Tage von giftigen 125er-Zweitakt-Straßenrennern und deren unverhohlenen Racing-Ambitionen.

Auf den Schulhöfen der Republik jedenfalls dürfte die KTM RC 125 für einiges Aufsehen sorgen. Gut so, denn so viel Race-Spirit und knackige Optik taugen, den Nachwuchs für das schönste Hobby der Welt zu begeistern. Doch nicht im Posen, sondern im Fahren liegt der Bestimmungszweck des Motorrads, und hier muss die RC 125 beweisen, ob das Firmenmotto „Ready to Race“ auch für den kleinsten Straßensportler im KTM-Portfolio gilt.

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Motor der KTM RC 125 nimmt schon sehr früh sauber Gas an

Platz genommen, angelassen, losgerollt. Gleich fällt auf, dass die Lenkerstummel der KTM RC 125 direkt in der oberen Gabelbrücke angebracht sind und damit nicht zu tief und relativ weit auseinanderliegen. Die Sitzhöhe wird mit luftigen 820 Millimetern angegeben, schrumpft aber beim Aufsitzen ordentlich zusammen. So ergibt sich in Verbindung mit schmaler Taille, nicht zu harter Sitzbank und vertretbarem Kniewinkel eine sportlich-entspannte Sitzposition, die auch für Einsteiger in Ordnung geht.

Der wassergekühlte Motor der KTM RC 125, bekannt aus der Duke 125, pröttelt sonor aus dem Underfloor-Auspuff und nimmt im Fahrbetrieb schon sehr früh sauber Gas an, um dann über den Verlauf des Drehzahlbandes schön linear, mit einem leichten Kick ab 7500 Touren an Leistung zuzulegen. Kurz vor 10000 mahnt die Schaltanzeige dann zum Gangwechsel, ehe der Begrenzer seine schützende Hand über die vier Ventile des Einspritzmotors hält.

Foto: KTM
Knackige Kanten: Mit eigenständigem Design und viel ­Racing-Flair buhlt die KTM RC 125 um die Jugend.
Knackige Kanten: Mit eigenständigem Design und viel ­Racing-Flair buhlt die KTM RC 125 um die Jugend.

Anfängliche Bedenken ob der recht weich anmutenden Grundabstimmung lösen sich beim Swing auf der Landstraße in Wohlgefallen auf: Gabel und Federbein erledigen ihren Job gut, verfügen über ausreichend Dämpfung und ein sensibles Ansprechverhalten. Die KTM RC 125 lenkt knackig und direkt ein – kein Wunder bei 135 Kilogramm Trockengewicht (Werksangabe) und auf Agilität getrimmter Lenkgeometrie. Das stabile Chassis schenkt Vertrauen bis in tiefe Schräglagen hinab, jedenfalls solange die Fahrbahn trocken ist und die Reifen ­ordentlich auf Betriebstemperatur gebracht sind.

KTM und Bajaj setzen auch bei der KTM RC 125 auf Pneus des in­dischen Zulieferers MRF, die mit ihrem mauen Nassgrip und schmalen Grenzbereich schon beim MOTORRAD-Dauertest der Duke 125 für Stirnrunzeln sorgten. Zwar wurde die Mischung der Reifen in der Zwischenzeit geändert, bei den wechselhaften Bedingungen zur Präsentation wollte sich aber keine Liebesbeziehung zu den Gummis einstellen.

An Bord sind Digitalcockpit, LED-Blinker und beleuchtete Schaltereinheiten

Keine Zweifel hinterließ dagegen die Bremsanalage. Mit gutem Biss und geringer Handkraft bringen die Anker der indischen Brembo-Tochter ByBre die KTM RC 125 in jeder Lebenslage sicher zum Stillstand. Und das – zusammen mit der Duke 125 – als einziges durch ein ABS unterstütztes Leichtkraftrad. Lob verdienen auch das geschmeidig, wenn auch mit recht langen Wegen zu schaltende Getriebe und die leichtgängige Kupplung. Auch die weitere Ausstattung ist komplett: An Bord sind Digitalcockpit, LED-Blinker (vorne geschickt in die großen Spiegel integriert), LED-Positionslicht und -Rück­licht sowie beleuchtete Schaltereinheiten.

Wem das nicht reicht, der findet im umfangreichen Zubehör unter anderem Wave-Bremsscheibe, Racing-Windscreen, einstellbare Hebeleien, ein Gepäcksystem, Dekorsätze und den obligatorischen Akrapovic-Auspuff. Clever gemacht ist der Soziusthron: Was auf den Fotos aussieht wie eine matte Sitzbankabdeckung, ist tatsächlich die Polsterung des Beifahrerplatzes. Der fällt im Vergleich etwa zu Yamahas YZF-R 125 ausgesprochen komfortabel aus. Die KTM RC 125 wird ab September zum Preis von 4595 Euro verfügbar sein. Wer die schärfste 125er im Land baut, muss dann nicht das Spieglein an der Wand, sondern ein Vergleichstest zeigen.

Foto: KTM
LCD: umfassende Information bei mäßiger Ablesbarkeit dank digitalem Cockpit.
LCD: umfassende Information bei mäßiger Ablesbarkeit dank digitalem Cockpit.

Technische Daten KTM RC 125

KTM RC 125

Motor
Wassergekühlter Einzylinder-Viertakt- Motor, eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile, Schlepphebel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, 1 x Ø 33 mm, Lichtmaschine 238 W, Batterie 12 V/8 Ah, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, X-Ring-Kette, Sekundärübersetzung 45:15.
Bohrung x Hub: 58,0 x 47,2 mm
Hubraum: 125 cm³
Verdichtungsverhältnis: 12,6:1
Nennleistung: 11,0 kW (15 PS) bei 9500/min
Max. Drehmoment: 12 Nm bei 8000/min

Fahrwerk
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Federbein, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis, Scheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Vierkolben-Festsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 230 mm, Einkolben-Schwimmsattel, ABS.
Alu-Gussräder: 3.00 x 17; 4.00 x 17
Reifen: 110/70 ZR 17; 150/60 ZR 17

Maße und Gewichte
Radstand 1340 mm, Lenkkopfwinkel 66,5 Grad, Nachlauf 88 mm, Federweg v/h 125/150 mm, Sitzhöhe 820 mm, Trockengewicht 135 kg, zulässiges Gesamtgewicht 335 kg, Tankinhalt/Reserve 10,0/1,5 Liter.
Garantie: zwei Jahre
Farben: Schwarz/Orange
Preis: 4595 Euro
Nebenkosten: 250 Euro

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