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KTM RC 390 Cup im Fahrbericht Jungbrunnen für MOTORRAD-Tester

Noch vor der Straßenmaschine präsentierten die Mattighofner die KTM RC 390 Cup. Sie dient Nachwuchsfahrern als Einstieg in den Rennsport, macht aber auch älteren Testern eine Menge Spaß.

Kleine Motorräder bei gemischten Renntrainings zu fahren ist eine schwierige Sache. Meist reicht den 600er-, 1000er- oder 1200er-Piloten eine kurze Gerade, um 250er- oder 400er-Fahrer zu überholen. Leider reicht oft auch die Kurve danach, um ihnen im Weg herumzustehen.

Deshalb war es ein schönes und seltenes Erlebnis, mit der KTM RC 390 Cup auf der kleinen Rennstrecke im umbrischen Magione unter lauter gleich Motorisierten nach Herzenslust am Gas zu drehen. Diese Strecke ist nur etwas über 2,5 Kilometer lang, hat aber einige trickreich angelegte Passagen und ist wie geschaffen für ein flinkes, 38 PS starkes Motorrad.

Richtig gelesen und auch korrekt geschrieben: Die Cup-Version der KTM RC 390 wurde gegenüber der späteren Serienversion um 6 PS gedrosselt. Die Verantwortlichen des ADAC, Ausrichter des Junior-Cups, wollten den Leistungsunterschied zur letztjährigen Cup-Maschine nicht zu groß werden lassen und bestanden deshalb auf der Drosselung. Mag sein, dass die offene Ver­sion noch energischer ausdreht, doch in Magione vermisste ­niemand die fehlenden PS. Zumal die KTM RC 390 Cup im mittleren Drehzahlbereich kräftig zur Sache ging und optimal kurz für die Strecke übersetzt war. Sogar aus der engsten Rechtsschlinge im alten Streckenteil zog die RC kräftig im dritten Gang. Versuche im Zweiten brachten nur mehr Schalthektik beim Umlegen von Links- auf Rechtsschräglage. Und am Ende der langen Geraden drehte der Einzylinder bis kurz vor den Begrenzer.

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KTM RC 390 Cup bremst spontan und energisch

Was danach kam, war ein echter Prüfstein für das Fahrwerk und die Streckenkenntnis der Piloten. Kurz und knackig bremsen, zwei Gänge zurückschalten und über eine Folge von Bodenwellen in eine schnelle Rechts einfädeln. Eng an den inneren Curbs entlang zischt die KTM RC 390 Cup auf die äußeren zu, schon ­wieder unter strammem Zug am Hinterrad verbindet sie die erste mit der zweiten Rechtskurve zu einem einzigen, herrlich schnell zu fahrenden Bogen und pfeilt sich vor die dritte Rechtskurve in Folge, einen relativ engen 90-Grad-Haken.

Bevor es weitergeht, ist jetzt erst einmal Zeit für analytisches Durchatmen. Was genau haben wir eben erlebt? Spontan und energisch hat die Bremse zugebissen, präzise fand die KTM RC 390 Cup auf die gewählte Linie. Auf den reichlich vorkommenden Bodenwellen federten Gabel und Federbein weit, aber gut gedämpft durch. Anders als bei der Serienmaschine sind Gabel und Federbein voll einstellbare, aufwendige Teile von Hauslieferant WP. Selbstverständlich hätte man die Dämpfung für die Rennstrecke und die etwas verspäteten Junioren unter den Testern in der Druckstufe etwas straffer einstellen können, zumal der Motorspoiler rechts oft sogar in schnelleren Kurven aufsetzt. Doch das lässt sich mit geschicktem Körpereinsatz und mehr Hanging-off kompensieren. Ein gutes Training, das hilft, den Rost aus den Gelenken zu zaubern.

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M7 RR in fast jeder Beziehung besser als der M5

Die KTM RC 390 Cup rollte auf Metzeler Sportec M5, weil der Nachfolger M7 RR noch nicht zur Verfügung stand. Der M5 präsentierte sich im guten wie im weniger guten Sinn als echter Straßenreifen, „springt“ rasch an, funktioniert über einen breiten Temperaturbereich und zeigt auf der leichten Maschine kaum Verschleiß. Andererseits lässt er die Lenkpräzision und glasklare Rückmeldung eines echten Rennreifens vermissen, von dessen Maximalgrip ganz zu schweigen. Erste Tests mit dem M7 RR, freilich in anderen Dimensionen, haben aber gezeigt, dass er in fast jeder Beziehung besser funktioniert als der M5. Da ist also ein deutlicher Fortschritt zu erwarten.

Weiter in der Runde. Es folgt eine der genussreichsten Passagen in Magione und vor allem mit der KTM RC 390 Cup. Anbremsen, nach rechts abklappen, kurz ans Gas, rasch nach links umlegen, wieder nach rechts klappen und noch mal nach links, wobei schon früh unter sattem Zug auf die kurze Zielgerade beschleunigt werden sollte. Wie leicht und zackig das geht! Der Fahrer muss nur aufpassen, dass er vor lauter Euphorie nicht zu rasch einlenkt und übers Vorderrad abschmiert. Die Lastwechsel, das ständige Gas auf, Gas zu in dieser Kurvenorgie, vollziehen sich übrigens vorbildlich unauffällig.

Nach der Zielgeraden ist vor einer Rechtskehre noch einmal die Bremse gefordert. Im Zusammenspiel mit der dicken 320er-­Tuning-Scheibe steht der indische ­Brembo-Nachbau auch dieses deutlich längere Bremsmanöver durch und lässt sich auch beim Anbremsen der kurz darauf folgenden Linkskehre keine Symptome von Fading entlocken. Voll beschleunigend beginnt die nächste Runde. Und noch eine und noch eine. Und mit jeder Runde macht einen die KTM RC 390 Cup wieder ein bisschen jünger.

Technische Daten KTM RC 390 Cup

Motor: Wassergekühlter Einzylinder-Viertakt-Motor, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile, Schlepphebel, Nasssumpfschmierung, Einspritzung, Ø 46 mm, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette, Sekundär­übersetzung 45:15.

Bohrung x Hub: 89,0 x 60,0 mm
Hubraum: 375 cm³
Verdichtungsverhältnis: 12,6:1
Nennleistung: 27,9 kW (38 PS)

Fahrwerk: Gitterrohrrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Ø 43 mm, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Zweiarmschwinge aus Aluminium, Zentralfederbein, stehend, direkt angelenkt, verstellbare Federbasis, Zug- und Druckstufendämpfung, Einscheibenbremse vorn, Ø 320 mm, Vierkolben-Festsattel, Scheibenbremse hinten, Ø 230 mm, Einkolben-Schwimmsattel.

Alu-Gussräder: 3.00 x 17; 4.00 x 17
Reifen: 110/70 ZR 17; 150/60 ZR 17

Maße+Gewichte: Radstand 1340 +/– 15 mm, Lenkkopfwinkel 66,5 Grad, Nachlauf 88 mm, Gewicht vollgetankt* 138 kg, Tankinhalt 10,0 Liter.

Farbe: Schwarz-Orange
Preis: zirka 8600 Euro

*Herstellerangabe

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