Rennmaschine mit einem Schaltautomat in beide Richtungen Racebike: Kubiak & Mohr-Yamaha YZF-R6

Verrückt! Bei dieser R6 muss man pro Ausritt nur zwei Mal per Hand kuppeln. Einmal zum Anfahren und am Ende für den Leerlauf.

Foto: Jahn

Die R6 wirkt wie ein Fahrrad, das nervös in die Kurve fällt. Verstärkt wird dieser Eindruck, wenn man zuvor mit der großen Rennschwester R1 unterwegs war. Unglaublich, wie verschieden das Handling ausfällt, obwohl die R6 auf breiten 190/55er-Dunlop-Slicks samt Serienfelgen rollt. Nach zwei Runden ist Vertrauen da, die Bremspunkte wandern nach vorne, das Gas wird früher aufgezogen und die Fahrlinie aggressiver. Über das Fahrwerk, vorne ein Closed-Cartridge-Gabelumbau von Öhlins, hinten ein TTX36-Federbein vom selben Hersteller, kann man nur soviel sagen: es passt. Es biegt willig ein, liegt stabil in Schräglage und gibt sauber Rückmeldung beim Beschleunigen.

Das 137 PS starke Triebwerk zieht herrlich freizügig an der Kette. Dafür wurden optimierte Ansaugtricher in Verbindung mit einer Bodis-Komplettanlage verbaut und der Motor auf dem Prüfstand darauf abgestimmt - inklusive Verschiebung der Zündzeitpunkte. Okay, das ist ja alles ganz toll. Aber auch nicht gerade verwunderlich, schließlich sollte sich Jesco Günther damit zum Saisonende den Supersport-Titel holen. Verwunderlich ist dagegen die Motec-ECU, die neben Traktionskontrolle, Launch Control und Regulierung der Motorbremse etwas ganz Besonderes bereithält: einen Schaltautomaten in beide Richtungen. Zum Hoch- und Runterschalten. Zuerst jagt man die Gänge durch die Schaltbox bis zum Topspeed. Ohne zu kuppeln, nur durch Drücken des Schalthebels. Das ist heute ja selbst bei Serienmaschinen  teilweise Standard. Aber dann schießt man auf den Bremspunkt zu: Die ersten Mitstreiter ankern. Weitere Mitstreiter ankern. Die letzten Mitstreiter ankern. Jetzt! Voll in die Eisen und nebenbei gemütlich die Gänge nach unten steppen.

Anzeige
Foto: Bilski

Wumm, wumm, wumm. Bei jedem Schaltvorgang steuert die Motec-Zündeinheit die Drosselklappen an, gibt kurz Zwischengas und lässt die Gänge butterweich durch das Getriebe flutschen. Wahnsinn! Während andere Fahrer ihre linke Hand heißkuppeln, kann man sich ungestört auf den Einlenkpunkt konzentrieren. Kaum zu glauben, wie sauber der Kraftschluss zum tieferen Gang erfolgt - selbst beim Runterschalten in voller Schräglage zuckt das Hinterrad nur kurz. Leider ist das aktuell nur durch die Motec-Zündeinheit realisierbar und damit mindestens 15000 Euro teuer. Liebe Hersteller, das muss in Serie gehen! Das ist ein ganz neuer Spaßfaktor. Das ist so lustig, dass man sogar die Tankanzeige aus den Augen verliert. Oder ignoriert.

Ich stehe immer noch auf dem Grünstreifen. Plötzlich heult ein Motor am Eingang der Parabolika kurz auf. Ein Fireblade-Fahrer steigt per Highsider ab. Fahrer okay, die Maschine weniger. Der Abschleppdienst bringt uns zurück ins Fahrerlager, wo das Kubiak & Mohr-Team aufgeregt herumhüpft. Alles okay, Freunde. Euer Doppel-Schaltautomat ist echt der Hammer. Ich bräuchte nur noch mal ein paar Liter Sprit.

Anzeige

Themenseiten

Artikel teilen

Aktuelle Gebrauchtangebote

Alle Artikel